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Wenn die Frachtraten im Handel mit den westlichen US-Häfen weiter sinken, können auch die Strategien der Linienreedereien kaum Früchte tragen, meinen Analysten.

Trotz den Bemühungen einzelner Carrier, langfristig kontrahierte Seefrachtraten zu stützen, bleibe der Markt in einem Abwärtstrend, wobei die globalen Raten bis August um 0,3% gesunken seien. Das zeigen aktuelle Zahlen des in Oslo ansässigen Branchendienstes Xeneta. Demnach bleiben die XSI Public Indices  – mit Ausnahme eines unerwarteten Ratenanstiegs im Mai – seit Sommer 2018 im Sinkflug.

Xeneta CEO Patrik Berglund
Patrik Berglund (Foto: Xeneta)

Xeneta-CEO Patrik Berglund spricht von einem schwierigen Markt für die Carrier: »Der Index ist seit dem Aufschwung im Mai um 2,7% gefallen, und die Carrier kämpfen trotz allen Bemühungen darum, diesen Kurs zu ändern.«

Berglund verweist auf den Handel zwischen Fernost und Nordeuropa, wo die höheren Preise von Anfang August ab dem 1. September wieder gesunken seien, obwohl die Reedereien Abfahrten ausgesetzt hatten. Insgesamt wurden so in der Hauptsaison Juli/Anfang August rund 150.000 TEU vom Markt genommen. So folgte auf den Anstieg der europäischen Importbenchmark im Juli um 5,7% im August ein Rückgang um 1,4%. Die Exporte verzeichneten einen leichten Anstieg von 0,6%.

Handelskrieg drückt die Raten

Auch der amerikanisch-chinesische Handelskrieg trifft die Branche weiterhin, wobei die Häfen an der US-Westküste im Juli sowohl bei den Import- als auch bei den Exportvolumina wegen der beiderseitig verhängten Maßnahmen einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen hatten. »Dieser Mangel an Nachfrage ist offensichtlich und wirkt sich auf die Carrier-Raten aus«, sagt Berglund. Der Exportindex verzeichnete im August einen Rückgang von 2,6% gegenüber dem Vormonat, während die Importe mit einem Anstieg von 0,1% wieder in den positiven Bereich kamen.

Die Fernost-Importe im XSI konnten sich nicht von einem etablierten Muster lösen, bei dem die Benchmark im Jahresvergleich um 17,1% gefallen ist, obwohl der Rückgang von 0,1% im August zumindest geringfügig war. Die Exporte entwickelten sich im Berichtszeitraum besser und erholten sich um 1%, nach einem Rückgang um 4,8% im Vormonat.

»Reedereien mit unterschiedlichem Erfolg«

»Obwohl die Nachricht nicht unbedingt gut für die Carrier-Community als Ganzes ist, sollten wir vermeiden, alle über einen Kamm zu scheren«, warnt der Xeneta-CEO. »Wenn wir die Leistung einzelner Carrier bewerten, sehen wir unterschiedliche Schicksale. So verzeichnete die Maersk-Gruppe im zweiten Quartal einen bereinigten Reingewinn von 134 Mio. $, was einem deutlichen Anstieg gegenüber den 15 Mio. $ im gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht. Hapag-Lloyd hat sich ebenfalls gut entwickelt und weist einen Reingewinn von 56 Mio. $ bei durchschnittlich 1.071 $/TEU aus, verglichen mit 934 $/TEU bei Maersk. Das sind gute Ergebnisse.«

Leider habe HMM am anderen Ende des Spektrums weiter Geld verloren und einen Verlust von 88 Mio. $ ausgewiesen – trotz einem Anstieg von Umsatz und Volumen von 11% in den letzten drei Monaten. »Es ist also klar zu erkennen, dass einzelne Unternehmen den schwierigen Markt mit sehr unterschiedlichem Erfolg meistern«, resümiert Berlund.

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