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Rolls-Royce könnte sich wegen anhaltender Verluste von einem Teil seines zivilen Marine-Geschäft trennen. Eine möglicher Verkauf sei Teil von strategischen Überlegungen, in der zweiten Jahreshälfte soll es eine Entscheidung geben.

Die maritime Sparte des Konzerns leidet seit 2015 unter der Krise im Offshore-Markt für Öl und Gas, aber auch durch die Marktschwäche in der kommerziellen Schifffahrt. Zuletzt wurde bei einem Umsatz von gut 1,1 £ ein Verlust von 27 Mio. £ verbucht. Der militärische Marine-Bereich (Naval) der in jedem Fall behalten werden soll, steuerte 25% der Erlöse bei, der zivile Schifffahrtsbereich dagegen 75%.

Rolls Royce, Warren East
CEO Warren East (Foto: Rolls Royce)

In den vergangenen Jahren hatte Rolls-Royce das Geschäftsfeld Schifffahrt bereits stark dezimiert und die Zahl der Standorte von 27 auf 15 verringert. Außerdem wurden nicht-profitable Abteilungen abgestoßen und die Zahl der Mitarbeiter um 30% auf 4.200 Stellen abgebaut.

Gleichzeitig wurde aber auch viel Geld in Innovationen investiert, vor allem in Projekte für eine autonome Schifffahrt und intelligentes Schiffsmanagement. Rolls Royce gilt in diesem Bereich als weltweit führend.

Rolls Royce
Foto: Rolls Royce

Nun aber wird noch einmal neu nachgedacht. In einem ersten Schritt will das Unternehmen alle Aktivitäten in nur noch drei Sparten zusammenfassen – Luftfahrt (civil aerospace), Verteidigung (defence) und Power systems. Zum letztgenannten Bereich gehören dann künftig auch alle maritimen Geschäftseinheiten.

»Es ist an der Zeit, unsere strategischen Optionen für den kommerziellen Schifffahrtsbereich zu überdenken«, sagt Vorstandschef Warren East. Ein Verkauf eines Teils der Rolls-Royce-Marine-Sparte sei dabei eine Möglichkeit.

Zu den deutschen Standorten gehören die Rolls-Royce Power Systems AG in Friedrichshafen (ehemals Tognum AG) als Spezialist für Großmotoren, Antriebssysteme und dezentrale Energieanlagen mit rund 6.000 Mitarbeitern und die Rolls-Royce Marine Deutschland GmbH in Hamburg.

Es gebe Interessenten bei einem möglichen Verkauf, heißt es weiter. Und während der Börsenkurs der Unternehmensaktie zum Höhenflug auf ein 10-Jahres-Hoch ansetzte, kursieren bereits die ersten Namen. Der von Wärtsilä zum Beispiel. Die Finnen haben ein ganz ähnliches maritimes Portfolio.