Container, Bremerhaven, Terminal
Containerterminals in Bremerhaven (© Scheer)
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Die im Auftrag des Deutschen Maritime Zentraums (DMZ) angefertigte Studie »Die Rolle der maritimen Wirtschaft bei der Etablierung einer deutschen Wasserstoffwirtschaft« zeigt die großen Chancen insbesondere für die maritime Wirtschaft. Neben technischen Herausforderungen ist auch die Politik in vielerlei Hinsicht gefordert.

Das Deutsche Maritime Zentraum (DMZ) hat eine neue Studie veröffentlicht: »Die Rolle der maritimen Wirtschaft bei der Etablierung einer deutschen Wasserstoffwirtschaft«. Ziel der Studie, die das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) zusammen mit seinen Partnern Sphera Solutions sowie GMW Consultancy durchgeführt hat, war es, die Aufgaben für die maritime Wirtschaft und die öffentliche Hand zur Etablierung einer deutschen Wasserstoffwirtschaft von Produktion über Lagerung und Transport bis zum Verbraucher zu definieren.

Die Studie zeigt, dass erhebliche Anstrengungen erforderlich sind, um Wasserstoff künftig nutzen zu können. Deutschland wird seinen Bedarf an grünem Wasserstoff nicht allein decken können. Importe über Pipelines oder per Tankschiff werden notwendig sein. Für den Import spielen die deutschen Seehäfen eine zentrale Rolle beim Umschlag von Wasserstoff und seinen Nebenprodukten sowie für den Weitertransport ins Hinterland.

Die Schifffahrt wird ebenfalls als ein essenzieller Baustein der Logistikkette angesehen. Berechnungen haben ergeben, dass der Transport per Schiff im Vergleich zum Transport mittels Pipeline durchaus konkurrenzfähig ist – und mit zunehmender Transportstrecke immer mehr wird.

Damit Transport, Umschlag und Bunkerung auch in der Praxis umgesetzt werden können, müssen Politik und Administration entsprechende Regularien schaffen. Diese können auch als Leitfaden für die Industrie im Hinblick auf Entwicklungsleistungen und Investitionen dienen.

Auf Basis der genannten Ergebnisse werden in der Studie konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Wissenschaft und Technologie formuliert. Die Polisoll beispielsweise Erneuerbare Energien und Elektrolysekapazitäten ausbauen, frühzeitig Energiepartnerschaften schließen, bedarfsgerechte Importinfra- und Suprastrukturen aufbauen, einheitliche, international verbindliche Definitionen vereinbaren und Regularien für die Anwendung von Wasserstoff und PtX in Kraft setzen. Vor allem gelte es, schnell und entschlossen zu handeln, heißt es.

Häfen fordern Infrastruktur und Wasserstoff-Rechtsrahmen

Daniel Hosseus
Daniel Hosseus (© ZDS)

Im Anschluss an die Vorstellung der Studienergebnisse machte Daniel Hosseus, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), der als Projektbeirat an der Studie mitwirkte, die Bereitschaft der Hafenwirtschaft deutlich. Die Häfen würden bei der Schaffung einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland eine zentrale Rolle spielen. Der ZDS fordert daher Unterstützung »für den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur in den Häfen sowie die zügige Schaffung eines Rechtsrahmens für Umschlag, Lagerung, Nutzung und Transport von Wasserstoff und seinen Derivaten.«

Die Studienergebnisse belegten das Potenzial der deutschen Seehäfen, zu wichtigen Zentren für Produktion, Verteilung und Verbrauch von Wasserstoff und seinen Derivaten zu werden, sagte Hosseus. Bereits heute würden Energieträger aller Art über die Häfen nach Deutschland gebracht. »Im Zuge der Energiewende wird es notwendig sein, andere, klimaneutrale Energieträger zu importieren. Hierfür bieten unsere Häfen gute Voraussetzungen. Nun gilt es, sie mit weiterer Forschung, dem richtigen Rechtsrahmen und den entsprechenden Investitionen weiterzuentwickeln, damit sie eine tragende Rolle in einer deutschen Wasserstoffwirtschaft einnehmen können«, so der ZDS-Chef weiter.

Der Verband hatte bereits im Juni ein Arbeitspapier mit dem Titel »Seehäfen in der Energiewende: Wasserstoff« veröffentlicht, das einen Überblick über die Chancen und Herausforderungen für die deutschen Häfen in Bezug auf den Umschlag von Wasserstoff, seine Bereitstellung als Schiffstreibstoff, die Anwendung auf den Terminals und die Produktion von Wasserstoff im Hafengebiet gibt.

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