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Die Fusion von Columbia Shipmanagement und Marlow Navigation hat bislang offenbar nicht die erhofften Synergieeffekte gebracht. Beide Unternehmen agieren operativ weiter eigenständig.

Nach langen Monaten der Verhandlungen und Prüfungen hatten die auf Zypern beheimateten Unternehmen von Heinrich Schoeller (Columbia) und Hermann Eden (Marlow) im September 2017 den Zusammenschluss der beiden Schwergewichte bekannt gegeben. Unter dem Namen »Columbia Marlow« sollten die Segmente »Technical Management« und »Crewing« vereint werden.

Heinrich Schoeller
Heinrich Schoeller

Nach gut einem Jahr sind die vereinbarten Eigentumsverhältnisse noch die selben: Beide sind wechselseitig mit jeweils 50% an der gemeinsamen Holding sowie an allen Einzelfirmen des jeweiligen Partners beteiligt, das betrifft unter anderem Schoellers MPP-Reederei AAL.

Doch im operativen Geschäft konnten offenbar nur wenige Synergien ausgemacht oder gar umgesetzt werden. Operativ bleiben Büroräume, Teams und auch IT-Systeme weiter strikt getrennt. »Beide Unternehmen haben unterschiedliche Zielmärkte und Kunden«, erklärte jetzt Heinrich Schoeller gegenüber der HANSA. Während Columbia verschiedene, auch große Schiffstypen vom Tanker bis zum Passagierschiff technisch betreue, sei Marlow vor allem im Crewing für meist kleinere, oft KG-finanzierte Containerschiffe aktiv. »Da gibt es wenig Gemeinsames«, so Schoeller.

Auch Hermann Eden bestätigte auf HANSA-Anfrage, dass eine Fusion »im herkömmlichen Sinne nicht stattgefunden« habe. Es sei auch nicht beabsichtigt, diese in absehbarer Zukunft durchzuführen. Beide Gesellschaften würden auch künftig selbständig und unabhängig voneinander ihre jeweiligen Geschäfte und Aktivitäten weiter betreiben. »Alle Shareholder sind der Überzeugung, dass diese Form der Zusammenarbeit am besten den Interessen der Kundschaft dient und die Perspektiven der Columbia Marlow Gruppe so bestmöglich gewahrt bleiben«, so Eden.

Schoeller hatte Columbia 1978 in Limassol auf Zypern gegründet. Das Unternehmen gehört im technischen Management zu den global führenden Unternehmen, nach HANSA-Informationen wurden zuletzt knapp 300 Schiffe betreut. Marlow, gegründet 1982, ist dagegen stark im Crew Management mit zuletzt mehr als 1.000 Schiffen und rund 14.000 Seeleute, aber nur 66 Schiffen im technischen Management (siehe Tabelle).

Die Fusion war nach einem Schuldenschnitt der HSH Nordbank für die Unternehmensgruppe von Schoeller in Höhe von 800 Mio. $ erfolgt. Wie es damals hieß, sollte damit eine drohende Insolvenz verhindert, Unternehmenswerte erhalten und die Fusion mit Marlow ermöglicht werden. Man sei von dem Konzept und der wirtschaftlichen Perspektive des fusionierten Unternehmens überzeugt, hatte die HSH seinerzeit verlauten lassen. Zudem besteht ein Besserungsschein. Dieser sieht vor, dass künftig alle Einnahmen aus dem Schiffsbetrieb jenseits der Betriebskosten und des notwenigen Kreditdienstes an die HSH Nordbank fließen, um die tatsächlichen Schuldenerlass zu minimieren.

»Die Fusion hat weiter Bestand«, erklärt Schoeller. »Aber wir haben beschlossen, nichts übers Knie zu brechen und das weitere Zusammengehen Schritt für Schritt voranzubringen.«

In der jüngeren Vergangenheit hatte es weitere große Konsolidierungsprojekte in diesem Marktsegment gegeben: V.Ships hatte nach der Übernahme von Bibby Shipmanagement zuletzt 66% der Anteile an der Norddeutschen Reederei H. Schuldt von Bernd Kortüm sowie die Bereederung von 46 Schiffen übernommen. Anglo-Eastern wiederum hatte den Konkurrenten Univan integriert. Mit der Bremer Zeaborn-Gruppe ist durch die Übernahme von Rickmers und E.R. Schifffahrt ein weiterer Player aufgetaucht, der es auf rund 160 Schiffe im Management bringt.