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Die Brückenbesatzung der norwegischen Fregatte »Helge Ingstad« hat vor der Kollision mit der »Sola TS« die Lage falsch eingeschätzt. Sie hielt den Tanker für einen Teil des Terminals Sture.

Zu diesem Ergebnis kommt eine norwegische Untersuchungskommission nach einer ersten Analyse des Unglücksfalls. In den frühen Morgenstunden des 8. November waren die norwegische Fregatte »Helge Ingstad« und der in Malta registrierte griechische Tanker im Hjeltefjord nahe dem Ölterminal Sture kollidiert. Die Fregatte wurde dabei durch den für die Eisfahrt extra verstärkten Tankerbug an der Steuerbordseite so schwer beschädigt, dass sie durch ein Notmanöver auf Grund gesetzt werden musste. Einige Tage später versank sie trotz den Bergungsversuchen fast komplett im Fjord.

Es war eine klare Nacht bei guter Sicht. Die »Helge Ingstad« befand sich kurz vor 4 Uhr morgens auf der Rückweg vom Nato-Manöver »Trident Juncture« auf Südkurs im Hjeltefjord. Das AIS sei lediglich auf Empfang geschaltet gewesen, heißt es im Bericht. Auf dem gerade auslaufenden Tanker sei die Decksbeleuchtung eingeschaltet worden, womöglich habe man ihn deshalb auf der Brücke der Fregatte nicht als Schiff, sondern als ein »stationäres« Objekt erachtet.

Helge Ingstad, Havarie, Fregatte
@ HANSA

Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme und der Aufforderung, den Kurs zu wechseln, habe der wachhabende Offizier auf der »Helge Ingstad« erst kurz vor dem Zusammenstoß die Gefahr erkannt. Die beiden Schiffe waren da weniger als 400 m voneinander entfernt. Das eingeleitete Ausweichmanöver kam zu spät.

Bei dem Zusammenstoß wurde die Fregatte (Baujahr 2017), eines der modernsten Kriegsschiffe der norwegischen Marine, schwer beschädigt. Es verlor die Ruderkontrolle und den Antrieb lief wenige Minuten später auf Grund. Fünf Tage später versank es fast vollständig in der Bucht. Das 500 Mio. € teure Schiff ist vermutlich ein Totalschaden, soll aber geborgen werden.

Das Trondheimer Technologieunternehmen Blueye Robotics hat diese Woche zwei Unterwasserdrohnen an die norwegischen Streitkräfte geliefert, die normaler Weise für Rumpfinspektionen eingesetzt werden. Mit ihrer Hilfe soll vor der geplanten Bergung der geflutete Torpedoraum und anderen Bereiche des Schiffes untersucht werden.