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Update Nachdem der Insolvenzantrag letzte Woche hohe Wellen geschlagen hatte, versucht die südkoreanische Linienreederei Hanjin nun die Folgen abzufedern und die eigenen Schiffe vor Zugriffen durch Gläubiger zu schützen.

In den USA wurde bereits ein Gläubigerschutz beantragt. Wie die Finanzaufsicht Südkoreas mitteilte, wolle Hanjin in den nächsten Tagen entsprechende juristische Schritte in weiteren Ländern vorantreiben.

Kurz nach der Insolvenz waren bereits erste Schiffe in die Kette gelegt worden, unter anderem in den USA, Singapur und Deutschland. Einige Schiffe wurden daraufhin angewiesen, nicht mehr in Häfen einzulaufen. Andere Linienreedereien wie beispielsweise CMA CGM oder OOCL sahen sich bereits gezwungen, ihren Kunden zu versichern, dass alles getan werde, damit ihre Ladungen auf Hanjin-Schiffen ordnungsgemäß geliefert würden. Die Allianz CKYHE legte die Mitgliedschaft von Hanjin, immerhin Nr. 7 der Welt, auf Eis.

Die mittel- und langfristigen Folgen der Insolvenz sind indes noch immer nicht seriös vorhersehbar. Die weitere Zukunft hängt auch vom Verhalten der Insolvenzverwaltung ab. In einem Worst-Case-Szenario könnten die Charter-Reeder auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Allerdings birgt die Entwicklung ein hohes finanzielles Risiko für die Tonnage Provider.

Die Pleite ist als Teil einer umfassenden Konsolidierung in der Branche zu betrachten, die von hohen Tonnage-Überkapazitäten und damit einhergehenden sehr niedrigen Fracht- und Charterraten geprägt ist. Das Niveau der Frachtraten stieg nach der Bekanntgabe der Insolvenz zunächst an, der World Container Index des Branchendienstes Drewry etwa nahm um 42% auf den Routen zu, auf denen Hanjin vergleichsweise stark vertreten ist: Asia-Europe, Asia-US East Coast, Asia-US West Coast und Asia-Middle East. Einige Analysten erwarten, dass der Aufwärtstrend noch ein wenig andauern könnte, falls und solange Hanjin-Schiffe möglicherweise ausfallen. Andere sorgen sich allerdings eher, dass dies vor allem ein kurzfristiger Effekt ist. Mittelfristig könne die Insolvenz dafür sorgen, dass weitere Tramp-Tonnage auf den Spotmarkt kommt – kombiniert mit einer gleichzeitig geringeren Nachfrage, weil einer der großen Player nicht mehr da ist, heißt es etwa im aktuellen Marktbericht des Maklers Continental Chartering.

Gemessen an der Transportkapazität ist die Hanjin-Pleite laut dem Branchendienst Alphaliner die bislang größte. Demnach betreibt Hanjin – immerhin Nr. 7 auf dem Weltmarkt – 98 Box Carrier mit zusammen knapp 610.000 TEU.

Unter den Tramp-Reedern, von denen Hanjin Schiffe gechartert hat, hat die Ankündigung der KDB zum Teil großes Unverständnis ausgelöst. Einige von ihnen sollen vor Wochen einer Anpassung der Ratenverträge nur zugestimmt haben, weil die KDB ihre Bereitschaft zur weiteren Unterstützung des Carriers deutlich gemacht habe. Nach Informationen der HANSA beinhaltet die Hanjin-Flotte insgesamt 98 Charterschiffe, davon 61 Containerfrachter. Zu den Trampreedern zählen auch die deutschen Reedereien Claus-Peter Offen, Conti, die Rickmers Reederei und E.R. Schiffahrt sowie etwa die internationalen Akteure Seaspan, Danaos oder Ofer.

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