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Während die Schifffahrt auch 2018 mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, konnten einige börsennotierte Reedereien in den letzten zwölf Monaten ein Gesamtwachstum des Flottenwertes von fast 5 Mrd. $ verzeichnen.

Die Schifffahrt stand 2018 vor einem weiteren schwierigen Jahr, die Werftüberkapazität und der daraus resultierende Überschuss an Schiffen belasteten die Spot- und Langzeitraten. »Es zeichnen sich jedoch ›grüne Triebe‹ ab, und es entwickeln sich mehrere langfristige Trends, die diejenigen belohnen werden, die hartnäckig auf den Schifffahrtsmärkten bleiben wollen«, sagt Court Smith, Senior Analyst beim Branchendienst VesselsValue.

Gleichzeitig zeigte sich der Welthandel überraschend widerstandsfähig, trotz den Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Der Medien-Hype habe von der eigentlichen Natur dieses Streits abgelenkt, so Smith. Bislang seien nur die US-Sojaexporte »signifikant bestraft« worden, ein Markt, der bereits mit Gegenwind zu kämpfen gehabt habe, da die Nachfrage in China nach einem Ausbruch einer Tierseuche eingebrochen war. »Der Rückgang der Capesize-Raten wurde aufgebauscht, aber die meisten Faktoren, die diese beeinflussen, sind auf Exportstörungen in der Eisenerz-Lieferkette und eine geringere Abhängigkeit von Kohle zur Stromerzeugung zurückzuführen«, so der Analyst.

Andere Dry Bulk-Segmente hätten sich aufgrund der größeren Vielfalt von Ladungen, die sie befördern können, als widerstandsfähig erwiesen. Kleinere Schiffstypen wie Supramaxe verdienen nun mehr als das Doppelte der Raten von Capesize-Schiffen.

Die Gewinner sind:

Star Bulk Carriers, GasLog, Euronav, Transocean und Costamare haben laut VesselsValue alle ein großes Wachstum ihres Flottenmarktwertes verzeichnet. »Der normale Trend in den Märkten besteht darin, dass sich etablierte Teilnehmer oder Überlebende in einem Abwärtszyklus Marktanteile sichern, da kleinere Akteure ausscheiden. Sobald sich die Märkte erholen, werden diejenigen mit hohem Marktanteil eine überdimensionale Belohnung erhalten«, so Smith.

2018/2019 war Transocean die führende börsennotierte Reederei. Dies ist zum Teil auf die jüngste Übernahme der Ocean Rig von George Economou mit ihren beiden Harsh Environment Semisubmersibles und neun hochspezifischen Ultra-Tiefwasser-Bohrschiffen sowie zwei weiteren im Bau befindlichen Bohrschiffen zurückzuführen. Die gesamte Bar- und Aktientransaktion umfasste rund 2,7 Mrd. $. »Dies war eine strategische Übernahme durch Transocean, um die Vorteile der erwarteten Erholung des Ultra-Tiefwassermarktes halten«, sagt der Analyst.

Quelle: VesselsValue

Die Übernahme von Gener8 durch Euronav sei ein gutes Beispiel für die Stärke eines großen börsennotierten Unternehmens, konjunkturunabhängiges am Markt zu agieren. Dadurch konnte Euronav seinen Marktanteil im VLCC-Markt deutlich steigern.

Der größte Abnehmer von Gebrauchtschiffen im Jahr 2018 war das griechische Unternehmen Star Bulk Carriers. Die an den Transaktionen im Jahr 2018 beteiligten Schiffe hatten am Tag des Verkaufs einen Wert von knapp 1 Mrd. $. Star Bulk hat Schiffe aus verschiedenen Quellen erworben: sechs Capesize Bulker von ER Schiffahrt (teils in bar, teils in Aktien) (kurz nach der Zusammenstellung von VesselsValue gab es ein Update zu der Transaktion – der Umfang fällt nun doch geringer aus), 15 weitere Bulker von Songa Bulk mit 145 Mio. $ Bargeld plus 13,7 Mio. Aktien, drei Capesizes von Oceanbulk für 3,4 Mio. Aktien, sechs Panamaxe und Post Panamaxe von der Augustea-Gruppe in einem Debt and Shares Deal und weitere sechs von der ABY Group Holding zu Jahresbeginn in einem anderen Debt and Shares Deal.

Was erwartet die börsennotierten Reeder jetzt?

»Die Cashflow-Volatilität ist immer ein Problem. Investmentfonds suchen diese Märkte oft, um ihrem Portfolio Aufwärtspotenzial hinzuzufügen, aber das grundlegende Problem ist, dass die Schifffahrt Geduld erfordert, um Gewinne zu erzielen, und viele Marktteilnehmer haben einen sehr kurzen Return on Investment Zeitplan«, sagt Smith.

Nächstes Jahr werde es zu mehr Konsolidierung und mehr Fusionen kommen. Trotz den jüngsten Marktbedingungen dominierten Offshore-Egner bei den Top börsennotierten Reedern in Singapur.

Vergleicht man die aktuellen Flottenwerte bei VesselsValue mit denen vom April 2018, so sind Rückgänge durch den Abbau von Tonnage durch die Top-Eigentümer zu verzeichnen. Offshore ist nach wie vor eine wichtige Branche an den Börsen in den USA, Norwegen und Singapur. Smith weist darauf hin, dass viele Marktteilnehmer glauben, dass die schlimmsten Zeiten nun vorbei seien und es nun wieder aufwärts gehe.

»Auch wenn sich der Ölpreis in letzter Zeit erholt hat und im Jahr 2018 einige positive Anzeichen zeigte, muss der Offshore-Markt weitere Schritte in Richtung Konsolidierung und Reform unternehmen, damit eine Erholung stattfinden kann. Es wird interessant sein, ob einige dieser Unternehmen im kommenden Jahr fusionieren«, so Court Smith.