Henning Gramann CEO GSR Services Foto: GSR
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Henning Gramann
CEO – GSR Services

Wie für die Umsetzung verschiedener Umweltanforderungen, zum Beispiel die Ballastwasserbehandlung betreffend, läuft in 2020 auch für zertifizierte Gefahrstoffkataster (Inventory of Hazardous Materials – IHM) die Frist aus.

Häufig wird übersehen, dass die bereits 2013 in Kraft getretene EU-Verordnung (EUSRR) – die sowohl IHMs als auch Schiffsrecycling als Kernpunkte umfasst – alle Schiffe über 500 GT betrifft, die unter EU-Flagge fahren oder flaggenunabhängig einen EU–Hafen anlaufen. Die Überwachung und das Strafmaß bei Nichteinhaltung der IHM-Frist obliegt den EU-Mitgliedsstaaten.

Ein Drittel der Flotte…

Rein rechnerisch sind für die ca. 30.000 betroffenen Schiffe täglich über 50 IHMs zu erstellen und zu zertifizieren. Bei den wenigen verfügbaren »IHM-Experten« und Ressourcen bei den Klassifikationsgesellschaften erscheint dies kaum möglich. Meiner Schätzung nach wird mindesten ein Drittel der Schiffe eine IHM nicht mehr fristgerecht erhalten können.

Diesen Umstand habe ich, ebenso wie Lloyds Register, bereits Ende 2016 bei der Europäischen Agentur für maritime Sicherheit (EMSA) vorgetragen und darüber mit der Europäischen Kommission diskutiert. Dort ist man der Auffassung, dass eine Frist von 7 Jahren nach dem Inkrafttreten ausreichend ist.

Die Industrie hat zu wenig getan

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diesbezüglich in der Industrie seit 2013 zu wenig getan wurde, doch was bedeutet das nun für die weniger als zwei verbleibenden Jahre?

Einige größere Reedereien haben mittlerweile IHMs beauftragt und sich die benötigten Kapazitäten gesichert. Neue IHM-Experten werden zwar ausgebildet, doch die Trainings können notwendige Erfahrungen zur effizienten Erstellung von IHMs und zu den komplexen Hintergründen meist nicht vermitteln. Da IHMs den Status »Technical File« besitzen, sollten »IHM-Neulinge« zunächst erfahrene Kollegen begleiten und die Praxis kennen lernen, damit potentielle Haftungsrisiken, auch für die Reeder, minimiert werden.

Kapazität ist noch lange nicht ausreichend

Zusätzlich ist es wichtig, dass sich IHM-Experten Laborkapazitäten sichern, da nicht alle Labore die geforderten Analysestandards anbieten. Diese Vorbereitungen sollten längst schon erledigt sein, damit zeitnah die flottenweite IHM-Erstellung angegangen werden kann. Für alle, die jetzt noch in den Vorbereitungen stecken, wird es sehr eng, oder gegen Fristende kostspielig. Nun müssen definitiv die Ärmel hochgekrempelt und verfügbare IHM-Ressourcen so effizient wie möglich genutzt werden. Wir selbst haben eine Kapazität von 1.000 IHMs pro Jahr in unseren verschiedenen Standorten weltweit geschaffen, doch auch das ist noch lange nicht ausreichend.