Der 31.700-Tonner »Atlantic Harmony« wurde laut Maklerberichten für 12 Monate zu 10.500-Tonner gechartert (Foto: Wägener)
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Die Preise in der Mehrzweck- und Heavylift-Schifffahrt bewegen sich langsam aber relativ stetig nach oben, zumindest für Neubau- und Gebraucht-Tonnage, aber auch für Charterbeschäftigungen. Auffällig ist zudem, dass derzeit einige Carrier verstärkt einen Fokus auf größere Frachter legen.

Das »Arbeitspferd« der Branche ist seit langer Zeit der berühmte F-Typ mit rund 12.500t Tragfähigkeit. Daran hat sich auch in den vergangenen Monaten nicht wirklich etwas geändert, macht das Segment 10.000 bis 14.999tdw mit 293 Schiffen doch nach wie vor mehr als ein Viertel der weltweiten Flotte aus. Die größere Klasse über 25.000tdw steht hingegen bei 261 Frachtern – bezogen auf die Schiffsanzahl sind das knapp 19%, wie aus dem aktuellen Marktbericht des Hamburger Maklers Toepfer Transport hervorgeht.

In den Krisenjahren wurden diese Schiffe angesichts der großen zu füllenden Laderäume von vielen gemieden. Jetzt werden diese Schiffe wieder interessanter. Mehr Laderaum bedeutet in dieser Rechnung mehr Fracht und damit mehr Einnahmen, mit denen die steigenden Bunker-Rechnung beglichen werden kann.

So sehen es offenbar einige Operateure. So wurden zuletzt einige Chartern für Frachter mit 24.000 bis 31.800 tdw geschlossen. Bei BBC Chartering aus dem ostfriesischen Leer hat man schon länger ein Auge auf diese Schiffsgröße geworfen und sah nun gute Bedingungen, nachdem entsprechende Kontrakte gesichert werden konnten, unter anderem im Markt mit Windkraftanlagen. Durch diese Verschiebung sehe man einen positiven Effekt auf die Gesamtperformanz des Flottenportfolios, bestätigt das Unternehmen gegenüber der HANSA. Auch der Carrier AAL aus der Unternehmensgruppe von Heinrich Schoeller oder Thorco aus Dänemark griffen zuletzt wieder auf dem Markt zu.

Ein weiterer Akteur in diesem Markt ist bekanntlich das chinesisch-polnische Joint Venture Chipolbrok. Dort arbeitet man weiter an einer Modernisierung der Flotte. In der internen Abstimmung hat man sich dem Vernehmen nach allerdings noch nicht auf endgültige Spezifika festgelegt. Ob mit der Staatsreederei Cosco ein weiterer chinesischer Carrier noch einmal in diesem Segment zuschlägt, ist unklar. Schlussendlich bestimmt aber Peking die Agenda. Chinesische Werften sollen auf staatlichen Geheiß schon an neuen Schiffen arbeiten, die letztlich von den nationalen Carriern aufgenommen werden müssten, wie zu hören ist.

Die Analysten von Toepfer Transport sehen für den gesamten MPP-Markt aktuell nur wenig Neubau-Aktivität. Als mögliche Ursache gelten unter anderem die steigenden Preisvorstellungen der Werften genannt. Ein potenziell Treiber ist allerdings, dass verschiedene Eigner keine passenden Schiffe auf dem Gebrauchtmarkt finden. Dort gab es einen Schub: »Es stehen weniger Schiffe zum Verkauf, das treibt die Preise hoch«, so der Toepfer-Bericht.


Lesen Sie den kompletten Markt-Report über die MPP-Schifffahrt in der aktuellen September-Ausgabe der HANSA. Dabei geht es unter anderem auch um Marktanteile, konkrete Preise, Charter-Entwicklungen und den Ladungsmarkt »Wind«.