Deutsches Forschungsschiff beendet NATO-Einsatz
Neun Monate war das Forschungsschiff „Planet“ im Rahmen einer sogenannten „Unterstützungsmission“ für die NATO im Mittelmeer im Einsatz. Die Deutsche Marine sollte entlastet werden. Nun ist der Einsatz beendet.
29.224 sm wird die „Planet“ zurückgelegt haben, wenn sie am Dienstag in den Heimathafen Marinestützpunkt Eckernförde zurückkehrt. Nach dem Auslaufen am 1. Oktober 2024 gehörte sie der NATO-Unterstützungsmission in der Ägäis an.
Hintergrund der ungewöhnlichen Maßnahme ist die gestiegene Belastung der Marine. „Mit Einnahme der neuen NATO-Kräfteorganisation (NATO Force Model) haben sich die Anforderungen an die Deutsche Marine im Rahmen der NATO-Verteidigungskräfte signifikant erhöht“, heißt es seitens der Marine. Die bisher mit der Aufgabe betrauten Kampf- und Unterstützungseinheiten seien damit mehr als bisher gefordert. Um den Handlungsspielraum zu erhöhen, wurde entschieden, die militärischen Kräfte der Deutschen Marine durch geeignete zivile Einheiten zu ergänzen. Das Forschungsschiff „Planet“, insbesondere mit den Fähigkeiten im Bereich der Seeausdauer und notwendiger Fernmeldemittel, wurde hierbei als hervorragend geeignete Einheit identifiziert.
Kapitänin Marie-Christine Hardt zeigte sich nun zufrieden und stolz: „Es war das erste Mal, dass die Marine diesen Einsatz mit einem Forschungsschiff als Flaggschiff bewältigt hat. In der Region hat das für Aufmerksamkeit und zu Neugier der dortigen Nationen geführt. Auch für die überwiegend militärische Besatzung war es ein Novum, denn niemand kannte diese Schiffsklasse und alle mussten angelernt werden.“
Das Forschungsschiff „Planet“ gilt als das modernste seiner Art in der gesamten NATO. Es wurde in der so genannten Small-Waterplane-Area Twin-Hull (SWATH)-Bauweise gebaut. Hier wird der Auftrieb wesentlich von den beiden unter Wasser liegenden Schwimmkörpern erbracht. Die schlanken Stege, die beide Schwimmkörper und den Schiffskörper verbinden, tragen nur in geringem Maße zum Auftrieb bei. Das macht die „Planet“ besonders unempfindlich gegen Seegang.
Die Aktivität in der Ägäis ist der Beitrag der NATO zur Bewältigung der Flüchtlings- und Migrationskrise. Sie wurde im Februar 2016 auf Antrag Deutschlands, Griechenlands und der Türkei mit dem Ziel beschlossen, die Flüchtlingsströme durch die Ägäis schnell und erheblich zu reduzieren. Mit den Aktivitäten beabsichtigt die NATO, zu einem Lagebild für die griechische und türkische Küstenwache sowie der europäischen Grenzagentur FRONTEX beizutragen. Die NATO-Kräfte unterstützen durch Seeraumüberwachung und dem Austausch von Lageinformationen, um die beteiligten Behörden bei ihrem Einsatz gegen Schlepper und deren Netzwerke zu unterstützen.
Für die Einsatzzeit wurde die „Planet“ dem 3. Minensuchgeschwader als Leitverband unterstellt, welches seit Anfang 2024 Boote als Führungsplattformen in dem NATO-Verband stellt. An der NATO-Unterstützung sind unter anderem Einheiten aus Albanien, Griechenland und der Türkei beteiligt.
Neben der Erfüllung des Auftrags galt es immer fortlaufend die wechselnde Besatzung wieder einzuarbeiten. Es ist eine kleine Besatzung und fast jeder war mit mehr als einer Aufgabe betraut. „Ich werde mich lange daran erinnern mit welcher Motivation und Begeisterung viele an Bord gekommen sind, die das Schiff erst nicht kannten und mit welch schwerem Herzen sie wieder gegangen sind. Diese Menschen haben mit ihrem Engagement diese Mission möglich gemacht und dieser Zusammenhalt war einfach wunderbar“, so Hardt. Die Kooperation zwischen der Deutschen Marine und dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung (BAAINBw) zeige, was mit kreativen Lösungen alles möglich ist.