Von Umkleide bis Schwangerschaft – Appell für bessere Bedingungen für Frauen an Bord

Die frühere Maritime Botschafterin der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO Sabine Zeller fordert anlässlich des „International Day for Women in Maritime“ Verbesserungen für Frauen an Bord.
Sabine Zeller wirbt für mehr Frauen in der Schifffahrt. Mit Blick auf den Anteil der Frauen in der Branche sei man aber „in Deutschland schon besser aufgestellt als im Rest der Welt“, urteilt sie.
Sabine Zeller wirbt für mehr Frauen in der Schifffahrt. Mit Blick auf den Anteil der Frauen in der Branche sei man aber „in Deutschland schon besser aufgestellt als im Rest der Welt“, urteilt sie. (© Steiner)

Von eigenen Umkleiden auf Schiffen bis zu klaren Regelungen für Schwangere. Wer personell auch in Zukunft sicher aufgestellt sein wolle, dürfe nicht die halbe Bevölkerung außer Acht lassen, sagte die Bremerin, die bis Ende 2025 IMO Goodwill Maritime Ambassador für Deutschland war und zudem die Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt in Bremen leitet. „Das haben schon viele in der Schifffahrt erkannt, aber es gibt auch noch einiges zu tun.“

Zeller, die früher selbst zur See fuhr, äußerte sich im Vorfeld des heutigen Internationalen Tags der Frauen in der Seeschifffahrt (International Day for Women in Maritime) am Rande der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden Ende April. Frauen müssten schon beim Bau eines Schiffes „mitgedacht“ werden, so Zeller. Als Beispiel nannte sie Umkleideräume. Es gebe Reedereien beziehungsweise Schiffe, die bereits über separate Umkleiden verfügten. Andere seien nach einem Standardmodell gebaut. „Und dann gibt es halt eine Umkleide, wo sich alle umkleiden.“ Übrigens fänden das auch nicht alle Männer gut. Man solle entweder zwei Sammelumkleiden oder Einzelkabinen einrichten.

Sehr wichtig seien Arbeitskleidung, persönliche Schutzausrüstung und Rettungsmittel in Größen und Passformen für Frauen. „Das ist teilweise echt ein Problem.“ Es könne auch die Sicherheit beeinträchtigen. „Weil der Overall, wenn er über die Hüfte passt, ist er woanders ewig locker. Und zu lockere Sachen kannst du bei der Arbeit einfach nicht so gut tragen.“ Wenn man etwa an drehenden Maschinen arbeite. Für Rettungsmittel gebe es inzwischen internationale Vorgaben, dass sie in für jedes Crew-Mitglied passenden Größen an Bord vorhanden sein müssten, so Zeller.

Sabine Zeller fuhr früher selbst zur See, insbesondere auf Öltankern. Bis Ende 2025 war Zeller Maritime Botschafterin der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO in Deutschland.
Sabine Zeller fuhr früher selbst zur See. Bis Ende 2025 war sie Maritime Botschafterin der IMO in Deutschland (© Steiner)

Die gebürtige Baden-Württembergerin studierte Nautik und fuhr acht Jahre als Nautische Offizierin zur See, hauptsächlich auf Öltankern. Seit 2019 ist sie Geschäftsführerin der in Bremen ansässigen und bundesweit zuständigen Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt (BBS). Die BBS ist gemäß Seearbeitsgesetz für die Ausbildung in der Seeschifffahrt zuständig. Sie begleitet die duale Ausbildung von Schiffsmechaniker/innen und auch die praktische Ausbildung und Seefahrtzeit von Offiziersassistenten/innen im nautischen, technischen und elektrotechnischen Bereich.

Für Schwangerschaften brauche es umfassende Konzepte bei den Reedereien, verlangte Zeller. Die Frage, wie lange Schwangere an Bord arbeiten könnten, müsse ebenso geklärt sein wie die ärztliche Versorgung und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten an Land. Es dürfe nicht nur darum gehen, dass eine Schwangere „einfach nur von Bord geholt wird“. Darüber hinaus müsse der Wiedereinstieg nach der Geburt geregelt sein.

Die BBS-Geschäftsführerin äußerte sich auch zum Thema sexuelle Belästigung an Bord. Sie glaube, dass Frauen auf Schiffen nicht öfter belästigt würden als anderswo. „Ich bin an Bord weniger belästigt worden als an Land.“ Besatzungen als Teil der Gesellschaft könnten andererseits nicht frei von dem Problem sein. Und wenn Belästigung vorkomme, sei es auf einem Schiff „natürlich eine andere Situation“.

Der Umgang mit stärkeren Übergriffen sei gesetzlich geregelt. Allerdings sei die gesetzliche Lage auf Schiffen kompliziert, weil es je einen Flaggenstaat, ein Herkunftsland und das Fahrtgebiet gebe. Daher sei es besonders wichtig, dass die Verantwortlichen selbst aktiv werden. „Dass ich da als Führungskraft dazwischen gehe und sage: ‚Alles klar, das passiert hier nicht.‘ Oder dass ich als Reederei sage: ‚Ich möchte das nicht, und für uns ist das ein Vergehen, wenn jemand übergriffig wird, dann wird der gekündigt.‘“

Zum Thema Belästigung habe sich international ein großes Bewusstsein entwickelt, urteilte Zeller. Entsprechend sei die STCW-Konvention zur Ausbildung von Seeleuten angepasst worden. Mobbing, Gewalt und sexuelle Belästigung müssten nun bei der für alle Seeleute verpflichtenden Sicherheitsgrundausbildung thematisiert werden.

Mit Blick auf den Anteil der Frauen in der Schifffahrt sei man „in Deutschland schon besser aufgestellt als im Rest der Welt“. Die von der IMO und dem Frauen-Branchennetzwerk WISTA herausgegebenen Zahlen gingen von ein bis zwei Prozent Frauen an Bord weltweit aus. Für die von der BBS in Deutschland betreute duale Ausbildung konnte man hingegen bei den neu geschlossenen Ausbildungsverhältnissen 2024 einen Anstieg auf 17 Prozent verzeichnen (23 Frauen von 135 insgesamt), in den letzten zehn Jahren waren durchschnittlich zehn Prozent aller Auszubildenden weiblich; die internationalen und deutschen Zahlen sind allerdings nicht eins zu eins vergleichbar. Insgesamt sei es „noch ein Weg zu gehen, bis wir da auch nur annähernd in Parität kommen“.

Eine Reihe von Akteuren bemühen sich Zeller zufolge um mehr Frauen in der Schifffahrt, neben der BBS etwa der Verband Deutscher Reeder, das Deutsche Maritime Zentrum und die IMO. Netzwerke wie WISTA Germany und der Verband „Frauen zur See“ spielten bei der Wahrnehmung der Frauen in der Schifffahrt und ihrer Unterstützung eine wichtige Rolle. Aus eigener Erfahrung sagt Zeller – die nicht nur Öltanker fuhr, sondern zum Beispiel auch Frachter mit Orangensaft aus Brasilien: „Es ist ein unheimlich vielseitiger und anspruchsvoller Bereich, in dem man sich voll austoben kann. Und es würde mich eben freuen, wenn auch noch mehr Frauen eben genau das tun.“

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