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Der morgige Tag wird für zwei deutsche Landesbanken zum Schicksalstag. Während bei der HSH Nordbank der Verkauf besiegelt wird, geben bei der NordLB potenzielle Miteigentümer ihre Gebote ab.

Mit dem morgigen Tag endet eine Ära: Nachdem zuletzt die EU-Kommission dem Verkauf der HSH Nordbank zugestimmt hat, soll der Verkauf an eine anglo-amerikanische  Investorengruppe nun auch final besiegelt werden. Den Zuschlag hatte im Februar ein Konsortium um Cerberus und J.C. Flowers zu einem Preis von rund 1 Mrd. € erhalten.

Sie übernehmen eine deutlich abgeschmolzene Kernbank, die ein Schiffskreditportfolio von nur noch 5,2 Mrd. € verwaltet – es waren mal weit über 40 Mrd. €. Künftig wird die HSH unter dem neuen Namen Hamburg Commercial Bank (HCOB) firmieren.

Vorhang auf für den zweiten Akt

Einen Tag später folgt der zweite Akt: Eine im wesentlichen identische Investorengruppe übernimmt zusätzlich ein Altlastenportfolio (»Special Purpose Vehicle«), in das die Bank insgesamt 6,3 Mrd. € ausgelagert hatte, darunter damals noch 4,2 Mrd. € an »faulen« Krediten aus der Schiffsfinanzierung. Durch eine Neubewertung nach »fair value« und einzelne Schiffsverkäufe hatte die Bank zum Ende des 3. Quartals davon allerdings nur noch 975 Mio. € in den Büchern stehen. Der Kaufpreis für das Gesamtportfolio auch hier: etwa 1 Mrd. €.

Damit endet nach 15 Jahren die Geschichte der gemeinsamen Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, für die Länder am Ende ein schmerzhaftes und teures Abenteuer, das sie wohl insgesamt rund 13 Mrd. € gekostet hat.

NordLB am Scheideweg

Auch die NordLB steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Die niedersächsische Landesbank muss sich für neue Miteigentümer öffnen. Denn sie braucht dringend rund 3,5 Mrd. € frisches Kapital, nachdem sie in Folge der Schifffahrtskrise und der Übernahme der Bremer Landesbank (BLB) etliche Milliarden abschreiben musste. Morgen endet die Angebotsfrist für potenzielle Investoren.

Im Rennen waren dem Vernehmen nach Finanzinvestoren wie Apollo und – erneut –Cerberus, angeblich auch die Commerzbank und mit der Helaba die Landesbank Hessen und Thüringens. Letztere galt aus Sicht der NordLB als Wunschkandidat, ist aber ein Zitterkandidat. Vor allem die Sparkassen (26% der Anteile) wollen zwar unbedingt eine Privatisierung des Instituts nach dem Vorbild der HSH Nordbank verhindern, andererseits sich aber auch nicht den Bedingungen der Helaba unterwerfen.

Angeblich verhandelt die NordLB über den Verkauf von zwei milliardenschweren Portfolios aus dem Bereich Shipping. Ein Paket heißt »Big Ben« und soll rund 2,5 Mrd. € umfassen, das andere wurde »Tower Bridge« getauft und ist mit 4 Mrd. € deutlich größer. Auch dafür sollen mehrere finale Angebote vorliegen, heißt es. Cerberus, benannt nach dem dreiköpfigen Höllenhund aus der griechischen Mythologie, ist hier dem Vernehmen nach ebenso dabei wie auch der konkurrierende US-Investor Lone Star oder der Hedgefonds Davidson Kempner.

Prozess in Hannover verzögert sich

Offiziell gibt es dazu keine Bestätigung, weder von der NordLB noch von Seiten der möglichen Investoren. Aus Hannover heißt es Medienberichten zufolge lediglich, man mache »derzeit große Fortschritte beim Vorhaben, den Bestand notleidender Schiffsdarlehen bis Ende 2019 auf unter 5 Mrd. € zu senken.« Jedoch zeichnet sich jetzt ab, dass der Prozess deutlich länger dauern dürfte als geplant (und erhofft). Die Offerten seien so unterschiedlich und derart schwer zu vergleichen, dass die Träger der NordLB mehr Zeit bräuchten, um eine Auswahl zu treffen, hieß es zuletzt.

Gerade die notleidenden Schiffsdarlehen hatten der NordLB 2016 einen Rekordverlust von –2,9 Mrd. € eingebrockt. Die Bank will den Bestand an »problembehafteten« Krediten (non-performing loans – NPL) bis Ende 2019 auf unter 5 Mrd. € senken, Ende Juni waren es noch 7,7 Mrd. € gegenüber 9,1 Mrd. € zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres 2017.

Seit Jahresende 2015 war das gesamte Schiffsfinanzierungsportfolio bereits um 7,5 Mrd. € auf zuletzt noch 9,9 Mrd. € reduziert worden. So konnte mit Abschluss des 1. Halbjahres 2018 wieder ein kleiner Gewinn von 54 Mio. € ausgewiesen werden.