Seeleute und die Psyche: „Ein noch immer sehr unsichtbares Problem“

Das Thema sei immer noch zu sehr unsichtbar: Psychische Probleme von Seeleuten. Charles Watkins, Gründer von Mental Health Support Solutions, übt deutliche Kritik an Überlastung, „westlicher Arroganz“ und dem Umgang mit Formularen.
Charles Watkins, MHSS, Mentale Gesundheit, Psychologie, Seeleute
Charles Watkins, Chef von Mental Health Support Solutions (MHSS) zu Besuch beim HANSA Podcast (© HANSA)

Das Leben an Bord kann für Seeleute sehr hart sein, mentale Probleme sind keine Seltenheit. Die Ursachen sind in vielen Fällen die Überlastung an Bord, Schlafmangel sowie Einsamkeit und soziale Aspekte, sagt Watkins in der neuen Episode des HANSA PODCASTs. Aber auch Angststörungen, Traumata und Psychosen spielen eine Rolle, auf die er ausführlich eingeht. Bei der Analyse geht es zudem um kulturspezifische Elemente.

Jetzt kostenlos die aktuelle Folge des HANSA PODCASTs hören: Hier oder auf SpotifyDeezerPodimoApple Podcast oder Youtube.

Der in Hamburg ansässige Dienstleister hat seinen Ursprung im klinisch-psychologischen Bereich. Watkins hält das Thema trotz vieler neuer Initiativen noch immer für „sehr unsichtbar“. Im Podcast spricht er auch über eine Stigmatisierung von betroffenen Seeleuten und die Angst, über mentale Probleme zu reden. Auch geht er darauf ein, mit welchen Reedereien er und sein Team zusammenarbeiten bzw. welche Bedingungen sie stellen – und wo deutsche Reeder bei dieser Thematik stehen.

Einsamkeit und das „Aufeinanderhocken“ zählen nach wie vor zu den größten Probleme für Seeleute in dieser Hinsicht, meint Watkins und erläutert, warum auch die neuen technologischen Mittel und das Internet nur bedingt Abhilfe leisten können – „ein zweischneidiges Schwert“. „Am Ende ist man wieder umgeben von Metall“.

Das aber in seinen Augen nach wie vor schwierigste – und heikelste – Thema: „Es sind zu wenig Seeleute pro Schiff, sie können die Arbeit nicht so erledigen wie es nötig wäre.“ Die bestehenden Vorgaben würden nicht eingehalten, kritisiert der Psychologe und spricht über Schichten, Schlafentzug, gezwungenermaßen falsch ausgefüllte Formulare und wissenschaftlich erwiesene Fakten.

Hören Sie hier die komplette Episode. Watkins spricht u.a. auch über:

  • Bestimmte Regionen mit besonders hoher Belastung
  • Mobbing und sexuelle Übergriffe auf Schiffen
  • Spezielle psychologische Aspekte im Beruf des Seefahrers
  • Religiöse und kulturspezifische Aspekte
  • Gebete, Halluzinationen, Rituale
  • „westliche Arroganz“ und Respekt für andere Kulturen
  • das Zusammenspiel mit geistlichen und religiösen Hilfseinrichtungen
  • Unterstützung von Reedern – je nach wirtschaftlicher Lage
  • ein „Vetting“-Prozess bei MHSS
  • Posttraumatische Belastungsstörungen, Psychosen und Angstzustände
  • Belastung durch Piratenangriffe, Raketen oder Drohnen
  • Be- oder Entlastung durch bewaffnete Guards an Bord
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