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Die ab Januar geltenden Emissionsvorschriften machen vielen Seeleuten Sorgen. Ein neuer Bericht der Mission to Seafarers zeigt, dass aber zumindest die Zuversicht und Zufriedenheit der auf See Beschäftigten gestiegen ist.

Demnach zeigt der »Seafarers Happiness Index« eine Verbesserung in allen Sektoren der Branche gegenüber der letzten Erhebung. Der Index, der von The Mission to Seafarers erstellt und vom P&I-Versicherer Shipowners’ Club unterstützt wird, ist ein Maßstab für die Messung der Gefühle und Erfahrungen von Seeleuten in der globalen Schifffahrtsindustrie. Im letzten Bericht, der jedes Quartal durchgeführt wird, ist der allgemeine Zufridenheitswert von 6.27/10 auf 6.59 gestiegen.

Auch die Bewertung der Interaktion mit anderen Besatzungsmitgliedern fällt deutlich positiver aus: 7,28 gegenüber 6,85 im letzten Quartal. Dies ist eine der höchsten Zahlen in den fünf Jahren, in denen der Index erstellt wird. Das deute auf ein wachsendes Gefühl der Kameradschaft unter den Seeleuten hin, heißt es.

Der jüngste Bericht, der das dritte Quartal des Jahres umfasst, verzeichnete auch eine Rekordzahl von Teilnehmern, die sich mit dem Seafarers Happiness Index beschäftigen. Dies ist ermutigend, da es darauf hindeutet, dass mehr Seeleute den Wert sehen, wenn sie ihre Stimme auf einer globalen Plattform hören lassen.

Kreuzfahrt-Crews jetzt zufriedener

Nachdem die Ergebnisse des zweiten Quartals des Jahres gezeigt hatten, dass die Zufriedenheit der Seeleute an Bord von Kreuzfahrt- und Fährschiffen 15% unter dem anderer Schiffe liegt, sei es nun ermutigend zu sehen, dass das Glück in diesem Sektor um einen vollen Punkt auf 6,3/10 gestiegen sei, so die Autoren. Es sei zu hoffen, dass dies auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen hindeute, während sich auch der Druck durch eine starke Sommersaison verringert haben dürfte.

Steven Jones, Begründer des Seafarers Happiness Index, kommentiert: »Wir wurden nach der Veröffentlichung des letzten Berichts von mehreren Kreuzfahrtschiffbetreibern kontaktiert. Es ist ein sehr positives Zeichen, dass die Ergebnisse des Index von der Branche ernst genommen werden.«

Louise Hall, Direktorin – Loss Prevention beim Shipowners Club, kommentiert: »Die positiven Ergebnisse des Index für dieses Quartal zeigen die Wirksamkeit dieser Initiative und der damit verbundenen Outreach-Projekte bei der Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen auf See.«

IMO 2020 als Stressquelle

Während die Ergebnisse insgesamt positiv ausfielen, zeigen die anekdotischen Beweise von Seeleuten eine Reihe weiter bestehender Bedenken. Die bevorstehende Schwefelobergrenze IMO 2020 scheint für viele Seeleute eine »Quelle des Stresses« zu sein.

Der Bericht zeigt, dass es eine weit verbreitete Angst vor Schuldzuweisungen für Nichteinhaltung gibt, was darauf hindeutet, dass sich einige Seeleute nicht auf die Obergrenze vorbereitet fühlen, die im neuen Jahr in Kraft tritt. Viele Teilnehmer berichteten von Befürchtungen, dass Diskrepanzen bei den Daten und strengere Inspektionsverfahren dazu führen könnten, dass Seeleute mit einer Strafverfolgung durch die Behörden konfrontiert werden.

Während den finanziellen Auswirkungen der IMO 2020 auf die Reeder viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, zeigt der Bericht nun den täglichen Druck auf die auf Seeleute hin und zeigt wie wichtig es ist, dass Regierungen und Reeder die Crews auf den Wandel vorbereiten.

Der Bericht zeigt, dass die Unternehmen, die mehr Mittel in die Ausbildung investieren, glücklichere Besatzungen haben – und betont, wie wichtig es ist, dass die Seeleute Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und in die Verantwortung haben, die ihnen durch neue Vorschriften übertragen werden.

Löhne machen Beruf langfristig nicht attraktiv

Verständlicherweise spielen die Gehälter auch eine wichtige Rolle. Während die jüngsten Seeleute die glücklichsten zu sein scheinen (7,9 von 10 Punkte), berichteten viele, dass niedrige Löhne sie dazu brachten, ihre zukünftige Karriere in Frage zu stellen.

Die Zufriedenheit der über 45-Jährigen zeigte in diesem Quartal eine deutliche Trendwende und erreichte 7 von 10 Punkten. Während eine Reihe von Seeleuten ihren Stolz auf die Arbeit auf See erklärten, waren Budgetkürzungen ein häufiges Problem, da sich keine Seeleute in ihren Heimatländern »wohlhabend« fühlten. Dies deutet darauf hin, dass das Leben auf See zwar »fröhlich« ist, aber die Realität bei den Löhne die Berufswahl langfristig nicht attraktiv macht.

Der Aktuelle Bericht kann online hier abgeruen werden.