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Komplexer Fall für die Bergungsfirma Five Oceans Salvage in Ägypten: Das deutsche Schiff  »Bow Diamond« der Reederei Held muss nach einem Ladungsverschub von Sprengstoff befreit werden.

Kapitän und Mannschaft des 2001 gebauten Mehrzweckfrachters »Bow Diamond« (7.644 tdw) kamen offenbar mit dem Schrecken davon: Bei schwerer See rissen sich bereits Ende Juni auf der Fahrt durch den Golf von Aden mehrere Gefahrgutcontainer unter Deck los. Das Schiff befand sich auf dem Weg von Fernost nach Europa. Insgesamt 17 Boxen wurden schwer erschüttert, ihr explosiver Inhalt – Trinitrotoluol (TNT) – im Laderaum ausgeschüttet.

So jedenfalls ist es diese Woche in übereinstimmenden Berichten von Regressbüros und Kanzleien aus der maritimen Branche zu lesen. Inzwischen liegt das Schiff sicher im Hafen von Ain Sukhna in Ägypten, aber an eine Weiterfahrt ist noch nicht zu denken. Den Berichten zufolge hat der Reeder der »Bow Diamond«, Held Shipping aus Haren/Ems, die griechische Spezialfirma Five Oceans Salvage mit der Bergung beauftragt. Dazu müssen das Sprengstoffpulver und möglicherweise andere Waren sicher aus den beschädigten Containern entladen und in andere Container umgeladen werden.

Zudem muss der Laderaum dekontaminiert werden. Zum mobilisierten Bergungsteam soll rund ein Dutzend Gefahrgut- und Sprengstoffexperten gehören. Einige kommerzielle Details, die durchgesickert sind, lassen erahnen, dass es sich um einen komplexen Fall handelt.

Ursprünglich soll Five Oceans Salvage den Auftrag auf Basis eines kommerziellen Wrackbeseitigungsvertrags (Wreckhire) angenommen haben. Dieser sei angesichts der erhöhten Risiken im Einvernehmen mit dem Schiffseigner durch eine für den Berger lukrativere Lloyd’s Open Form (LOF, »No cure, no Pay«) ersetzt worden, ist zu hören.

Zu Vertragsdetails will sich die Firma Held Shipping nicht äußern. Die Harener Reederei bestätigt den Vorfall in einer knappen Stellungnahme und verweist darauf, dass im Nothafen Ain Sukhna umfassende Vorsichtsmaßnahmen für die Umladung des Gefahrguts und die Reinigung des Laderaums getroffen worden seien. Das TNT sei allerdings schockunempfindlich und könne ohne einen Sprengzünder gar nicht zur Detonation gebracht werden. Weder sei durch den Vorfall jemand verletzt worden, noch habe es Umweltverunreinigungen gegeben, erklärt die Reederei.

Die »Bow Diamond« selbst habe bis auf die Verwüstung im Laderaum keinen Schaden erlitten. Held Shipping geht davon aus, dass der Frachter, der die Gibraltar-Flagge am Heck führt, innerhalb von drei Wochen wieder in Fahrt gehen kann.

Für die Befrachtung der »Bow Diamond« soll das Unternehmen »Bow Shipping« im Auftrag des offiziellen Charterers Multi Ship mit Sitz auf Gibraltar zuständig sein. Bow Shipping hat seine Zentrale in Schleswig-Holstein in der Nähe von Flensburg und gilt als Spezialist für weltweite Transporte von Sprengstoffen, Munition und anderem Verteidigungsmaterial. Unter seinem vorherigen Eigner – der Reederei Bockstiegel – war das Schiff einst unter dem Namen »BBC Peru« für BBC Chartering im Einsatz.

Auf jeden Fall steht fest, dass sich die Eigentümer der Ladung an den Bergungskosten beteiligen und dazu Garantien stellen müssen. Denn die Reederei hat inzwischen Havarie-grosse erklärt und den Bremer Dispacheur Groninger Welke Janssen mit der Durchführung beauftragt. (mph)