Peter Gast Schiffahrtsregatta trotzt den Sturmböen

Über 100 Yachten segelten am vergangenen Wochenende von Schleimmünde nach Dänemark. Frischer Westwind mit Böen von bis zu 22 kn sorgte dabei für eine schnelle Reise und anspruchsvolle Manöver auf der Ostsee.
Segelyacht „Bounty“
Die Ketsch „Bounty“ wurde Sieger der Yardstick-Wertung bei der Peter Gast Schiffahrtsregatta 2026 (© Hinrich Franck)

Das Rennen von Schleimünde bis nach Ærøskøbing wurde in diesem Jahr von beeindruckenden Bildern und sportlichem Segeln geprägt. „First Ship Home“ wurde die 86 Fuß große „Uca“ mit Skipper Gunnar Knierim, die das Rennen in drei Stunden und drei Minuten absolvierte. Die ORC-Wertung gewann Tobias Brinkmann mit der Pogo RC „MarieJo“, Sieger der Yardstick-Wertung wurde Michael „Schmiddl“ Schmidt mit seiner klassischen Ketsch „Bounty“. Von 103 gestarteten Yachten gingen 101 über die Ziellinie.

„Trotz der herausfordernden Witterungsbedingungen sind alle Crews gut über die Bahn gekommen“, sagt Dieter Gast, Geschäftsführer von Peter Gast Shipping. „Wir freuen uns sehr, dass alle die diesjährige Regatta, bei der zeitweise ordentlich Adrenalin im Spiel war, sicher und erfolgreich bewältigt haben.“

„Wer am Samstag nach der Regatta in Ærøskøbing an Land kam, hatte entweder ein begeistertes Grinsen im Gesicht oder war einfach nur froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben“, ergänzte Co-Geschäftsführer Christian Gast.

Bei ihrer Einfahrt in den Hafen wurden die einlaufenden Yachten von zahlreichen Zuschauern lauthals begrüßt. „Selten haben die Teilnehmenden das Einlaufbier so genossen wie in diesem Jahr“, berichtet Alexander Gast, Cheforganisator von Peter Gast Shipping. „Für unsere Gäste, die zum ersten Mal bei einer Regatta dabei waren, war die diesjährige Regatta ein aufregender, sportlicher Einstieg in die Welt des Segelsports.“

Anspruchsvolle Bedingungen auf der Ostsee

Die Schlepper-Reederei Fairplay stellte wieder das Startschiff, in diesem Jahr den Schlepper „Fairplay 55“. Das Schiff erwies sich mit seiner Höhe und der entsprechend guten Übersicht erneut als hervorragender Arbeitsplatz für die Wettfahrtleitung um Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein vom Norddeutschen Regatta Verein.

Nach einer kurzen Startkreuz und einem Kurs über verschiedene Himmelsrichtungen um feste Seezeichen bogen die Yachten bei Skjoldnæs auf einen Vorwindkurs ab. Farbenfrohe Spinnaker und Gennaker wurden gesetzt, jedoch keineswegs von allen Seglern. Etliche Skipper zogen es vor, angesichts düsterer Wolken sowohl Mensch als auch Material zu schonen. Die aufkommende Welle forderte volle Konzentration von den Crews und eine sorgfältige Vorbereitung der Halsen.

Segelyacht „MarieJo“
Die „MarieJo“ gewann die ORC-Wertung der Regatta (© Hinrich Franck)

„Wir sind bei 15 Knoten Wind gestartet, danach nahm der Wind stetig zu, dazu kamen immer wieder Regenschauer“, so Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein. „Auf dem Vorwindkurs briste der Wind auf 22 Knoten auf, in Böen auch mehr. Bei kräftiger Welle entwickelte sich typisches ‚Sonnenschusswetter‘, so dass die Regatta zum Ziel den Gästen ‚Abenteuer pur‘ bot.“

Internationales Teilnehmerfeld

Ein Blick auf die Teilnehmerliste im eigens für die Regatta produzierten Begleitheft, wo alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgeführt sind, macht deutlich: Die Schiffahrtsregatta wird zunehmend internationaler.

