Rheinmetall will NVL übernehmen
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall plant den Einstieg in den Marineschiffbau und verhandelt offenbar über die Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL). Wie HANSA aus Unternehmenskreisen bestätigt wurde, beabsichtigt die Familie Lürssen, sich von ihren im Marineschiffbau tätigen Werften in Hamburg, Wilhelmshaven und Wolgast zu trennen und sich künftig auf den Bau von Yachten zu konzentrieren. Rheinmetall, bislang auf Panzer und Munition spezialisiert, würde mit dem Zukauf sein Portfolio deutlich erweitern.
Rheinmetallchef Armin Papperger hatte bereits im Juli bei einer Analysten-Konferenz einen entsprechenden Schritt angedeutet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. »Wir sind immer interessiert, unser Produkt-Portfolio zu erweitern«, sagte Papperger am Mittwoch im niedersächsischen Unterlüß auf die Frage nach einem Interesse an dem Militärschiffbauer Naval Vessels Lürssen.
Der Aufsichtsrat von Rheinmetall soll sich dem Vernehmen nach in den kommenden Wochen mit dem Vorhaben befassen. Branchenkenner sehen in dem Schritt eine mögliche Weichenstellung für die Konsolidierung des deutschen Marineschiffbaus, in dem bislang die drei Werften NVL, Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards um Aufträge konkurrieren. Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Wochen eine stärkere Kooperation von Unternehmen im Rüstungssektor befürwortet.
NVL’ s internationale Projekte
Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 1 Mrd. € ist NVL einer der führenden Hersteller von Marineeinheiten. NVL ist derzeit in mehrere Schlüsselprojekte eingebunden, darunter der Bau der neuen Fregattenklasse F126 sowie der Flottendienstboote der Klasse 424 und der Marinebetriebsstoffversorger der Klasse 707 für die Deutsche Marine. Zudem kooperiert das Unternehmen international, etwa beim Bau von Offshore-Patrouillenbooten der Arafura-Klasse für Australien, in einem Joint Venture zu unbemannten Plattformen mit der britischen Kraken Technology Group und bei der geplanten Luftverteidigungsfregatte F127 in Zusammenarbeit mit Thyssenkrupp Marine Systems.
Ein Abschluss ist allerdings noch nicht sicher – die Übernahme hängt von der Zustimmung aller Lürssen-Gesellschafter ab. Zudem müssten wohl auch die Aufsichtsbehörden einer möglichen Übernahme von NVL durch Rheinmetall noch zustimmen.
Die IG Metall Küste ließ verlauten, sie sei bislang nicht eingebunden. »Einer Konsolidierung der Marinewerften stehen wir grundsätzlich offen gegenüber, allerdings muss die Bundesregierung hierbei eine aktive Rolle spielen. Inwieweit dies bei möglichen Gesprächen bei Lürssen der Fall ist, wissen wir nicht«, sagte ein Sprecher.