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Die »Energy Observer«, das weltweit erste wasserstoff-betriebene Schiff, hat auf seiner Tour durch Nordeuropa in der Hafencity in Hamburg festgemacht und bleibt dort noch bis zum Hafengeburtstag vom 10. bis 12. Mai.

Zu einer ersten großen Tour startete das Schiff im Sommer 2017 von Saint-Malo aus, seinem Heimathafen. Insgesamt besuchte es 14 Länder und machte an 33 Haltepunkten Station – ohne Treibhausgasemissionen und Feinstaub zu verursachen.

Nach der Rückkehr nach Saint-Malo hat das Schiff seine Energiesysteme optimiert, um für die Reise nach Nordeuropa vorbereitet zu sein. Die Oberfläche von Solarmodulen wurde vergrößert, die thermische Speicherung optimiert. Die größte Änderung betrifft jedoch die Installation von zwei Oceanwings-Flügeln. Das patentierte Konzept wurde von VPLP design gemeinsam mit CNIM entwickelt. Die Flügel haben je eine Fläche von 31,5 m2, sind selbsttragend und um 360 Grad drehbar.

Victorien Erussard, Gründer und Kapitän der »Energy Observer«, ist überzeugt, dass dieses System auch auf Frachtschiffen installiert werden kann. »Es ist absolut fantastisch«, betonte er in der Hansestadt, »insbesondere in Kombination mit den Solarkollektoren.

Energieeinsparungen durch Nutzen von Windkraft

Die Installation der Oceanwings sei ein erster Schritt zur Reduzierung der Umweltauswirkungen der globalen Schifffahrt. Anhand von Simulationen habe sich gezeigt, dass 18 bis 42 % weniger Energie verbraucht werden könne. Dies sei eine bemerkenswerte Zahl.

»Durch die Oceanwings wird auch die Leistung des Schiffes deutlich steigen«, sagt Jérôme Delafosse, Expeditionsleiter der »Energy Observer«. Beispielsweise steige die Beschleunigungsgeschwindigkeit des Schiffes, zusätzlich zu den Elektromotoren. Darüber hinaus reduzierten sich die Energiekosten, da die Elektromotoren entlastet würden. Ferner werde die Energieerzeugung während der Navigation durch die Erzeugung von Wasserstoff erhöht, der durch die Elektrolyse von Wasser entsteht.

Jürgen Bruns-Berentelg, CEO der HafenCity Hamburg, würdigte das Schiff, das einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leiste. Es sei wichtig über die Herausforderungen der Zukunft nachzudenken und die Technologien daraufhin anzupassen.

Jürgen Bruns-Berentelg (l.) lässt sich von Victorien Erussard (m.) und Jérôme Delafosse die Besonderheiten der »Energy Observer« erklären
Jürgen Bruns-Berentelg (l.) lässt sich von Victorien Erussard (m.) und Jérôme Delafosse die Besonderheiten der »Energy Observer« erklären. © Wägener

Wenn die Nordeuropareise beendet sei, werden die Ergebnisse des Schiffes – wie nach jeder größeren Reise – umfangreich ausgewertet, hieß es. Nächste Station nach Hamburg ist Skandinavien.

Insgesamt will die »Energy Observer« binnen sechs Jahren 50 Länder besuchen und 101 Zwischenstopps einlegen. Im kommenden Jahr steht die Reise nach Nordasien auf der Agenda. 2022 geht die Tour mit Mittelamerika und der amerikanischen Ostküste zu Ende.