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In den ersten neun Monaten des Jahres hat der Hamburger Hafen 104 Mio. t Seegüter umgeschlagen, 0,5 % weniger als 2016. Dafür gab es bei den Containern ein kleines Plus.

Der Seegüterumschlag in Hamburg, der die Segmente Stückgut und Massengut umfasst, liefert für die ersten neun Monate mit 104,3 Mio. t ein stabiles Ergebnis (-0,5 %). Der Umschlag von containerisiertem Stückgut befindet sich mit 6,8 Mio. TEU wieder auf Wachstumskurs (+0,4 %).

Gesamtumschlag Hamburg Januar bis September 2017

Der Massengutumschlag blieb mit 34,1 Mio. t knapp unter dem Vorjahresergebnis (-1,0 %). Ein solches Ergebnis habe man erwartet, angesichts der Rahmenbedingungen – Umstrukturierungen der großen Containerlinien-Allianzen, Schließung des BUSS-Terminals, Personalknappheit beim Zoll – schlage sich der Hamburger Hafen gut, erklärte Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing (HHM).

Die Neuordnung der Allianzen wirkt sich laut Mattern insgesamt kaum auf Hamburg aus, im USA-Verkehr leide man etwas, im Asienhandel sei es kaum spürbar. Sehr wohl gibt es aber deutliche Auswirkungen für die verschiedenen Terminals in Hamburg: Während die HHLA an ihren Terminals mit 5,5 Mio. TEU im bisherigen Jahresverlauf 11 % mehr umschlagen konnte als bis September 2016, musste der Konkurrent Eurogate ein Minus von mehr als 25 % hinnehmen.

Bei den beladenen Boxen wurde in Hamburg mit 5,8 Mio. TEU ein Plus von 1,2% erreicht, der Umschlag leerer Container fiel dagegen mit 924.000 TEU um 4,3% niedriger aus. Als eine Ursache führt Mattern die noch nicht realisierte Fahrrinnenanpassung der Elbe an, Reeder würden die mögliche Kapazität lieber für volle Boxen nutzen.

Unter den großen Containerhäfen Nordeuropas weist Hamburg laut HHM beim Containerumschlag mit 13,7 % den niedrigsten Leercontaineranteil und mit 86,3 % den höchsten Umschlaganteil für beladene Boxen auf. Von den in Hamburg in den ersten neun Monaten umgeschlagenen 6,8 Mio. TEU (+0,4%) wurden 3,5 Mio. TEU Importcontainer (+0,7%) und 3,2 Mio. TEU Exportcontainer (+0,1%) abgefertigt.

China-Handel legt zu

Top 10 Handelspartner Hamburgs Januar bis September 2017

Die Aufwärtsentwicklung im Containerverkehr mit China, Hamburgs mit Abstand wichtigstem Handelspartner, setzte sich mit 2,0 Mio. TEU (+2,5%) fort. Große Hoffnungen legen die Hamburger auf Kanada. Mit dem am 21. September vorläufig in Kraft getretenen CETA-Freihandels- und Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und Kanada sollen bei Ratifizierung 98 % der betroffenen Handelswaren die Zölle entfallen und auf Einschränkungen bei der Ein- und Ausfuhr weitestgehend verzichtet werden.

Der Außenhandel Deutschlands mit Kanada beläuft sich auf rund 14 Mrd. €. Kanada nimmt im Ranking der wichtigsten Handelspartner des Hamburger Hafens im Containerverkehr die Position 13 ein, in den ersten neun Monaten wurden 144.000 TEU (+20,5%) umgeschlagen.

Die großen Hoffnungen, die auf dem Handel mit dem Iran lagen, haben sich dagegen noch nicht erfüllt. Zwar wurden hier knapp 120% mehr umgeschlagen, allerdings mit 16.000 TEU in Summe noch wenig. Die bestehenden Finanzsanktionen verhinderten viele Exporte.

Ostseeverkehr nimmt zu

Positiv ist auch die Umschlagentwicklung in dem für den Hamburger Hafen besonders wichtigen Ostseeverkehr. Dieser stieg um 2,8% auf insgesamt 1,4 Mio. TEU. So kam der seeseitige Containerverkehr mit Schweden auf 220.000 TEU (+20,9 %) und mit Polen auf 172.000 TEU (+7,7 %). Die baltischen Staaten trugen mit Steigerungen zwischen 5,8 und 18,8 % zum Wachstum der Ostseeverkehre bei.

