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Das Schicksal der NordLB entscheidet sich womöglich in den nächsten Tagen. Bis Anfang kommender Woche können potentielle Investoren indikative Angebote für eine Beteiligung abgeben. Neben US-Fonds sollen auch Landesbanken Interesse signalisiert haben.

Zu den möglichen Bietern gehört nach Informationen des Handelsblatt der US-Finanzinvestor Cerberus, der gemeinsam mit J.C. Flowers bereits den Zuschlag für die HSH Nordbank erhalten hatte. Auch die US-Beteiligungsgesellschaft Apollo soll noch im Rennen sein, ebenso zwei deutsche Landesbanken. Während jedoch die LBBW (Baden-Württemberg) mit Schiffsfinanzierungen wenig bis gar nichts zu tun hat, ist die Helaba (Hessen-Thüringen) ein eher kleiner Akteur mit einem Portfolio von weniger als 0,5 Mrd. €.

Daher gilt eine »Bereinigung« des von der NordLB verwalteten Kreditbestands für Reedereikunden als eine Voraussetzung für einen möglichen Einstieg der öffentlich-rechtlichen Institute. Gerade die notleidenden Schiffsdarlehen hatten der NordLB 2016 einen Rekordverlust von –2,9 Mrd. € eingebrockt. Die Bank will den Bestand an »problembehafteten« Krediten (non-performing loans – NPL) bis Ende 2019 auf unter 5 Mrd. € senken, Ende Juni waren es noch 7,7 Mrd. €, zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres 2017 waren es noch 9,1 Mrd. €.

Seit Jahresende 2015 war das gesamte Schiffsfinanzierungsportfolio bereits um 7,5 Mrd. € auf zuletzt noch 9,9 Mrd. € reduziert worden. So konnte mit Abschluss des 1. Halbjahres 2018 wieder ein kleiner Gewinn von 54 Mio. € ausgewiesen werden.

Ein Teilportfolio im Wert von nominell 2 Mrd. € soll schnellstmöglich verkauft werden, Details wurden bislang nicht preisgegeben. Außerdem im Angebot: rund 40 MPP-Schiffe. Angesichts der nur mäßig erholten Schiffswerte bleibt aber unklar, wie sich ein möglicher Verkauf auf die Bilanz auswirkt. Unter Umständen müssten weitere Wertberichtigungen vorgenommen werden, was den Kapitalbedarf zusätzlich erhöhen würde.

Dem Vernehmen nach braucht die Landesbank bis zu 3 Mrd. €, um künftige Kreditrisiken abzufedern und die steigenden Vorgaben der Bankenaufsicht zu erfüllen. Damit war die Suche nach neuen Investoren eröffnet. Die Frage ist nun, ob Private Equity zum Zuge kommt oder andere Landesbanken ins Boot steigen. Beide Varianten müssten von der EU genehmigt werden.

US-Investoren vs. deutsche Landesbank(en)

Bei einem Einstieg von einer oder mehreren Landesbanken könnte das Hannoveraner Geldhaus Mitglied im öffentlich-rechtlichen Einlagensicherungsfonds bleiben. Bei einer Beteiligung von Finanzinvestoren müsste die NordLB dagegen vermutlich in den Sicherungsfonds der privaten Banken wechseln. Das allerdings hatte jüngst bei der HSH Nordbank für eine monatelange Diskussion über die Modalitäten geführt und würde den Prozess sicherlich verzögern.

Niedersachsen ist mit knapp 60% vor den Sparkassen mit gut 26% größter Eigner, danach kommt das Land Sachsen-Anhalt mit knapp 6%. Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers, gleichzeitig Aufsichtsratschef der Bank, hate zuletzt erklärt, dass das Land die Mehrheit an der Landesbank behalten wolle. Dies gilt aber wohl nicht im Falle eines Einstiegs einer oder mehrerer anderer Landesbanken, ist zu hören. Und ist damit die Lösung, die in Hannover derzeit ganz offensichtlich favorisiert wird. Eine Entscheidung soll bis Ende des Jahres fallen.