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Container mit garantierten Raten und Stellplätzen einfach online wie eine Reise buchen – das wird immer wieder als Innovation gefeiert. Doch wie schlagen sich die Online-Plattformen wirklich? Experten zweifeln am Erfolg.

Die Ankündigung von CMA CGM in den letzten Tagen, ihre Raten auf der Online-Frachtbörse Freightos zu listen, nimmt der Branchendienst Alphaliner zum Anlass, sich die Erfolgschancen solcher Modelle genauer anzusehen. Die Sichtweise von CMA CGM, dass der Schritt einen echten Wandel die für die Branche bedeute, weil es nun erstmals auf den wichtigsten Schifffahrtsrouten ein System wie im Reise- oder E-Commerce-Geschäft gebe, mit »garantierten Preisen innerhalb von Sekunden«, teilt man bei Alphaliner jedenfalls nicht ganz.

Das Angebot sei nicht ganz neu, so habe Maersk schon vor über zehn Jahren, im Januar 2008, versucht, mit der Plattform youship.com dieses Modell auf die Containerschifffahrt zu übertragen. Ein Jahr später stellten die Dänen den Dienst ein, obwohl er offiziell als erfolgreiches Pilotprojekt gefeiert wurde.

Nicht für Hauptrouten geeignet?

Die Analysten sehen mehrere Gründe für das Scheitern von Maersk, die für den Containermarkt charakteristisch sind. So richten sich die Online-Plattformen in erster Linie an kleinere Versender, die unregelmäßig buchen und keine eigenen Serviceverträge haben. Die wichtigen Routen werden aber von BCOs und NVOCCs und Großspeditionen dominiert, die die Plattformen nicht brauchen. Laut Alphaliner machen die kleinen Versender hier nur schätzungsweise 5% des Volumens aus.

Zudem seien die Frachtraten auf den öffentlichen Plattformen in der Regel höher als der Marktdurchschnitt, weil die Reedereien Zuschläge für garantierte Stellplätze und geringe Volumina verlangen. So berechne beispielsweise CMA CGM aktuell für die Route Schanghai-Los Angeles über Freightos 2.263 $/FEU, wohingegen der Index SCFI zuletzt nur 2.030 $/FEU für die Route ausgewiesen hatte. Die Plattformpreise könnten von den Kunden zudem als Basis genutzt werden, um dann mit anderen Reedereien oder NVOCCs bessere Raten auszuhandeln.

Keine Chance bei Überkapazitäten im Markt

Die Online-Plattformen, so hatte es schon Maersk 2009 gemeint, seien insbesondere in Zeiten knapper Kapazitäten interessant, weil kleinere Versender dann Schwierigkeiten haben, gute Raten und Platzgarantien zu bekommen. In einer Überkapazitätssituation seien die hohen Aufschläge aber kaum zu rechtfertigen. Zwar gebe es seit Juli auf den Pazifikrouten eine Knappheit an Tonnage, aber die Unsicherheit, ob das auch 2019 noch so sein wird, sei derzeit groß. Der echte Test für CMA CGM und Freightos kommt laut Alphaliner dann, wenn sich der Markt stabilisiert und die Kapazitöt nicht mehr so begrenzt ist.

Insgesamt betrachtet haben alle Online-Buchungsplattformen für Container, die in den vergangenen Jahren gestartet wurden keinen Durchbruch geschafft, zu klein sind die Volumina, die hier gebucht werden. Es bleibe abzuwarten, ob sich ein neues Angebot nun besser schlagen könne, so die Experten.

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