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Ulf Kaspera, Direktor der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) (© Selzer | HANSA)
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Nach den zuletzt gehäuften Havarien mit großen Containerverlusten mahlen die politischen Mühlen an einer Anpassung des Regelwerks für Schiffe. Doch sie mahlen langsam. Daher sind weitere Vorfälle dieser Art nicht unwahrscheinlich, meint Ulf Kaspera, Direktor bei der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU).

»Ich kann das nicht ausschließen«, sagt der Havarie-Experte in der aktuellen Folge vom HANSA PODCAST. Er sieht wie viele Akteure der maritimen Branche, nicht zuletzt in der  Versicherungswirtschaft, durchaus Bedarf für Änderungen an den Regularien.

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Als zuständige Behörde für Unfälle in deutschen Gewässern (und auf deutsch-geflaggten Schiffen) war die BSU entscheidend an der Aufarbeitung der Havarie der »MSC Zoe« beteiligt. Kaspera sieht Ähnlichkeiten zu den aktuellen Fällen: »Unsere Erkenntnisse aus dem Fall haben sich bestätigt«, sagt er und beschreibt »sehr ähnliche Ursachen« und Probleme.

Er sehe durchaus, dass die Politik reagiere, unter anderem auf die Sicherheitsempfehlungen der BSU, aber bis zu einer Umsetzung im Regelwerk könne es noch ein wenig dauern. Da man die Schiffsgrößenentwicklung nicht zurückdrehen könne, sind seiner Ansicht nach bauliche Maßnahmen eine Option – Stichwort »Trägheitsdämpfung«, elektronische Inklinometer, Containersicherheit oder »intelligente« Komponenten.

Während einer Untersuchung werden die Ermittler nicht selten mit verschiedenen Interessen konfrontiert, vom Reeder über den Ladungseigner bis hin zu Hafen- oder Flaggenstaat. Auch geben die Besatzungen nicht immer alle preis, was potenziell hilfreich bei der Aufklärung einer Havarie sein könnte. Kapera nimmt es gelassen: »Die Aussagen sind zum Teil gefiltert oder weichgespült. Das gehört zum Geschäft.«


Hier gehts zum HANSA Podcast. In der aktuellen Folge spricht Ulf Kaspera über Schiffsstabilität, strafrechtliche Instrumente, schnelle Reeder und langsame Politiker, »Human Errors« und weichgespülte Aussagen, Grenzen der Digitalisierung, Vorgaben für Traditionsschiffe, sowie die Unfalluntersuchung in Corona-Zeiten und die Bundesbehörde im politischen Geflecht.

 

 

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