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Die Ratenerholung für Großbulker nimmt trotz verhaltener Tonnagenachfrage ex Brasilien an Fahrt auf.

Aufgrund von Feiertagen rund um die Welt versprach diese Woche nicht viel Gutes für die Frachtenmärkte. Für die zuletzt arg gebeutelten Capesize-Bulker kam es aber doch anders. Der Ratenaufschwung, der vergangene Woche eingesetzt hatte, nahm sogar weiter Tempo auf. Die Durchschnittsrate der »Capes« im Zeitcharter-Trip-Business schoss im Wochenverlauf bis gestern um 43% auf 12.346 $/Tag hoch. Die Schere zwischen kurzfristigen Spot- und länger laufenden Perioden-Chartern hat sich damit ein gutes Stück geschlossen. Für 11-13 Monate mit Anlieferung in China erzielten 180.000-Tonner zuletzt 17.000 $/Tag.

Bei der Korrektur der Raten scheint die Psychologie eine große Rolle zu spielen. Denn von einer exorbitanten Zunahme der Befrachtungsaktivität kann man nicht sprechen, wenn man sich die Fixture-Listen dieser Woche anschaut. Offenbar war der Spotmarkt der Großbulker bei seinem Absturz im ersten Quartal tiefer gefallen, als es die fundamentalen Bedingungen rechtfertigen.

Am aktivsten waren diese Woche die Charterer aus dem Bergbausektor in Australien. Das führte dazu, dass die Index-Rate für Eisenerzverladungen von Westaustralien nach China (C5) zu Wochenanfang deutlich bis auf über 7,50 $/t kletterte. Bis Donnerstag sackte das Niveau leicht auf 7,32 $/t ab, lag damit aber immer noch weit über dem Niveau der Vorwoche von 6,35 $/t.

Ratengefüge normalisiert sich

Trotz der anhaltenden Flaute im Eisenerzgeschäft ex Brasilien verbesserte sich das Ratenniveau auf der C3-Indexroute (Tubarao-Qingdao) von 13,76 auf über 16,00 $/t. Der Anstieg verwundert etwas, wenn man bedenkt dass laut Commodore Research diese Woche nur eine Eisenerz-Spotladung am Markt gehandelt wurde. Offenbar haben die Reeder angesichts des Nachfragerückgangs seit dem Staudammbruch beim brasilianischen Bergbaukonzern Vale Ende Januar inzwischen genug Tonnage aus dem Südatlantik abgezogen, damit sich die Raten stabilisieren können.

Damit hat sich das Ratengefüge wieder einigermaßen normalisiert, insofern als die Capesize-Frachter nun zumindest wieder höhere Tagesraten erzielen als die kleineren Schiffe.

Für die übrigen Größenklassen war die Aktivität bedingt durch die Feiertage diese Woche eher verhalten. Trotzdem bewegten sich die Spotraten in einem recht engen Korridor. Panamaxe, Supramaxe und Handysizer verzeichneten Einbußen von durchschnittlich 0,5%, 3% und 1,0% gegenüber der Vorwoche. Einige Abschlüsse konnten sich gegen den leicht rückläufigen Trend behaupten, wie z.B. der Time-Charter-Trip ex Passero via Panama nach China für den 2016 gebauten Ultramax »Tai Star« (62.487 tdw) zu stattlichen 22.750 $/Tag bei Sinotrans.

»Schwieriger« Shortsea- & Minibulk-Markt

Weiterhin schwierig gestaltet sich der europäische Shortsea-Markt für Mini-Bulker. Der European Short Sea Index des Branchendienstes BMTI fiel diese Woche abermals um 1,6% und liegt mit 18,85 Punkten jetzt 15% unter Vorjahresniveau. Die schwächelnde Konjunktur, Brexit-Unsicherheit und rückläufige Stahlproduktion in der EU lasten schwer auf dem Markt. Laut BMTI ist der durchschnittliche Tagesertrag der 3.000-Tonner im Spotgeschäft aus der Ostsee heraus weiter auf 2.000 €/Tag gefallen.

Gemischte Bilanz für Tanker

Bei den Rohöltankern entwickelten sich die Raten diese Woche je nach Größenklasse sehr unterschiedlich. Für die VLCC ging es bei schwacher Nachfrage im Mittleren Osten noch tiefer in den Keller: Die Tageseinnahmen auf der Rennstrecke nach China fielen um durchschnittlich 47% auf nur noch knapp 6.200 $/Tag und damit weit unter Betriebskostenniveau. Makler rechnen aber in Kürze mit einer erneuten Belebung, wenn ein Großteil der asiatischen Raffinerien nach der Instandsetzung zurück in den Betrieb gehen.

Im Suezmax-Segment sackte das Ertragsniveau nur moderate um 6% auf durchschnittlich 9.700 $/Tag. Im Aframax-Segment konnten sich hingegen die Reeder durchsetzen und das Ratenniveau u.a. dank steigender Aktivität in Nord- und Ostsee um fast 50% auf 9.200 $/Tag anheben.

Stabile Lage im Containermarkt

Am Zeitchartermarkt für Containerschiffe hat sich die Erholung diese Woche etwas verlangsamt, wobei die Feiertage ihren Teil dazu beigetragen haben dürften. Der New ConTex kletterte nur marginal um 0,3%, der Howe Robinson Container Ship Index um 0,4%.

Für die Linienreeder verbesserte sich die Lage am Frachtenmarkt diese Woche leicht, wie ein Blick auf den World Container Index zeigt. Im westgehenden Fernost-Europa-Verkehr zeigten die allgemeinen Ratenanhebung der Carrier per 1. Mai etwas Wirkung. So stieg die Indexrate des WCI für die Relation Shanghai-Rotterdam um 11% auf 1.464 $/FEU. (mph)