Print Friendly, PDF & Email

Jetzt ist es offiziell, die Geschäftseinheit Commercial Marine wechselt nächsten Monat von Rolls-Royce zu Kongsberg. Die Sparte hatte Rolls-Royce insbesondere im Zuge der Offshore-Krise Verluste beschert.

Damit geht das Geschäft für die kommerzielle Schifffahrt an das norwegische Unternehmen, nachdem die Briten bereits den Stuttgarter Motorenspezialisten L’Orange verkauft hatten. Außerdem verkaufte Rolls-Royce im Januar sein Produkt DP (Dynamic Positioning) inklusive der entsprechenden Rechte am geistigen Eigentum an den US-Ruderpropellerhersteller Thrustmaster.

Die Transaktion mit Kongsberg war im Juli 2018 angekündigt worden, der Wert des verkauften Segments wurde mit 500 Mio. £ angegeben. Nach Berücksichtigung von Pensionsverpflichtungen und -rückstellungen, Trennungskosten, Beraterhonoraren und Betriebskapital sollte der Nettoerlös zwischen 350 Mio. £ und 400 Mio. £ liegen.

Kongsberg ist auch am Projekt »Yara Birkeland« beteiligt (Photo: Kongsberg)

Die Technologie-Gruppe Kongsberg arbeitet unter anderem an innovativen Produkten für Navigations- und Brückenelemente und hat sich – ebenso wie Rolls-Royce – die »autonome Schifffahrt« auf die Fahnen geschriebene. Man ist in 25 Ländern mit ca. 7.000 Mitarbeitern vertreten und hat einen Umsatz von 14,5 Mrd. NOK. »In der maritimen Industrie ergänzen sich die Unternehmen in ihren Produkten, Lösungen und Kompetenzen«, hieß es im Zuge der Verkaufsvereinbarung.

Bereits im Januar 2018 hatte Rolls-Royce angekündigt, eine »strategische Überprüfung des Geschäftsbereichs Marine« vorzunehmen. Im Zuge der jahrelangen Schifffahrtskrise, vor allem wegen des Zusammenbruchs des Offshore-Marktes, musste auch der Zulieferer herbe Einbußen hinnehmen, die maritime Sparte erwies sich als ein Sorgenkind mit hohen Verlusten. Das Segment »Commercial Marine« beschäftigt rund 3.600 Mitarbeiter, die meisten davon in der nordischen Region. 2017 erwirtschaftete das Segment einen Umsatz von 817 Mio. £ mit einem operativen Verlust von 70 Mio. £.

MTU und Bergen Engines bleiben bei Rolls-Royce

Der Verkauf an Kongsberg umfasst Antriebe, Decksmaschinen, Automation und Steuerung, ein Servicenetzwerk in mehr als 30 Ländern und die Schiffsdesign-Kapazitäten. Auch die »Ship Intelligence«-Aktivitäten für den autonomen Betrieb von Handelsschiffen werden abgegeben.

Bei Rolls-Royce verbleiben wird hingegen das Geschäft von Bergen Engines, zu dem Kongsberg über ein eigenes Abkommen aber ebenfalls Zugang haben soll. Die Motorenpalette von Bergen, sowohl für Diesel- als auch für Gasmotoren mit mittleren Drehzahlen, sei eine »Schlüsselkomponente, die es Kongsberg ermöglichen werde, führend in der Weiterentwicklung integrierter Schiffssysteme zu sein«. Die Norweger sollen darüber hinaus ein wichtiger Partner und Lieferant für das Defence-Geschäft von Rolls-Royce werden.

Rolls-Royce Power Systems wird MTU-Motoren weiterhin an eine Reihe von Kunden auf dem Marinemarkt, einschließlich Betreibern von Handelsschiffen und Yachten, liefern. Die Marine-Gasturbinenantriebsaktivitäten werden weiterhin ein Kernbestandteil von Rolls-Royce Defence sein, wird betont.