stiftung deutsche seemannsschule hamburg 2019 stipendium
v.l.n.r.: Anette Suhrbier (2. Vorsitzende), die Absolventen Carl Mennerich, Julia Scholten und Lukas Eller, Richard von Berlepsch (1. Vorsitzender) und Henrich Brandt von Fackh (Schatzmeister) (Foto: Selzer)
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Die Stiftung Deutsche Seemannsschule Hamburg hat heute erneut drei »Stipendien« an die besten Schiffsmechaniker-Absolventen des vergangenen Jahres an allen deutschen Seemannsschulen vergeben.

Die jeweils mit 3.000 € dotierten Stipendien gingen diesmal an Julia Scholten (22), die ihre Ausbildung beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremerhaven absolviert hat und an Lukas Eller (23) und Carl Mennerich (23), die beide bei Hamburg Süd gelernt haben.

Zweck der seit einigen Jahren vergebenen Auszeichnung ist die gezielte Förderung des deutschen maritimen Nachwuchses – ein Ziel, dem sich die Hamburger Institution bereits seit 157 Jahren verpflichtet fühlt. Zur Auswahl der Stipendiaten erhält die Stiftung eine Bestenliste der Ausbildungsabsolventen von der Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt, praktisch eine Vorauswahl unter den jährlich über 170 Absolventen. Dann werden von der Stiftung die Besten ausgewählt, dabei werden die praktischen Ausbildungsnoten etwas schwerer gewichtet als die theoretischen. Wer das Rennen macht, wird angeschrieben und kann sich dann bei der Stiftung um ein Stipedium bewerben.

Alle drei Absolventen sehen ihre Zukunft klar in der Schifffahrt. Julia Scholten studiert nun in Rostock Schiffsbetriebstechnik in einem dualen Studiengang mit Praxisanteilen und anschließendem Fünfjahresvertrag bei der Kreuzfahrtreederei Aida. Lukas Eller hat nach seiner Ausbildung bereits eineinhalb Jahre bei Briese Research auf einem deutschen Forschungsschiff gearbeitet und studiert nun in Flensburg Schiffsbetriebstechnik, ebenso wie Carl Mennerich.

Suche nach Spendern geht weiter

Übergeben wurden die symbolischen, großformatigen Schecks vom 1. Vorsitzenden Richard von Berlepsch (Managing Director Ship Management bei Hapag-Lloyd), der 2. Vorsitzenden Anette Suhrbier (Sales Director Döhle Group) und Schatzmeister Henrich Brandt von Fackh (Bvf – Schifffahrt Advice).

»Wir möchten Ihnen sehr, sehr herzlich zu der erbrachten Leistung gratulieren. Wir glauben, dass die Enscheidung für die Seefahrt ein kluge ist – lassen Sie sich von niemandem etwas anderes erzählen«, ermunterte von Berlepsch die Nachwuchskräfte. Denn Seiner Meinung ist die Lage beim technischen Nachwuchs in Deutschland schlecht. Während in den vergangenen Jahren viel Werbung für nautische Berufswege gemacht worden sei, würden Bereiche wie Schiffstechnik heute eher als unattraktiv wahrgenommen werde. Dabei sei das Schiff ein hochtechnisierter Arbeitsplatz mit großer Verantwortung und Komplexität. Das komme aber nicht so an in der Öffentlichkeit.

Die Stiftung ist für die Finanzierung ihrer Arbeit auf Spenden angewiesen. Die Grundlage bildet die Großspende eines ehemaligen Schülers. Von den Zinsen werden Stipendien und andere Förderungen bezahlt – keine einfache Aufgabe in der heutigen Zeit. Zudem sei heute für ehrenamtliche Betätigung dieser Art kaum noch Zeit, sagt von Berlepsch. Heute sind neun Personen für die Stiftung tätig.

Das Gewinnen neuer Spender ist von Berlepsch die größte Aufgabe, die er sichtlich mit Leidenschaft verfolgt, eine wahre Lebensaufgabe. Ein Problem sei neben dem Image der Seefahrt in der Öffentlichkeit die zu geringe Sichtbarkeit der Stiftungsarbeit, sagt der Vorsitzende. Das will er verbessern. Im vergangenen Jahr war die Stiftung Deutsche Seemannsschule Hamburg erstmals mit einer Präsenz auf der Schiffstechnikmesse SMM vertreten.

Seit 1862 für die maritime Ausbildung

Die Deutsche Seemannsschule Hamburg wurde vor 155 Jahren von mehreren Hamburger Reedern gegründet, unter ihnen Ferdinand Laeisz, Robert Miles Sloman Jr. und der erste Hapag-Direktor Adolph Godeffroy. Hintergrund war damals der stark steigende Bedarf an nautischem Nachwuchs. Nicht nur die Flotten der Hamburger Reeder wuchsen schnell, die Schiffe fuhren auch zu immer ferneren Zielen – nach Amerika, Afrika oder um das Kap der Guten Hoffnung und Kap Hoorn in den indischen und pazifischen Ozean.

Die verbesserte Ausbildung der Seeleute sollte für weniger Unfälle und Verluste auf See sorgen. 1887 wurde die ursprünglich als »Actiengesellschaft« gegründete Deutsche Seemannsschule in eine »selbständige, rechtsfähige Stiftung nach bürgerlichem Recht« umgewandelt. 1984 musste der eigene Lehrbetrieb der 1862 gegründeten Hamburger Seemannsschule zwar eingestellt werden, doch bis heute fördert die Stiftung als Rechtsnachfolgerin die Ausbildung des nautischen und technischen Nachwuchses an den Seemannsschulen von Rostock über Travemünde bis nach Elsfleth an der Weser.