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Private oder öffentliche-rechtliche Lösung? Bei der NordLB naht die Entscheidung. Denn mit einem gemeinsamen Angebot für eine Beteiligung setzten zwei US-Finanzinvestoren die Eigentümer unter Zugzwang.

Dem Vernehmen nach haben die beiden US-Fondsmanager Cerberus und Centerbridge am Sonnabend ein gemeinsames Angebot für eine Minderheitsbeteiligung an der NordLB abgegeben. Mit Apollo wäre ein dritter Bieter demnach aus dem Rennen. »Wir werden das Angebot der beiden Investoren jetzt gründlich prüfen«, sagte Vorstandschef Thomas Bürkle laut einer knappen Mitteilung der Landesbank.

Die NordLB, die derzeit knapp 6.000 Mitarbeiter beschäftigt, leidet unter schmerzhaften Abschreibungen auf Schiffskredite und benötigt rund 3,5 Mrd. € an frischem Kapital. Woher das Geld letztlich kommt, bleibt weiter offen. Denn neben dem Verkauf an private Geldgeber steht immer noch eine öffentlich-rechtliche Lösung im Raum. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) plädiert dafür, auch mit der Helaba, der Landesbank für Hessen und Thüringen, wird offenbar weiter verhandelt.

Springen die Länder ein?

NordLB
Thomas Bürkle (Foto: NordLB)

2,5 Mrd. € müssten demnach die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt stemmen, die zusammen rund 65% an der Landesbank halten. Die restliche Summe solle zu ungefähr je einem Drittel von den beteiligten Sparkassen sowie aus dem Sicherungsfonds der deutschen Sparkassen und der Landesbanken kommen. Diese Lösung sei bereits bei einem hochrangigen Treffen mit Vertretern der Sparkassen-Finanzgruppe und der EZB vorgestellt worden, schreibt die Börsen-Zeitung.

Vorstandschef Bürkle ist zuversichtlich, dass es schon bald zu einer Entscheidung kommen wird. Es gebe erhebliche Fortschritte bei der Transformation der Bank und der Optimierung der Prozesse. Dazu zählt auch ein Abbau der Schiffsfinanzierungen.

Milliardenschwere Altlasten zum Schnäppchenpreis?

Der Bestand an »problembehafteten« Krediten (non-performing loans – NPL) soll bis Ende des Jahres auf unter 5 Mrd. € sinken, Ende Juni 2018 waren es noch 7,7 Mrd. € gegenüber 9,1 Mrd. € im Sommer 2017.

Seit Jahresende 2015 war das gesamte Schiffsfinanzierungsportfolio bereits um 7,5 Mrd. € auf zuletzt nur noch 9,9 Mrd. € reduziert worden. So konnte mit Abschluss des 1. Halbjahres 2018 wieder ein kleiner Gewinn von 54 Mio. € ausgewiesen werden. Der Abbau soll massiv fortgesetzt werden. Mit Macht will sich sich die NordLB von Altlasten befreien und bietet »faule« Schiffskredite zum Verkauf an. Insgesamt geht es um drei Pakete:

  • 42 MPP-Schiffe, die vermutlich an die Hamburger Reederei Auerbach Schifffahrt gehen. Dazu kommen zwei Milliarden-Portfolios.
  • das Portfolio names »Big Ben« im Wert von rund 2,5 Mrd. €. Darüber soll der Cerberus derzeit exklusiven mit der NordLB verhandeln.
  • das Portfolio »Tower Bridge« im Wert von etwa 4 Mrd. €. Auch dafür sollen mehrere finale Angebote von Cerberus, dem US-Investor Lone Star oder dem Hedgefonds Davidson Kempner vorliegen.

Gerade Cerberus mischt den deutschen Bankensektor derzeit kräftig auf. Die HSH Nordbank hat sich der US-Investor bereits gesichert, außerdem hält der US-Fonds Anteile sowohl an der Deutschen Bank (3%) als auch an der Commerzbank (5%). Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass diese beiden Banken verschmolzen werden könnten. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, hatte sich zuletzt mehrfach mit Vertretern der beiden Banken und von Cerberus getroffen.