Wachstum bei Handelspartnern Hamburgs Januar bis September 2017

»Die Häfen dort sind nicht mehr nur Durchgangsstationen nach Russland, mittlerweile kommt ein Großteil des Wachstums aus den Ländern selbst«, so HHM-Vorstand Ingo Egloff. Grund für mehr Feederverkehre aus Hamburg ist aber auch die Einstellung eines Liniendienstes nach Gdansk und Göteborg. In dem schwedischen Hafen war ein Terminal durch Streiks lange lahmgelegt, die Ladung kam daher per Feederschiff in andere schwedische Häfen.

Insgesamt entwickelten sich die Europa-Containerverkehre des Hamburger Hafens mit 2 Mio. TEU (+1,6%) positiv. Weitere Länder mit deutlichem Wachstum waren mit 52.000 TEU (+62,6%) Vietnam, mit 57.500 TEU (+43,4%) Chile, mit 68.000 TEU (+22,7%) Mexiko und mit 57.000 TEU (+25,5 %) Israel.

Nordrange-Wettbewerber stärker

Vergleich Antwerpen-Rotterdam-Hamburg Januar bis September 2017

Im Vergleich mit den großen Wettbewerbern Rotterdam und Antwerpen nimmt sich das Plus beim Hamburger Containerumschlag allerdings bescheiden aus. Rotterdam legte in den ersten neun Monaten des Jahres um 10,1% zu, Antwerpen um 3,2%. Auch in diesem Fall verweisen die HHM-Vorstände auf die Tiefgangsbeschränkungen in Hamburg. Sollte die Elbvertiefung kommen, erwarten sie einen Schub für den Hafen. Es gebe durchaus Interesse auf Seiten von Unternehmen, den staugeplagten Hafen Rotterdam zu meiden, wo Binnenschiffe teilweise bis zu 92 Stunden auf eine Abfertigung warten müssten.

Mehr Großcontainerschiffe in Hamburg

Mit einer Anzahl von 167 Containerschiffsanläufen (+36,9%) der Größenklasse 14.000 bis 17.999 TEU Stellplatzkapazität und 77 Containerschiffsanläufen (+87,8%) der Größenklasse 18.000 bis 20.000+ TEU Stellplatzkapazität, nahm die Zahl besonders großer Containerschiffe im Hamburger Hafen weiter zu. Dass Großcontainerschiffe wegen der noch nicht realisierten Fahrrinnenanpassung der Elbe nicht optimal ausgelastet Hamburg anlaufen und verlassen können, verhindert nach Auffassung der beiden Vorstände ein stärkeres Wachstum. Denn Großcontainerschiffe könnten je Anlauf zusätzlich rund 1.600 Boxen zusätzlich transportieren.

Beim Massengutumschlag, der mit 34,1 Mio. t (-1,0 %) insgesamt stabil ausfiel, entwickelten sich die Importe und Exporte unterschiedlich. Auf der Importseite kam es mit 25,1 Mio. t (-2,5%) zu einem leichten Rückgang. Der mit 3,0 Mio. t (-4,9%) schwächer ausgefallene Umschlag von Sauggut und der mit insgesamt 7,4 Mio. t (-8,1%) rückläufige Umschlag von Flüssigladung sind als Ursache zu nennen. Der Bereich Greifergut behauptete mit 14,7 Mio. t (+1,1%) seine Position als das stärkste Massengutsegment.

Der Export von Massengut konnte mit insgesamt 9,0 Mio. t (+ 3,6%) erneut gesteigert werden. Der Sauggutumschlag fiel auf 3,0 Mio. t (-18,4%). Der Umschlag von Greifergut legte mit einem Ergebnis von 2,9 Mio. t um 11,8% zu und der Umschlag von Flüssigladung kletterte mit 3,2 Mio. t sogar um 26,8%. Der nicht-containerisierte Stückgutumschlag blieb in den ersten neun Monaten mit insgesamt 1,1 Mio. t (-9,4%) unter dem Vorjahresergebnis. Die schlechte Erreichbarkeit Hamburgs per Schwertransport über die Straße sei hier ein Hauptübel, so Mattern.