Energos Force, LNG, FSRU, Stade
Das FSRU-Schiff »Energos Force« auf dem Weg nach Stade

Das LNG-Terminal in Stade steht vor dem Aus. Die Betreiberfirma DET sieht keine Aussichten mehr für eine erfolgreiche Fertigstellung.

Hintergrund ist Berichten zufolge ein Streit zwischen der staatlichen Betreiberfirma Deutsche Energy Terminal (DET), die auch die anderen Importterminals für Flüssigerdgas in Wilhelmshaven und Brunsbüttel betreibt, und dem Unternehmen Hanseatic Energy Hub (HEH), das mit dem Bau der Anschlussinfrastruktur beauftragt war. [ds_preview]

Beide Seiten machen sich gegenseitige Vorwürfe und haben wechselseitig den bestehenden Vertrag gekündigt. Die DET wirft HEH vor, keinen Nachweis über die technische Fertigstellung der sogenannten Suprastruktur-Anlagen in Stade erbracht zu haben. Der Testbetrieb des bereits seit März 2024 bereitstehenden FSRU „Energos Force“ habe daher nicht beginnen können.

Seitens HEH wird das bestritten. Im Gegenteil: Die Anlage sei fertiggestellt und abgenommen. Jedoch habe man dafür bis heute keinerlei Zahlungen erhalten. Für Inbetriebnahme und Betrieb sei wiederum laut Vertrag die DET verantwortlich. Daher hat die HEH die Kündigung zurückgewiesen, aber auch selbst eine Kündigung ausgesprochen.

Aktuell laufen, so wird berichtet, noch Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der DET, um das Terminal doch noch in Betrieb zu nehmen. Ausgang offen.

Die schwimmenden LNG-Terminals waren in Rekordzeit nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und dem Stopp russischer Lieferungen installiert worden, um die Versorgung mit Erdgas sicherzustellen. Zwei Anlagen arbeiten derzeit – in Wilhelmshaven und in Brunsbüttel. Stade sollte als dritter Standort dazukommen. Der Bund hatte parallel FRSU-Kapazitäten (Floating Storage and Regasification Units) gechartert. Die Kosten belaufen sich über die zehnjährige Laufzeit auf etwa 10 Mrd. €.

Ausgelastet sind die Terminals allerdings nicht. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der DET nur etwa 65% des möglichen Volumens umgeschlagen worden. Kritik kommt daher von der Deutschen Umwelthilfe. Sie spricht von der Verschwendung eines dreistelligen Millionenbetrags für das Projekt und fordert eine Absage zum Aufbau weiterer Überkapazitäten. „In Stade zeigt sich sinnbildlich, wie das durchaus zu rechtfertigende  Notfallprogramm aus dem Ruder gelaufen ist“, hieß es in einer Mitteilung.

Die HEH baut in Stade zudem ein Landterminal für den Import von Flüssiggas (LNG), die später auf CO2-neutrale Energieträger wie Ammoniak umgestellt werden soll. Die Anlage soll den Planungen zufolge 2027 in Betrieb gehen. Dieses Vorhaben ist nach Angaben der Unternehmenssprecherin von den Problemen mit der FSRU nicht betroffen.