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Der Verkauf der HSH Nordbank an Investoren hatte für ein gehöriges Rauschen im Blätterwald gesorgt. Der zweite Akt der Privatisierung, die Übertragung von Altlasten, ist dagegen geräuschlos über die Bühne gegangen. Dabei geht es um weitaus mehr Geld als bei der Bank selbst.

An den Verkauf der ehemaligen Landesbank Hamburgs und Schleswig-Holsteins an eine anglo-amerikanische Investorengruppe um Cerberus und J.C. Flowers waren seit Februar etliche Bedingungen geknüpft. Die meisten sind erfüllt, zuletzt hatte auch die EU der Privatisierung zugestimmt. Nun erfolgte einen Tag nach dem Verkauf der Bank, aber eher still und leise, der zweite Akt – die Übertragung eines »schwerst gestörten« Alt-Portfolios einschließlich »fauler« Schiffskredite.

Die Einigung aus dem Februar sah vor, 6,3 Mrd. € aus der damaligen »Bad Bank« herauszulösen und gesondert an eine Investorengruppe zu verkaufen. Diese ist weitestgehend identisch mit dem Käuferkonsortium. Diese Problemkredite sollen in einem »Special Purpose Vehicle«, einer Zweckgesellschaft, gebündelt und später zu einem passenden Zeitpunkt verwertet, sprich verkauft werden. Vorteil für die Kernbank: Sie wird von den größten Risiken befreit und hat dank einer deutlich geringeren NPE-Quote (non-performing exposure) von etwa 2% künftig ein gutes Rating sicher.

Nominell handelte es sich um Forderungen in Höhe von 6,3 Mrd. € einschließlich 4,2 Mrd. € aus dem Bereich Schifffahrt. Nach Abzug der zu Jahresbeginn gebildeten Risikovorsorge standen die Kredite nur noch mit 3,5 Mrd. € in den Büchern, der Marktwert liegt nach Abzug von zusätzlichen Wertberichtigungen jetzt nur noch bei etwa 2,5 Mrd. €. Das entspricht einem Abschlag von 60%.

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@ HANSA / HSH Nordbank

Die Investoren zahlen für dieses Portfolio also weitaus mehr als beim Kauf der gesamten (gesunden) HSH Nordbank. Dafür wurde nur 1 Mrd. € fällig. Ein lohnendes Geschäft wird dies nur dann, wenn es den neuen Eignern gelingt, die Altkredite über heutigem Marktwert zu versilbern.

In ihrem letzten Quartalsbericht hatte die HSH den darauf entfallenden Shipping-Anteil, der noch zum Jahreswechsel mit 4,2 Mrd. € beziffert worden war, nur noch mit 975 Mio. € ausgewiesen. Als Begründung waren Schiffsverkäufe und eine bilanzielle Neubewertung der Forderungen nach IFRS genannt worden.

HSH
Grafik: HANSA