Das polnische Energieunternehmen Orlen Group hat zwei neue Flüssigerdgas-Tanker (LNG) übernommen. Die Schiffe wurden auf der Werft Hyundai Samho Heavy Industries im südkoreanischen Mokpo gebaut.

Im Rahmen der feierlichen Taufe erhielten die Schiffe die Namen „Józef Piłsudski“ und „Ignacy Jan Paderewski“.[ds_preview]

„Wir stärken die Energiesicherheit und Unabhängigkeit Polens. Wir verfolgen konsequent unsere Diversifizierungsstrategie, die auf eine eigene LNG-Flotte setzt. Bis zum nächsten Jahr wird diese auf insgesamt acht Schiffe anwachsen. Gleichzeitig stärkt unser wachsendes Portfolio an langfristigen Verträgen mit US-amerikanischen Lieferanten unsere Marktposition und garantiert stabile Lieferungen. So können wir nicht nur polnische Kunden zuverlässig mit Gas versorgen, sondern auch benachbarte Märkte wie die Ukraine beliefern – und damit zur Energiesicherheit in der gesamten Region beitragen“, sagte Ireneusz Fąfara, Vorstandsvorsitzender der Orlen Group.

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Benannt wurden die Schiffe nach zwei bedeutenden Persönlichkeiten des polnischen Freiheitskampfes: „Józef Piłsudski“ und „Ignacy Jan Paderewski“ (im Bild)

Nachfrage nach LNG wächst

Der Anteil von per Schiff geliefertem Flüssigerdgas an den gesamten Gasimporten Polens steigt kontinuierlich. Im Jahr 2024 machte LNG fast die Hälfte aller Gasimporte aus – insgesamt 70,22 Terawattstunden, die vollständig von der Orlen Group eingeführt wurden. Die neuen LNG-Tanker sollen dem Unternehmen künftig mehr Flexibilität bei der Sicherstellung von Lieferungen geben.

Die beiden Schiffe sind für eine Laufzeit von zehn Jahren verchartert – mit Verlängerungsoption. Jedes kann rund 70.000 Tonnen LNG transportieren, was etwa 100 Millionen Kubikmetern Erdgas im gasförmigen Zustand entspricht – also dem wöchentlichen Verbrauch aller polnischen Haushalte. Dank ihrer Größe und technischen Ausstattung sind sie weltweit an nahezu allen LNG-Terminals be- und entladbar.

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Die feierliche Taufzeremonie in Südkorea

Orlen-Neubauten fahren mit Dual-Fuel-Motoren

Beim Bau der Schiffe kamen Orlen zufolge modernste Technologien zum Einsatz, um einen hocheffizienten Betrieb zu ermöglichen. Dazu zählen integrierte Energiemanagementsysteme sowie bordeigene Wiederverflüssigungsanlagen, die das bei Transport verdampfende Gas zurückgewinnen. Die Dual-Fuel-Motoren können sowohl mit Marinediesel als auch mit Erdgas betrieben werden und erfüllen damit aktuelle und künftige Umweltstandards im Schiffsverkehr.

Gemäß der Strategie Orlen 2035 wird Erdgas weiterhin eine zentrale Rolle als Übergangsbrennstoff in der Energiewende Polens und der Region spielen. Der Verbrauch dürfte in den kommenden zehn Jahren kontinuierlich auf 27 Milliarden Kubikmeter ansteigen. Zur Deckung dieses wachsenden Bedarfs setzt Orlen auf ein ambitioniertes Investitionsprogramm, dessen Kernstück die sichere Versorgung mit LNG ist.

Die meisten LNG-Lieferungen gehen an das Terminal in Świnoujście. Dort wurden bislang 347 Lieferungen mit einem Gesamtvolumen von 27 Millionen Tonnen abgefertigt. Die meisten stammten aus Katar (154) und den USA (167). Weitere Herkunftsländer waren Norwegen (16), Nigeria (3), Trinidad und Tobago (4), Ägypten (2) und Äquatorialguinea (1). Im ersten Quartal dieses Jahres plant Orlen die Abfertigung von 20 Lieferungen – neun mehr als im Vorjahreszeitraum.

LNG-Importkapazitäten werden weiter ausgebaut

Darüber hinaus nutzt Orlen Kapazitäten des FSRU-Terminals im litauischen Klaipėda. Dort hat das Unternehmen bisher elf Lieferungen mit insgesamt rund 740.000 Tonnen LNG erhalten. Nach der Wiederverdampfung wird das Gas über den Polen–Litauen-Interkonnektor nach Polen weitergeleitet, ein Teil davon geht auch an die baltischen Märkte.

Die Orlen Group baut ihre LNG-Importkapazitäten in Polen weiter aus. Am schwimmenden LNG-Terminal, das derzeit in der Danziger Bucht entsteht, hat das Unternehmen die gesamte Regasifizierungskapazität von 6,1 Milliarden Kubikmetern pro Jahr reserviert. Damit können künftig jährlich bis zu 58 zusätzliche LNG-Lieferungen angenommen werden.