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Mit dem Abschluss neuer Verträge ist auch ein Anstieg der vertraglich vereinbarten Frachtraten für das Containerschiffssegment zu verzeichnen. Xeneta-CEO Patrik Berglund zufolge zeigt sich der Markt zunehmend »topsy turvy«.

Die Seefrachtraten-Benchmarking- und Marktanalyse-Plattform Xeneta hat einen Anstieg der langfristig vereinbarten Raten für Containerschifffahrtsbetreiber im Mai bekannt gegeben. Die Raten für 2018 laufen aus und neue Verträge treiben den Index nach oben. Laut des neuesten Berichts der XSI Public Indices stiegen die globalen Raten im Monatsverlauf um 11,5%, während die US-Importe um fast 20% stiegen.

Der Anstieg folgt auf einen April, in dem die Indizes für das kontrahierte Liniengeschäft nach zwei Monaten des Anstiegs um 4,2% einbrachen. Xeneta-CEO Patrik Berglund zufolge zeigt sich die Frachtratenlandschaft zunehmend »topsy turvy«.

»Der XSI-Börsenindex von Mai zeigt einen Anstieg auf der Grundlage der im April abgeschlossenen Verträge. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Verträge auf einem höheren Niveau als im Vorjahr gesehen, insbesondere für den Transpazifik-Raum, und das hat dazu beigetragen, diesen Anstieg voranzutreiben«, sagt Berglund. Der starke Anstieg habe die Indizes auf den höchsten Stand seit dem Start im Jahr 2017 gebracht. »Dies ist der größte einzelne monatliche Gewinn für die Benchmark und liegt 11,7% über dem Vorjahreswert, mit einem Anstieg von 7,5% seit Anfang 2019«, so Berglund.

US-Importe steigen deutlich

Die wohl auffälligste Veränderung war ein Anstieg des US-Importindex um 18,8% gegenüber dem Vormonat, während die Exporte um bescheidenere 1,5% stiegen. Diese Zahl spiegelte sich in einem Anstieg der europäischen Import-Benchmark um 1,7% wider, während die Exporte um 6,7% zunahmen, insbesondere im Handel zwischen Europa, den USA und Brasilien. Derweil entwickelte sich der Fernost-Importindex gegen den Trend mit einem deutlichen Rückgang um 14,2% (-17,2% gegenüber dem Vorjahr). Allerdings stieg die regionale Exportindex um 15,9%.

Es sei ein immer komplexeres Bild, mit einer Vielzahl von Faktoren, die die Entwicklung immer wieder neu definierten, so der Xeneta-CEO. Dennoch sei ein Thema für das gesamte Segment von großer Bedeutung: »Der Handelskrieg zwischen China und den USA. Die Faktoren, die in die Industrie einfließen, sind zu vielfältig, zu verflochten, um einen einzigen ›Täter‹ zu identifizieren, aber es ist klar, dass die Tit-for-Tat-Zölle, die von den beiden größten Volkswirtschaften der Welt erhoben werden, die Beförderungsart Nummer eins der Welt beeinflussen«.

Berglund weiter: »Frontloading aus Angst vor Zöllen erhöhte die kurzfristigen Raten und sorgte für einen günstigen Verkäufermarkt, aber jetzt sind die Raten wieder gesunken. BCOs und Carrier haben sich währenddessen auf langfristige kontrahierte Raten auf der Grundlage eines künstlich gesunden kurzfristigen Marktes geeinigt.«

Die klaren Gewinner der Trans-Pazifik-Vertragssaison sind demnach die Verlader, die sich mit dem Abschluss ihrer Verhandlungen zurückgehalten haben, sowie die Spediteure, die auf der anderen Seite zu vorzeitigen Vertragsabschlüssen gekommen sind.

»Es wird immer schwieriger, genaue Vorhersagen zu treffen«

Berglund sagt jedoch, dass die gestiegenen Kosten im Zusammenhang mit den Zöllen längerfristige Auswirkungen auf die Nachfrage haben können, so dass die positive Entwicklung kurzfristig sein könnte. Und abgesehen vom Streit der beiden Supermächte bleiben ernste Fragen im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Brexit, ganz zu schweigen von der anhaltenden Unsicherheit über eine Reihe weiterer sozioökonomischer und geopolitischer Fragen.

»Es wird immer schwieriger, genaue Vorhersagen über die Entwicklung der Frachtraten zu treffen, und es wird immer wichtiger, über die neuesten Segmentinformationen auf dem Laufenden zu bleiben«, schließt er. Durch die genaue Beobachtung des Marktes könnten alle Beteiligten aus einer informierten Position heraus verhandeln. »Bleiben Sie informiert, bleiben Sie an der Spitze. Das ist mein Ratschlag. Es ist das Beste, was man in dieser sich schnell verändernden Umgebung tun kann«, so Berglund.