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Im Befrachtungsmarkt entsteht mit knapp 10% ein neues Feeder-Schwergewicht: Leonhardt & Blumberg sowie Asiatic und Atlantic Lloyd bringen insgesamt 84 Schiffe in die Flotte des Joint-Venture Hanseatic Unity von Borealis Maritime, Bernhard Schulte und der Reederei Nord ein.

Die Vereinbarung gilt ab sofort, das Bundeskartellamt sei informiert, heißt es heute in einer Stellungnahme. Von Leonhardt & Blumberg stoßen 55 Containerschiffe – bislang bei Martini Chartering befrachtet – zu Hanseatic Unity, von Asiatic und Atlantic Lloyd sind es 27 Box-Carrier und zwei Bulker.

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Die Befrachtungsmitarbeiter beider Unternehmen würden entsprechend in die Teams des Joint Ventures kommen: In Hamburg sind das Peer Grünewald von Atlantic Lloyd sowie Mirco Erdtmann und Christopher Ehlers von Leonhardt & Blumberg. Letzterer wechselt aus dem Hamburger Unternehmen Walther Möller. Im Singapur-Büro von Hanseatic Unity sitzt künftig auch Fabian Oelze von Asiatic Lloyd.

9,7% Marktanteil zwischen 700 und 2.000 TEU

Hanseatic Unity betreut damit künftig eine Flotte von 233 Schiffen, darunter 206 Containerfrachter mit Kapazitäten zwischen 700 und 9.400 TEU sowie 27 Bulker zwischen 33.000 und 93.000 tdw.

Ziel der erweiterten Partnerschaft sei es, den erfolgreichen Weg von Hanseatic Unity fortzusetzen, die Flotten der Partner besser auszulasten und nicht zuletzt Kosteneinsparungen zu erzielen, die die Mitteilung weiter.

Nach Informationen der HANSA umfasst die gemeinsame Flotte im Segment 700 bis 2.000 TEU nun 105 Schiffe. 66 Einheiten stammen von den neuen Partnern. Im gesamten Weltmarkt werden derzeit knapp 1.820 Frachter dieser Größe betrieben, davon entfallen 1.078 Schiffe auf den Tramp-Markt. Damit hat Hanseatic Unity in diesem Segment einen Marktanteil von 9,7%.

Erst im April hatten die beiden Hamburger Reedereien Leonhardt & Blumberg und Buss Shipping ihre Fusion bekanntgegeben und bündeln seither ihre Bereederungsaktivitäten. Erklärtes Ziel: Synergieeffekte zu erzielen und die Marktposition im Wettbewerbsumfeld zu stärken. Zu den »Baustellen« zählte dabei offenbar auch die Befrachtung für die künftig gemeinsame Flotte von 55 Containerschiffen. Man werde den Markt sondieren und »zu gegebener Zeit die beste Lösung finden«, hieß es schon damals.

 

Da die anderen Einheiten bei Martini Chartering nicht zum 1.700-TEU-Segment gehören, macht die Bündelung bei Hanseatic Unity Chartering durchaus Sinn. Es wäre die Antwort auf die Konsolidierung in der Linienschifffahrt, indem nun auch die Trampreeder versuchen, ihre Marktposition zu stärken. Das dürfte der bisher dominierenden Charter-Seite allerdings kaum gefallen.

Außerdem stellt sich die Frage, wie die Kartellbehörde diesen Zusammenschluss bewertet. Nachträglich wurde erst jüngst (20.06.) die Genehmigung für das bereits bestehende Dreier-Bündnis der Schulte Group mit Borealis Maritime und der Reederei Nord bei der Wettbewerbsbehörde beantragt. Hanseatic Unity wurde 2013 als O&S Chartering von Schulte und Reederei Nord gegründet, im Oktober 2015 stieß Borealis mit 35 Schiffen hinzu.

Hanseatic, Schulte
Das 1.700-TEU-Containerschiff »Lissy Schulte« (Foto: Schulte)

Bislang werden von Hanseatic Unity nach eigenen Angaben 123 Containerschiffe mit einer Kapazität von 700 bis 9.400 TEU sowie 20 Bulkcarrier von 37.000 bis 77.000 dwt befrachtet. Das Durchschnittsalter der Flotte liegt bei 7,5 Jahren. Davon gehören insgesamt 30 Einheiten dem 1.700-TEU-Segment an, weitere zwölf Schiffe verfügen über eine Kapazität von 2.400 TEU, sieben über 2.600 TEU und vier über 2.800 TEU.