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An den Warenterminbörsen kommt der Handel mit schwefelarmem Bunker in Gang. Damit lassen sich nun auch Investitionen in Scrubber absichern.

Die Unsicherheit über die Entwicklung der Bunkerkosten im Zuge der neuen IMO-Regularien geht langsam zu Ende. Mit der Ausweitung des Terminhandels für marine Brennstoffe an den Warenbörsen bekommen Reeder und Befrachter allmählich Klarheit, wie sich das Preisgefüge für Treibstoffe in der Zukunft darstellt.

Es können nun auch Absicherungsgeschäfte für Investitionen in Scrubber getätigt werden – – jedenfalls durch Schiffseigner, die selbst als »Carrier« operieren und damit auch für die Treibstoffversorgung verantwortlich sind. Darauf weist der Hamburger Schiffsmakler Ernst Russ Shipbroker in seinem neuen Maritime Overview-Report hin.

Nach der Einführung eines neuen Kontrakts für »0.5% Heavy Marine Low Sulphur Fuel« durch den Preisinformationsdienst Platts gebe es nun eine Grundlage für Termingeschäfte (Swaps) mit schwefelarmem Bunker, wie er auf Beschluss der UNO-Schifffahrtsorganisation ab Januar 2020 vorgeschrieben ist.

Linienreeder und Tramp-Carrier sichern durch Kauf solcher Swaps das Preisrisiko für Brennstoff ab. An der Intercontinental Exchange (ICE) in London, wo der Großteil des Bunker-Termingeschäfts abgewickelt wird, umfasst die Palette der gehandelten »Hedging«-Produkte neben den absoluten Bunkerpreisen auch die Preisdifferenz zwischen schwefelarmem (0,5%) und höherschwefeligem (3,5%) Bunker.

Dieser Abschlag ist von zentraler Bedeutung für Eigner und Betreiber von Schiffen, die in Abgasreinigungsanlagen (»Scrubber«) investieren, um auch künftig normales Schweröl mit durchschnittlich 3,5% Schwefelgehalt verbrennen zu dürfen. Ihr Kalkül: Die Preisersparnis bei Nutzung des »alten« Brennstoffs ist am Ende größer als die Investition in Scrubber. Handelt es sich dabei um ein eingechartertes Schiff, soll der Eigner einen guten Teil der Ersparnis über eine erhöhte Charterrate vergütet bekommen.

Laut Ernst Russ Shipbroker ist binnen weniger Wochen so viel Liquidität in den Swap-Handel in London gekommen, dass Befrachter jetzt aktiv Kurssicherung auf das Preisgefälle zwischen 0,5% und 3,5% Schwefelgehalt betreiben können. Die Summe der gehandelten Positionen auf Low Sulphur Fuel-Brennstoff an der ICE London ist per Ende Mai auf über 1.400 Lots à 1.000 t angestiegen.

Die gehandelten Preisdifferenzen zwischen den Brennstoffarten liegen allerdings etwas niedriger als erwartet – statt 200 $ sind es 191 $ für das Jahr 2020 und 160 $ für 2021. Damit dürfte es einige Monate länger dauern, bis sich die Scrubber-Investitionen durch Kosteneinsparungen beim Brennstoff amortisieren.

Grundsätzlich rentiert sich der Ansatz aber weiterhin. Einzige Voraussetzung: Befrachter müssen sicherstellen, dass sie den höherschwefeligen, billigeren Brennstoff auch tatsächlich geliefert bekommen. Wären sie mangels Verfügbarkeit gezwungen, die Schiffe mit 0,5%-Bunker zu betanken, hätten sie nichts gewonnen. Die Preisabsicherung über das Termingeschäft liefe dann ins Leere.