Erneut steht ein chinesisches Schiff unter Verdacht, ein Unterseekabel beschädigt zu haben. Die taiwanesische Küstenwache hat den Stückgutfrachter festgesetzt.
Im Raum steht der Vorwurf, dass der Frachter gestern das Unterseekabel Taiwan-Penghu Nr. 3 durchtrennt hat.[ds_preview]
Die Küstenwache teilte mit, dass sie am 25. Februar gegen 3 Uhr Ortszeit von Chunghwa Telecom benachrichtigt wurde, dass das Unterseekabel an einer Stelle sechs Seemeilen nordwestlich des Fischereihafens Jiangjun durchtrennt wurde. Mit Hilfe von Reservekapazitäten könne aber Strom übertragen werden.
Der Verdacht fiel auf ein 2006 gebautes Stückgutfrachtschiff mit einer Tragfähigkeit von 1.800 Tonnen, das sich drei Tage lang in der Nähe der Unfallstelle aufgehalten hatte. Das Schiff trug zwar den Namen „Hong Tai 168“ auf dem Rumpf, aber verschiedene Schiffsdatenbanken von Drittanbietern liefern widersprüchliche Informationen über den Namen und die Eigentumsverhältnisse.
Equasis und VesselsValue geben den Namen des Schiffes als „Jin Long 389“ unter chinesischer Flagge an, und der Eigentümer sei Cosco Ship Leasing. Der Seasearcher von Lloyd’s List Intelligence gibt den Namen des Schiffes jedoch mit „Hongtai58“ an, ohne dass ein Eigner genannt wird.
China, Taiwan, Russland, Ostsee …
Patrouillenboote umkreisten das Schiff von 19.10 Uhr am 22. Februar bis 3.00 Uhr am 25. Februar, als es über dem Unterseekabel verankert blieb. Anhaltende Funkwarnungen der Küstenwache an das Schiff, das Gebiet zu verlassen, wurden ignoriert.
Seit dem 3. Februar hatte sich das Schiff in der Nähe des Ankerplatzes An Ping aufgehalten, nachdem es aus Busan, Südkorea, ausgelaufen war.
Starker Wellengang hinderte die Küstenwache daran, an Bord zu gehen, so dass es abgefangen wurde, als es sich nach Nordwesten zu bewegen begann. Dann wurde es nach An Ping eskortiert.
Die taiwanesischen Behörden gehen davon aus, dass der jüngste Vorfall Teil der „Grauzonentaktik“ Chinas sein könnte, einer Art der Kriegsführung, die unkonventionelle militärische Aktionen beinhaltet. Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Tainan untersucht die Angelegenheit nun im Rahmen der nationalen Sicherheitsprotokolle.
Es ist nicht der erste Vorfall: Am 6. Januar teilte die taiwanesische Küstenwache mit, sie habe ihre südkoreanischen Kollegen um Hilfe bei der Suche nach der „Xing Shun 39“ gebeten, einem in chinesischem Besitz befindlichen Stückgutfrachter, der im Verdacht steht, am 3. Januar das Trans Pacific Express System, das Taiwan mit der US-Westküste verbindet, beschädigt zu haben. Spätere Medienberichte legten nahe, dass das besagte Schiff, das nach dem Vorfall in Richtung Busan gefahren sein soll, verschiedene Namen und Identifikationsnummern verwendet hat und nun unauffindbar ist.
Die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen Russland, China und dem Rest der Welt haben Verdacht erregt, wann immer Schiffe aus diesen Ländern an Infrastrukturschäden beteiligt sind.
Im Oktober 2023 beschädigte das Containerschiff „Newnew Polar Bear“, das auf einer Route zwischen China und Russland verkehrt, die Balticconnector-Erdgaspipeline im Finnischen Meerbusen, nachdem sein Anker mehrere Seemeilen weit gezogen worden war. Die Untersuchung der chinesischen Behörden ergab jedoch, dass es sich um einen Unfall bei stürmischem Wetter handelte.
Am Weihnachtstag 2024 beschädigte der unter der Flagge der Cook-Inseln fahrende 74.034-Tonnen-Tanker „Eagle S“, der zur Schattenflotte gehören soll, die russisches Rohöl transportiert, angeblich das Unterseekabel Estlink 2, das Strom von Finnland nach Estland überträgt. Die „Eagle S“, die nach wie vor von den finnischen Behörden festgehalten wird, ist als Bareboat-Schiff an den Schifffahrtsarm des russischen Ölhändlers Litasco, Eiger Shipping, verchartert. (PL)