„Der maritimen Zuliefererbranche geht es exzellent“


Der VDMA hat Jahresbilanz für seine Sparte Marine Equipment and Systems vorgestellt. In ihren einleitenden Worten berichtete Geschäftsführerin VDMA Nord / AG Marine Equipment and Systems, Katrin Caldwell, dass es dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau insgesamt nicht gut gehe und die Wachstumsprognose auf 0 % korrigiert worden sei.
Die im VDMA zusammengeschlossenen Branchensparten entwickelten sich jedoch unterschiedlich. Denn die maritimen Zulieferer haben volle Auftragsbücher und blicken auch auf die kommenden Monate positiv. VDMA-Vorstandskollege und Geschäftsführer von SKF Marine, Martin Johannsmann, brachte die aktuelle Situation auf den Punkt: „Der Branche geht es excellent“. Die Reeder verdienten momentan gutes Geld, die Frachtraten seien auf einem gesunden Niveau. Das führe dazu, dass sowohl in Neubauten als auch in die bestehende Flotte investiert werde.
In der Vergangenheit war es in der Regel so, dass nur ein Schiffssegment besonders positiv hervorstach. In diesem Jahr würden Yachten, Kreuzfahrtschiffe und Marineschiffe gleichermaßen „gut ziehen“, so Johannsmann. Grund hierfür sei, dass die deutsche Zulieferbranche „ihre Hausaufgaben“ gemacht habe. Sie habe in den vergangenen Jahren sowohl in die Produktionsstätten als auch in die Entwicklung neuer Produkte investiert, die sie weltweit vertreibe. „Wenn Sie über die SMM gehen, werden Sie es sehen“, sagte Johannsmann mit Blick auf die im September stattfindende Messe.
Branche 5,2 % im Plus

Für 2025 verzeichnete die maritime Zulieferindustrie, die eine Exportquote von rund 80 % aufweist, ein durchschnittliches Umsatzplus von 5,2 %. Auch die Aussichten bleiben dem Verband zufolge erfreulich. Rund 90 % der befragten Unternehmen bewerten die mittelfristige Marktentwicklung positiv oder rechnen mit stabilen Ergebnissen. „Nach vier Wachstumsjahren ist auch eine gleichbleibende Erwartung als sehr gutes Signal zu werten“, sagte der Vorstandsvorsitzende.
Starkes After-Sales-Geschäft
Der After-Sales-Anteil erreichte im vergangenen Jahr einen Anteil von 25 % am Umsatz. Dieses Niveau unterstreiche die Bedeutung von Service- und Wartungsleistungen für den Gesamterfolg der Unternehmen und hebe die langfristige Zusammenarbeit mit den Auftraggebern der internationalen Schifffahrt hervor, so der Verband.
Solides Wachstum bei den Arbeitsplätzen
Mit 65.000 Beschäftigten (Stand: Juni 2026) verzeichnet die Branche laut VDMA ein leichtes Plus von 0,4 % gegenüber dem Vorjahr. Damit liege die Steigerung zwar unter dem Umsatzwachstum, zeige jedoch eine positive Entwicklung und spiegele gleichzeitig die erreichten Produktivitätszuwächse wider.
Auftragseingang bleibt hoch
Beim Auftragseingang blickt der VDMA auf ein Wachstum von 4,6 % gegenüber dem Vorjahr. „Für das laufende Jahr zeichnet sich laut Einschätzung der teilnehmenden Unternehmen ein konstanter oder zunehmender Auftragseingang ab“, teilte Sebastian Meise, VDMA-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer von Vulkan Kupplungs- und Getriebebau, mit.
Strategische Schwerpunkte der Branche
Um die starke Position auf dem Weltmarkt zu festigen und auszubauen, setzen die Mitglieder von VDMA Marine Equipment and Systems auf mehrere strategische Schwerpunkte.
Einer davon ist die zuverlässige Zusammenarbeit innerhalb der europäischen maritimen Wirtschaft, da fast 50 % des Umsatzes mit Kunden und Partnern in Europa erzielt werden.
Da rund 60 % aller Schiffe in China gebaut werden, erwartet der VDMA faire Wettbewerbsbedingungen in diesem wichtigen Markt. Von der Politik fordert die Branche ein entschlosseneres Vorgehen gegen Wettbewerbsverzerrungen wie Subventionen und staatlich vorgegebene Local-Content-Vorgaben. Um die Abhängigkeit von einzelnen Ländern zu verringern, sei für die Unternehmen zudem der Blick auf weitere Märkte wichtig. Südkorea steht an zweiter und Japan an dritter Stelle der Schiffbaunationen. Darüber hinaus wachsen auch andere asiatische Märkte, beispielsweise Indien, was zur Diversifizierung beiträgt.
Der geopolitischen Lage geschuldet investiert Deutschland derzeit stark in den Auf- und Ausbau seiner Verteidigungsfähigkeit. Der sogenannte „Kurs Marine 2035“ bilde die steigenden Bedarfe der Marine ab. Im Marinesegment erwartet der VDMA deshalb deutliche Zuwächse in den kommenden Jahren.
Auch Deutschland müsse seine Hausaufgaben machen und die Standortbedingungen verbessern, um als Zuliefererindustrie wettbewerbsfähig zu bleiben. Hier seien Reformen dringend notwendig. Der Standort Deutschland habe ein erhebliches Kostenproblem, insbesondere bei Personal, Energie und Steuern. Darüber hinaus entstünden erhebliche Belastungen durch die Vielzahl an Regularien auf EU- wie auch auf nationaler Ebene.
Gerade was die Bürokratie und die Berichtspflichten anbelange, nehme dies Auswüchse an und gehe über das hinaus, was erträglich sei, sagte Martin Johannsmann mit Blick auf die aktuellen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das angekündigte Reformpaket der Bundesregierung gehe zwar in die richtige Richtung, sei aber „ein Kompromiss vom Kompromiss“. Es gebe hier noch viel zu tun, um Deutschland als Investitionsstandort attraktiv zu machen.

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