Feuer auf „Victoria L“: Deutsches Containerschiff havariert in der Nordsee
Am Mittwochnachmittag brach im Maschinenraum des deutschen Containerschiffs „Victoria L“ ein Feuer aus.
Das Unglück ereignete sich 30 Seemeilen westlich von Scheveningen. Die niederländische Küstenwache und weitere Einsatzkräfte sind vor Ort.
Die „Victoria L“ befand sich in Fahrt von Hamburg nach Rotterdam, als der Maschinenraum aus bisher noch nicht geklärter Ursache Feuer fing. Der Brand wurde am Mittwoch um 14:45 Uhr Ortzeit gemeldet. Das Schiff war ohne Ladung und mit 19 Besatzungsmitgliedern unterwegs. Bei dem Unfall wurden bisher keine Verletzten gemeldet.
Wie die Küstenwache mitteilte, war wenig bis keine Rauchentwicklung an Bord zu sehen, als ein Flugzeug zur ersten Einschätzung der Lage eintraf. Der Kapitän des Schiffs setzte einen Notruf ab. Die niederländische Küstenwache mobilisierte daraufhin ihre „Maritime Incident Response Group“. Das spezialisierte Löschteam wurde per Hubschrauber zum Schiff transportiert, während ein zweiter auf einer nahegelegenen Ölplattform in Bereitschaft blieb. Zahlreiche weitere Rettungskräfte waren im Einsatz. Nach aktuellem Stand konnte das Feuer um ca. 17 Uhr unter Kontrolle gebracht werden. Die Behörden beobachten den Status des Schiffs weiterhin.
Die „Victoria L“ wurde 2009 gebaut und besitzt eine Kapazität von 1.368 TEU. Sie fährt unter liberianischer Flagge. Schiffseigner ist das deutsche Unternehmen Hermann Lohmann Bereederungen mit Hauptsitz in Haren an der Ems.
Das Unglück folgt fast genau einen Monat auf die Havarie der „Solong“, die vor der englischen Küste mit dem Tanker „Stena Immaculate“ kollidierte. Das Schiff gehört der deutschen Reederei Ernst Russ.
Havarien spielen aktuell auch im Zusammenhang mit den Sanktionen gegen Russland und die „Schattenflotte“ eine große Rolle in der Schifffahrt. Justus Heinrich, Head of Marine Underwriting beim Versicherer Allianz, erwartet weitere Unfälle von Schiffen – zum Beispiel auch Kollisionen von Schattenflottenschiffen mit nicht-sanktionierten Schiffen. Das sei ein „realistisches Szenario“, so Heinrich in der heute veröffentlichten Episode des HANSA PODCASTs. Hören Sie hier in die Episode und erfahren Sie mehr über das Thema. Justus Heinrich spricht darin u.a. über den Umgang mit der Schattenflotte, Risiken für Reeder und Versicherer, die gestiegene Komplexität in diesem Zusammenhang sowie Sanktionen und ihre Umsetzung.