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Die Odyssee des US-Zerstörers »Fitzgerald« nimmt vorerst kein Ende. Bei einem Bergungsversuch verursachte jetzt das Transportschiff »Transshelf« weitere Schäden.

Beim Versuch, den im Juni nach einer folgenschweren Kollision mit dem Containerschiff »ACX Crystal« havarierten Zerstörer auf die Boskalis-Dockschiff zu verladen, kam es nach Angaben der US Navy zu einer erneuten Havarie. Während des Eindockens verursachte eine Stahlstruktur an Deck der »Transshelf« zwei Risse im Rumpf der »Fitzgerald«. Der Vorfall ereignete sich vor Yokosuka, wo der Zerstörer vor wenigen Tagen in tieferes Wasser geschleppt worden war, um das Eindocken zu ermöglichen. Wie es zu der Beschädigung kam ist bislang nicht bekannt.

Der US-Zerstörer »USS Fitzgerald« nach der Kollision

Wie die Navy mitteilte, musste die »Fitzgerald« in den Hafen zurückgebracht werden, da die neuen Schäden zunächst repariert werden müssen. Dies könne mehrere Tage in Anspruch nehmen. Erst danach könne der Transport zur US-Werft Huntington Ingalls Industries in Pasacagoula starten. Erste grundlegende Arbeiten waren in den vergangenen Monaten bereits in Yokosuka erledigt worden, etwa die Leerung der Tanks und das Herunterfahren der Bordsysteme.

Menschliches Versagen

Die Havarie hatte – ähnlich wie das Unglück der »John McCain« im August – für großes Aufsehen nicht nur in den USA gesorgt und eine Debatte über die Sicherheit von Marine-Schiffen ausgelöst. Eine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass beide Havarien auf menschliches Versagen zurückzuführen sind.

Sieben US-Seeleute starben bei dem Unglück. Sie wurden offenbar im Schlaf überrascht, als der Bug des Containerschiffes mitten in der Nacht die Steuerbordseite des Zerstörers rammte, ein Loch in die Bordwand unterhalb der Brücke riss und mehrere Räume unter Deck minutenschnell überflutet wurden.

Quelle: US Navy

Der 220 m lange Containerfrachter »ACX Crystal« war etwa 100 km südwestlich der Stadt Yokosuka mit dem 154 m langen Zerstörer kollidiert. Die »USS Fitzgerald« wurde hart an Steuerbord unterhalb der Brücke getroffen. Ober- und unterhalb der Wasserlinie sei es zu erheblichen Schäden gekommen, durch die Wasser eingedrungen sei. Insgesamt wurden drei Schotten geflutet, betroffen waren auch zwei Schlafräume unter Deck für insgesamt 116 Mann.

Fehlverhalten, Unwissen und Selbstüberschätzung der Schiffsführung haben laut dem Untersuchungsbericht der US-Marine zu der Kollision geführt. Der Unfall sei vermeidbar gewesen und die Untersuchungen hätten vielfaches Versagen der Wachhabenden offengelegt, sagte der Chief of Naval Operations (CNO), Admiral John Richardson.

Er sei das Ergebnis einer Aneinanderreihung kleiner Fehler, die letztlich zu einer Missachtung sauberer navigatorischer Praxis geführt hätten. Die Wache der der »USS Fitzgerald« habe etablierte Normen des grundlegenden Kontaktmanagements missachtet, die Führung habe darin versagt, einer ebenfalls etablierten Kollisionsvermeidungsroutine zu folgen. Obendrein sei die Schiffsführung während der Entwicklung einer Situation abwesend gewesen, in der ihre Erfahrung, Anleitung und ihr Vorbild gebraucht worden seien.