Print Friendly, PDF & Email

Für das neue deutsche Forschungsschiff »Atair II« wird Kongsberg Maritime  elektrisches und hydrographisches Equipment liefern. Das integrierte Konzept kommt beim BSH-Neubau erstmals zum Einsatz.

Der Vertrag umfasst laut Kongsberg zum einen die technische Lösungen und Systemintegration im Bereich EIT (Electro, Instrumentation & Telecom). Hier übernehmen die Norweger auch das Projektmanagement. Außerdem liefert und installiert das Unternehmen elektrisches Equipment, hydrographische Instrumente und Telekommunikationssysteme. Insgesamt gehe es um einen zweistelligen Millionenbetrag.

Atair 2
Quelle: Fassmer/Technolog

Kongsberg Maritime hatte bereits Anfang April einen entsprechenden Vertrag mit der Fassmer Werft unterschrieben, die das Schiff in Berne bauen wird. Nun hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie das OK gegeben.

Kongsberg spricht von einer »einzigartigen technischen Lösung«, basierend auf einem als »bahnbrechend« bezeichneten integrierten Konzept (Integrated Vessel Concept) für die »Atair II«. Dabei sollen Funktionen aus Betrieb, Hydrographie und Energiemanagement an Bord vereint werden, um nahtlosen Austausch von Informationen zu ermöglichen und die Effizienz des Schiffs über den gesamten Lebenszyklus zu optimieren.

Erstes LNG-betriebenes Forschungsschiff

2020 soll Fassmer die »Atair II« abliefern. Dann ersetzt sie die »Atair«, die seit 1987 im Einsatz ist. Mit 74 m Länge, etwa 17 m Breite und 5 m Tiefgang wir die »Atair II« das größte Schiff in der BSH-Flotte. An Bord ist Platz für eine 18-köpfige Mannschaft und 15 Wissenschaftler. Die »Atair II« wird zudem das erste LNG-betriebene Forschungsschiff der Welt in öffentlicher Hand sein und eine Maximalgeschwindigkeit von etwa 13 kn erreichen.

Forschungsschiff »Atair«
Indienststellung: 3.8.1987
Vermessung: BRZ 950
Länge: 51,40 m, Breite: 11,40 m
Tiefgang: 3,45 m
Geschwindigkeit: 11,4 kn
Antriebsleistung: 660 kW
Besatzung: 16 Mann
7 Plätze für Wissenschaftler (Foto: BSH)

Der Auftrag an Kongsberg beinhaltet eine vollintegrierte Betriebsumgebung, augestattet mit hochempfindlichen akustischen Systemen, Dynamic Positioning, Antriebssteuerung, Navigationssystemen und Automatisierungslösungen. Das Konzept werde den hohen Ansprüchen für Forschungsaufgaben gerecht und kombiniere dies mit einem flexiblen, intelligenten Energiemanagement und Antriebssystem. Die Norweger liefern zusammen mit Subunternehmern alle elektrischen Systeme, die Telekommunikationstechnik, den Schiffsmotor und Kabel und übernehmen die installation im Rahmen der EPCI Vertrags.

10 Tage LNG-Betrieb

Die »Atair II« wird der erste Neubau nach dem Integrated Vessel Concept von Kongsberg. Das Schiff soll auch die Klassifizierung DNV-GL SILENT – SILENT R erhalten, was minimale Auswirkungen des Schiffsbetriebs auf die maritime Umwelt sowie optimale Arbeitsbedingungen für die Wissenschaftler bedeutet. Das Schiff erfüllt zudem die Normen IMO Tier III für den Ausstoß von Stickoxiden sowie US EPA Tier IV für die Rußpartikelemissionen. Außerdem stimmt das Eco-Design des Schiffs mit den Standars für den »Blauen Engel« überein (RAL-UZ 141).

Die »Atair II« erhält ein großes Arbeitsdeck mit Laboratorien, einer Luftmessstation, einem Kran und einem Rollbalken für geologische Arbeiten am Meeresboden. Das 200 qm große Arbeitsdeck bietet Platz für weitere Labore, Container und beherbergt Tauchausrüstung und eine Tauchglocke. Für Hydrographische Aufgaben und die Wracksuche liefert Kongsberg u.a. Single- und Multi-Beam-Echolote, Sonar, Sidescan-Sonar und Sub-Bottom Profiler. In seinem Einsatzgebiet in der Nord- und Ostsee wird das Schiff außerdem zur Überwachung der maritimen Umwelt und zum Test technischer Geräte eingesetzt.

In Dual-Fuel-Konfiguration wird das Schiff mit niederschwefligem Gasöl betrieben. Der alleinige Betrieb mit Erdgas ist für einen Zeitraum von zehn Tagen möglich, dank der 130 m3 fassenden LNG-Tanks.

Bei der Generalplanung in Bezug auf die Integration des wissenschaftlich-technischen Betriebs, der Konzeptbeschreibung und der Konzeptvisualisierung, sowie bei der Ausarbeitung und Anordnung der vermessungstechnischen und forschungstechnischen Ausrüstungen für das Spezialschiff wurde Fassmer vom Hamburger Ingenieurbüro Technolog services unterstützt. Die Zusammenarbeit wird auch während der Konstruktions- und Bauphase für diesen Neubau fortgesetzt.

Verwandte Artikel