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Die Lage bei der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft (FSG) bleibt angespannt. Es fehlt die Baufinanzierung für weitere Fähren.

Der von der einstigen Muttergesellschaft Siem Industries vorgelegte Geschäftsbericht für 2018 gibt erstmals Einblicke in die schwierige finanzielle Situation bei der Traditionswerft in Flensburg. Allein im vergangenen Jahr summierten sich die Verluste der Werft auf –111 Mio. €. Zum Vergleich: Der Umsatz lag bei 213 Mio. €.

Wesentlicher Grund für die Verluste war die verspätete Ablieferung der »W.B. Yeats« an Irish Ferries. Vielleicht noch schlimmer wiegt, dass derzeit Geld für den Bau weiterer Projekte fehlt. Sechs Fähren stehen im Auftragsbuch, doch für drei Aufträge ist die Finanzierung nach wie vor nicht gesichert, konstatiert der Geschäftsbericht.

Der Auftragsbestand umfasste Ende 2018 sechs Schiffe im Wert von rund 860 Mio. €. Vier der Schiffe seien im vergangenen Jahr unter Vertrag genommen worden, darunter zwei Passagierfähren und zwei RoRo-Fähren. Mit der »Leevsten« war ein Neubau im März vom Stapel gelassen worden, ein zweites Schiff folgt voraussichtlich im dritten Quartal.

Alle Kraft für die »Honfleur«

Mit der »Honfleur« soll eine dritte Fähre bis Anfang 2020 fertiggestellt werden. Auch der Bau dieser Fähre liegt dem Vernehmen nach bereits ein halbes Jahr hinter dem Zeitplan zurück. Bei den restlichen drei RoPax-Schiffen verzögere sich der Baubeginn wegen der fehlenden Baufinanzierung.

Siem hatte die FSG 2014 übernommen und nach eigenen Angaben 37,5 Mio. € Eigenkapital eingebracht. Ziel sei es gewesen, die Werft als eigenständig agierendes, profitables Unternehmen aufzubauen. Dies sei nicht gelungen, bei etlichen Projekten habe es »erhebliche Kostenüberschreitungen« gegeben. Im vergangenen Jahr erfolgte daher der Teilrückzug von Siem und die Verringerung der eigenen Anteile auf 24% sowie der Einstieg des Risiko-Investors Lars Windhorst.

Windhorst übernahm 76% der Anteile für 33 Mio. €. Die FSG verfügt demnach über revolvierende Kreditlinien in Höhe von insgesamt rund 114 Mio. €. Dieses Geld wird aber gebraucht, um Konstruktionsarbeiten, Material, Mitarbeiter und Lieferanten zu bezahlen. Weitere 77,5 Mio. € stünden über Darlehen für den Bau von drei Schiffen zur Verfügung.

Warten auf Landesbürgschaften

Was fehlt, sind die in der Vergangenheit üblichen Landesbürgschaften zur Absicherung von Krediten. Kritik übt der Jahresbericht daher an der deutschen Förderpolitik. In vielen Ländern würden Kreditgeber und der Staat den Schiffbau unterstützen. Doch die Bedingungen in Deutschland seien zu streng.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) hatte darauf verwiesen, dass das Land bereits 400 Mio. € bereitgestellt hatte. Weitere staatliche Hilfen müssten an eine positive Fortführungsprognose geknüpft werden. Wenn sich die Auslieferung weiterer Schiffen verzögere, sei das nicht möglich.

Dem Vernehmen nach will die Werftleitung die Fertigungsprozesse grundlegend umarbeiten. Auch eine Verlagerung von Arbeiten nach Polen oder Litauen wird offenbar diskutiert. Außerdem laufen wohl Verhandlungen über »Anpassungen« bei den Vertragsbedingungen für die bestehenden Projekte.