Reederei Nord-Chef Kurt Klemme: „Grauenhaftes Container-Orderbuch“

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Kurt Klemme, Geschäftsführer der Hamburger Reederei Nord, zu Gast beim HANSA Podcast (© Meyer/HANSA)

Die Hamburger Reederei Nord will „nicht alle Eier in einen Korb“ werfen und hält an der von Gründer Klaus Oldendorff ausgerufenen Strategie einer diversifizierten Flotte fest. Geschäftsführer Kurt Klemme erläutert in der neuen Episode des HANSA PODCASTs die Hintergründe der Strategie und spricht über Flottenpläne für Containerschiffe, Bulker und Tanker, die Sorge vor einem Linien-Oligopol, die Arbeit mit der Eignerfamilie Oldendorff und Pläne für KG-Fonds und Investorenschiffe sowie über Folgen der Politik von US-Präsident Trump.

HANSA Podcast

Die vor rund 60 Jahren gegründete Reederei Nord betreibt aktuell eine Flotte von insgesamt 36 Schiffen – inklusive solchen im Management. Darunter sind wie schon seit vielen Jahren Containerschiffe, Bulker und Tanker – und zwar vor allem „Standardschiffe“. Das soll auch so bleiben, sagt Klemme im HANSA PODCAST.

Mitunter komme einem beim Blick auf die politischen Entwicklungen der Gedanke »bloß raus aus dem Containermarkt« (Anmerkung der Redaktion: die Episode wurde am 14.4. aufgezeichnet), aber schlussendlich habe sich das Konzept »Diversifikation« seit der Gründung durch Klaus Oldendorff stets bewährt, so der Manager, der erläutert, warum man in welchen Segmenten investiert bleiben wolle.

Die Reederei Nord wartet derzeit noch auf einen letzten Containerschiffsneubau. Danach dürfte kurzfristig kein neuer Auftrag folgen. Der Geschäftsführer nennt das globale Orderbuch „grauenhaft“ mit einem Anteil von 40% an der fahrenden Flotte. Es gebe großes Verschrottungspotenzial, vor allem „wenn der Markt knallt“, sagt Klemme, der seine diesbezüglichen Erwartungen erläutert, aber auch, in welchen Segmenten noch größerer Bedarf seitens der Linien kommen dürfte.

Klemme über „Traumziel“ für die Flotte, Tanker und Bulker und Investorenschiffe

Ein zentraler Aspekt dabei ist die Arbeit der Linienreedereien und Allianzen. Zwar gab es da zuletzt eine leichte Entspannung im Vergleich zu den besonders schwierigen Zeiten, in denen Trampreeder regelrecht „rasiert“ worden seien. Allerdings gibt es bei der Reederei Nord durchaus Sorgen, „dass wir wieder in so eine Struktur kommen, in dem wir von einem Oligopol in die Zange genommen werden“.

Ein Hauptfokus liegt aktuell eher bei Bulkern und Tankern. Das „Dry Bulk“-Orderbuch habe „eine völlig überschaubare Größe“, sagt Klemme und geht auf die Attraktivität unterschiedlicher Schiffsgrößen und -typen ein – sowohl für Neubauten als auch für Secondhand-Transaktionen. Stehen kurzfristig Käufe oder Bestellungen an? Manchmal müsse man auf den richtigen Zeitpunkt warten. „Ich bin 26 Jahre in der Schifffahrt. Dabei habe ich gelernt, dass man Geduld haben muss.“

Auch im Tanker-Markt schaut sich die Reederei regelmäßig um, aber die politische Lage in den USA – ein wichtiger Markt für die Reederei Nord – erfordere eine genaue Planung, etwa bei Neubau-Aufträgen. Nicht zuletzt mit Blick auf die geplanten Strafgebühren für in China gebaute Schiffe bei Hafenanläufen in den USA.

Das „Traumziel“ für die Flotte? „50 eigene Schiffe und 30 weitere in Management wäre eine gute Größe“, sagt Klemme und spricht auch über seine Einschätzung, ob und wie das möglich ist. Man könne sein Geld auch anderweitig gut investieren.

Klemme geht auch darauf ein, ob der Einstieg in andere Schifffahrtssegmente wie MPP oder Offshore eine Option für die Reederei sind und nicht zuletzt, wofür der Reederei „das Geld zu schade ist“. Außerdem spricht der erfahrene Manager über Pläne für einen neuen KG-Fonds und die Idee eines neuen „Private Placements“ in Deutschland sowie das Modell von „Investorenschiffen“ und den Anteil, den die Familie Oldendorff an den Schiffen hält.


Jetzt kostenlos die aktuelle Folge des HANSA PODCASTs hören: Hier oder auf Spotify, Deezer, Podimo, Apple Podcast oder Youtube. Kurt Klemme spricht darin u.a. auch über

  • Neubauten und Secondhand-Transaktionen
  • was erwartet wird, „wenn der Markt knallt“ und wo in der Schifffahrt die Musik spielt
  • bevorzugte Schiffsgrößen und -typen
  • An- und Verkaufsstrategien
  • Flotten-Ziele („Eigentum“ und „Management“)
  • seine Erfahrung aus mehr als 25 Jahren in der Schifffahrt
  • Mögliche Folgen der neuen Allianzen in der Containerschifffahrt
  • Nicht-Standardschiffe und Nischenmärkte
  • Möglichkeiten auf dem Kapitalmarkt
  • Vor- und Nachteile bei der Arbeit mit KG-Fonds und Private Equity
  • die Arbeit mit der Eignerfamilie Oldendorff
  • wie die Reederei Nord von den Plänen der US-Regierung, in China gebaute Schiffe mit einer Sondergebühr zu belegen, profitieren dürfte
  • Auswirkungen der Zoll- und Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China
  • seinen Blick auf Donald Trump
  • die Beständigkeit des Welthandels und der Globalisierung in historischer Perspektive

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