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Panamax-Bulker „Ligari“ (© Wägener)

Mehr als die Hälfte der weltweit abgebauten Kohle wird von China verbraucht. Der Bedarf ist trotz der reichen Rohstoffvorkommen so hoch, dass große Mengen importiert werden müssen.

Einer Analyse zufolge lässt China deutlich weniger Kohle einfahren als in den beiden vorangegangenen Jahren. Dafür gibt es mehrere Gründe. [ds_preview]

„Wir gehen davon aus, dass die Kohlelieferungen nach China im ersten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 15% zurückgehen und damit ein Dreijahrestief erreichen werden“, so Filipe Gouveia, Shipping Analysis Manager bei der Schifffahrtsorganisation Bimco. „Der Seefrachtverkehr hat sich aufgrund der schwächeren Inlandsnachfrage und der stärkeren Konkurrenz durch inländische Lieferungen und Landimporte verlangsamt. Besonders betroffen sind Thermalkohlelieferungen, aber auch die Kokskohlelieferungen sind zurückgegangen.“

Der gesamte Kohleverbrauch des seit 2023 nach Indien einwohnerreichsten Landes der Welt (1,42 Mrd. Menschen) lag zuletzt bei jährlich 5 Mrd. t, mehr als die Hälfte des weltweiten Bedarfs.

Ein Teil des Rückgangs lässt sich mit dem verstärkten Fokus auf erneuerbare Energien erklären: China baut Wind- und Solarstrom massiv aus, was zu einem Rückgang der Kohleverstromung um 6% geführt hat. Gleichzeitig sank die gesamte Stromerzeugung aufgrund eines ungewöhnlich warmen Winters um 1% gegenüber 2023, was den Anteil erneuerbarer Energien im Verhältnis weiter erhöht. Die Nachfrage nach Kokskohle sank aufgrund eines Rückgangs der Stahlproduktion ebenfalls um 1%.

Chinas fördert mehr eigene Kohle

Die sinkenden Importe sind weiterhin darauf zurückzuführen, dass China den nationalen Bergbau wieder deutlich ausgebaut hat. 2024 wurde im Vorjahresvergleich 8% mehr Kohle aus inländischen Minen gefördert, nachdem zuvor Sicherheitsprobleme zu einem Rückgang geführt hatten. Importe per Bahn, besonders aus der benachbarten Mongolei, nahmen ebenfalls weiter zu, was die Nachfrage nach Seefracht schwächte.

„Die Nachfrage hat sich schätzungsweise noch schlechter entwickelt als die Mengen und sank im ersten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 25%“, so Gouveia. „Die durchschnittlichen Transportdistanzen haben sich aufgrund geringerer Mengen aus Kolumbien und kürzerer Entfernungen für russische Ladungen verkürzt.“

Die meisten Kohleladungen nach China kommen aus Nachbarländern wie Indonesien, Australien und Russland. In diesem Jahr entfielen laut Angaben der Bimco bisher 57%, 16% bzw. 14% der Mengen auf diese Länder. Während die USA, Kanada und Kolumbien nur 6% der Mengen beisteuerten, deckten sie immer noch 17 % der Nachfrage.

Panamax für Kohle am beliebtesten

Von den größeren Exporteuren schnitt Indonesien mit einem Mengenrückgang von nur 11% im Vergleich zum Vorjahr am besten ab. Auch die nordamerikanischen Transporte entwickelten sich gut. Die kanadischen Frachten stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 42%, während die US-Frachten nur um 10% zurückgingen – und dies trotz der seit dem 4. Februar geltenden Erhöhung der chinesischen Importzölle.

Das Panamax-Segment war für den Kohletransport nach China am beliebtesten und machte 57% der bisherigen Jahrestransporte aus. Trotz schwächerer Fracht stiegen die Panamax-Volumina im Vergleich zum Vorjahr um 1% und verdrängten die anderen Segmente, was teilweise auf vergleichsweise niedrigere Frachtraten zurückzuführen ist.

„Die Aussichten für Kohletransporte nach China erscheinen verhalten“, erklärte Gouveia weiter. „Die Importnachfrage könnte niedrig bleiben, da das Land die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, den heimischen Bergbau und die Bahnverbindungen mit der Mongolei und Russland ausbaut. Dennoch könnte es aufgrund des erhöhten Stromverbrauchs bei extremen Temperaturen oder in Zeiten geringerer Produktion aus erneuerbaren Energien weiterhin zu Nachfragespitzen kommen.“