Dry Bulk, MSI
Photo: Thomas Wägener
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Die russische Invasion in der Ukraine führt auch zu Verwerfungen auf zwei Hauptmärkten für trockene Massengüter. Experten befürchten weitreichende Folgen für den Bulker-Sektor.

Die Ukraine ist einer der weltweit bedeutendsten Getreideproduzenten mit einem jährlichen Exportvolumen von ca. 45 Mio. t. Durch den bewaffneten Konflikt rechnet das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) damit, dass nur ein Bruchteil der üblichen Produktion erreicht werden wird. Dies werde nicht nur schwerwiegende Auswirkungen auf die weltweite Nahrungsmittelversorgung und die Marktpreise haben, sondern auch auf die Bulkschifffahrt.

»Das Exportvolumen der Ukraine – das vor allem Länder in Asien und Afrika zum Ziel hat – kanne voraussichtlich nicht durch Exporte anderer Länder ersetzt werden, sodass die Nachfrage nach Seetransport vor allem bei Größenklassen bis Panamax geringer ausfallen wird«, heißt es.

Russland hatte im Jahr 2021 noch ca. 40 Mio. t Kohle in die EU und das Vereinigte Königreich exportiert. Die beschlossenen Embargos werden nach Einschätzung des ISL zu einer Neuorganisation des Seetransports von Kohle führen. Während Russland auch für Kohle aus dem Ostseeraum neue Abnehmer in Asien wie beispielsweise Indien und China suchen werde, benötigten die europäischen Länder zusätzliche Importe aus Übersee.

Sollten russische Gaslieferungen nach Europa weiter reduziert werden, sind darüber hinaus zusätzliche Importe für die Stromerzeugung notwendig. »Somit steigt die Nachfrage nach Seetransporten auf langen Distanzen, was vor allem im Capesize-Segment zu spüren sein wird«, so das ISL.

In Folge der Krise zog der Baltic Dry Index zuletzt wieder merklich an. Langfristig ist nach Einschätzung der Bremer Marktbeobachter jedoch mit einem weitere Rückgang der europäischen Kohleimporte zu rechnen, die sich seit 2010 bereits fast halbiert haben.

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