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Der Rolls-Royce-Konzern zieht endgültig die Reißleine. Das Geschäft für die kommerzielle Schifffahrt wird an das norwegische Unternehmen Kongsberg verkauft.

Nach dem Verkauf des Stuttgarter Motorenspezialisten L’Orange folgt jetzt der nächste große Einschnitt im Geschäft mit der Schifffahrt. Mit Kongsberg wurde eine Einigung erzielt. Der Wert des verkauften Segments beträgt 500 Mio. £. Nach Berücksichtigung von Pensionsverpflichtungen und -rückstellungen, Trennungskosten, Beraterhonoraren und Betriebskapital wird ein Nettoerlös von £ 350 Mio. bis £ 400 Mio. erwartet.

Die Transaktion wurde von den Aufsichtsräten der Unternehmen bereits genehmigt und soll voraussichtlich im ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden.

Kongsberg ist auch am Projekt »Yara Birkeland« beteiligt (Photo: Kongsberg)

Die Technologie-Gruppe Kongsberg arbeitet unter anderem an innovativen Produkten für Navigations- und Brückenelemente und hat sich auch die »autonome Schifffahrtq auf die Fahnen geschriebene. Man ist in 25 Ländern mit ca. 7.000 Mitarbeitern vertreten und hat einen Umsatz von 14,5 Mrd. NOK. »In der maritimen Industrie ergänzen sich die Unternehmen in ihren Produkten, Lösungen und Kompetenzen«, heißt es im Zuge der Verkaufsvereinbarung.

Dieser Schritt folgt einer im Januar 2018 angekündigten »strategischen Überprüfung des Geschäftsbereichs Marine«, schreibt Rolls-Royce. Im Zuge der jahrelangen Schifffahrtskrise musste auch der Zulieferer herbe Einbußen hinnehmen, die maritime Sparte erwies sich als ein Sorgenkind mit hohen Verlusten. Der jetzige Verkauf umfasst Antriebe, Decksmaschinen, Automation und Steuerung, ein Servicenetzwerk in mehr als 30 Ländern und die Schiffsdesign-Kapazitäten. Bisher seien auf Basis dieser Designs rund 1.000 Schiffe an Kunden aus den Offshore-, Fracht-, Passagier- und Fischereimärkten geliefert worden. Auch die »Ship Intelligence«-Aktivitäten für den autonomen Betrieb von Handelsschiffen werden abgegeben.

Partnerschaft auch für Defense-Geschäft

Logo Rolls-Royce

Bei Rolls-Royce verbleiben wird hingegen das Geschäft von Bergen Engines, zu dem Kongsberg über ein eigenes Abkommen aber ebenfalls Zugang haben soll. Die Motorenpalette von Bergen, sowohl für Diesel- als auch für Gasmotoren mit mittleren Drehzahlen, sei eine »Schlüsselkomponente, die es Kongsberg ermöglichen werde, führend in der Weiterentwicklung integrierter Schiffssysteme zu sein«. Die Norweger sollen darüber hinaus ein wichtiger Partner und Lieferant für das Defence-Geschäft von Rolls-Royce werden.

Rolls-Royce Power Systems wird MTU-Motoren weiterhin an eine Reihe von Kunden auf dem Marinemarkt, einschließlich Betreibern von Handelsschiffen und Yachten, liefern. Die Marine-Gasturbinenantriebsaktivitäten werden weiterhin ein Kernbestandteil von Rolls-Royce Defence sein, wird betont.

3.600 Mitarbeiter

Das Segment »Commercial Marine« beschäftigt rund 3.600 Mitarbeiter, die meisten davon in der nordischen Region. Im Jahr 2017 erwirtschaftete das Segment einen Umsatz von £ 817 Millionen mit einem operativen Verlust von £ 70 Millionen. Warren East, CEO von Rolls-Royce, sagte: »Diese Transaktion baut auf den Maßnahmen auf, die wir in den letzten zwei Jahren zur Vereinfachung unseres Geschäfts ergriffen haben. Der Verkauf unseres Commercial-Marine-Geschäfts ermöglicht uns, uns auf unsere drei Kerngeschäfte zu konzentrieren die lebenswichtigen Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen.«

Geir Håøy, Geschäftsführer und Präsident von Kongsberg ergänzte: »Die Übernahme von Rolls-Royce Commercial Marine macht uns zu einem Komplett-Lieferanten für die maritime Industrie. Durch diese Akquisition werden wir unsere strategische Position bei Reedern, Werften und anderen Kunden und Partnern stärken.«