„Die Schiffahrtsregatta hat sich in ihrem über 40-jährigen Bestehen von einer ursprünglich regionalen Veranstaltung zu einem international bekannten Branchentreff entwickelt“, sagt Christian Gast. „Die weiteste Anreise hatte Henry Zhang von C-LNG aus Shanghai, der mehr als 10.000 Kilometer zurückgelegt hat, um dabei zu sein“, ergänzt Alexander Gast. „Neben China hatten wir Gäste aus Singapur, der Türkei, Belgien, den Niederlanden und Polen.“

Gleichzeitig ist die Veranstaltung über die Jahre zu einem wichtigen Netzwerk-Treffpunkt geworden – ein Konzept, das inzwischen auch von anderen Branchen aufgegriffen wurde. „Als mein Vater die Regatta mit einigen Freunden aus der Schifffahrt spontan ins Leben rief, waren die Globalisierung und die schnelle Taktung infolge der Digitalisierung noch nicht so weit fortgeschritten“, sagt Dieter Gast. „In Zeiten von schneller Mailkommunikation, Automatisierungen, KI und Video-Konferenzen ist es umso wichtiger, dass Menschen sich treffen, zusammenkommen, kennenlernen und austauschen. Der persönliche Kontakt ist nach wie vor eine wichtige Geschäftsgrundlage.“

Vom Ölzeug ins Festzelt

Nach dem fröhlichen Get-together im Hafen tauschten die Teilnehmenden nasses Ölzeug und Seestiefel gegen maritime Party-Outfits. Die herbstlichen Temperaturen machten den freundlichen Hinweis im Programmheft „no shorts please“ überflüssig. Angeführt von einem traditionellen Spielmannszug ging es anschließend auf einen Rundgang durch die malerischen Gassen des kleinen Städtchens bis ins große Festzelt am Hafen. Dort fanden die Siegerehrung und die anschließende Party statt.

„Es ist toll zu sehen, wie sehr sich die Kommune Ærø auf die jährliche Regatta mit fast 1.000 teilnehmenden Personen freut“, sagt Alexander Gast. „Viele Häuser waren mit Wimpeln und Dannebrog-Flaggen geschmückt – ein herzlicher Empfang, der die jahrzehntelange Verbindung zwischen der aus einer Wette entstandenen Regatta und der Kommune Ærø unterstreicht.“

Die abendliche Preisverleihung wurde von Olympionikin Sanni Beucke zusammen mit Alexander Gast moderiert. Die erfolgreiche Seglerin nahm zum ersten Mal an der Schiffahrtsregatta teil und segelte auf dem Klassiker „Peter von Seestermühe“ mit Skipper Christoph von Reibnitz.

v.l.: Annelis Baagø (Kommune Ærø), Dieter Gast (Peter Gast Shipping), Peter Hansted (Kommune Ærø) und Christian Gast (Peter Gast Shipping)
v.l.: Annelis Baagø (Kommune Ærø), Dieter Gast (Peter Gast Shipping), Peter Hansted (Kommune Ærø) und Christian Gast (Peter Gast Shipping) (© Hinrich Franck)

„Bounty“ fuhr der Konkurrenz davon

Rasmus Stute, Maritime Area Business Development Manager Deutschland bei DNV, einer der Hauptsponsoren der Peter Gast Schiffahrtsregatta, übergab den Yardstick-Overall-Preis an Michael „Schmiddl“ Schmidt. Mit seiner klassischen Ketsch „Bounty“ ließ er damit nicht nur die Konkurrenten der Klassiker-Wertung hinter sich.

Auch der zweite Platz der Yardstick-Wertung ging mit der „Peter von Seestermühe“ an eine klassische Yacht, die zugleich den zweiten Platz in der Klassiker-Wertung belegte. Auf den dritten Platz der Yardstick-Wertung kam Thorsten Studemund mit der Jeanneau 53 „Norsche“.

Die Preise der ORC-Gesamtwertung übergab Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang. Den ersten Platz sicherte sich Tobias Brinkmann mit der Pogo RC „MarieJo“, auf der er zusammen mit seinem Vater Berthold, Martin Bock und Segelsportautor Svante Domizlaff segelte. Auf dem zweiten Rang folgte die Carkeek 47 „Störtebeker“ mit Skipper Torben Mühlbach vor der Crest 901 „Frau Antje“ mit Holger Jacobs. Nach einer langen Partynacht, bei der zu den Klängen der Band Max & Friends ausgiebig getanzt wurde, bot sich den Teilnehmern am nächsten Morgen ein besonderer Anblick: Das Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ von Hapag-Lloyd ankerte vor dem Hafen.

Die sportliche Durchführung der Schiffahrtsregatta wird von den drei Vereinen Kieler Yacht-Club, Norddeutscher Regatta Verein und Segel-Verein Altona-Oevelgönne ermöglicht. Während ein gemeinsames Team des NRV und des Kieler Yacht-Clubs die Starts organisiert, überwachte die SVAOe die Zieldurchgänge und errechnete die Ergebnisse nach den Handicap-Formeln Yardstick bzw. ORC.

Alle Ergebnisse der 43. Peter Gast Schiffahrtsregatta werden auf schiffahrtsregatta.de veröffentlicht. Einen umfassenden Nachbericht finden Sie außerdem in der kommenden Oktober-Ausgabe der HANSA.

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