Bremer Kapitänstag stellt Logistik und Verteidigung in den Mittelpunkt

Rund 300 Gäste aus der Branche besuchten den Bremer Kapitänstag. Im Fokus standen die wachsende Bedeutung der Seehäfen und der zivilen Logistik für Versorgung und Verteidigungsfähigkeit.
Eine Gruppe von Personen auf dem Bremer Kapitänstag
(v.l.) Stefan Meyer (BHV-Vorstandsmitglied), Carsten Wendt (BHV-Vorstandsmitglied), Stefan Schultze (BHV-Vorstandsmitglied), Eduard Dubbers-Albrecht (Sprecher des BHV-Präsidiums), Generalmajor Jochen Deuer (Kommandeur Logistikkommando der Bundeswehr und General Bundeswehr Logistik), Jens Juknischke (BHV-Vorstandsmitglied), Senatorin Kristina Vogt (Die Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation), Patrick Rehberg (BHV-Vorstandsmitglied), Hafenkapitän Stephan Berger (Amtsleiter der Port Authority Bremen/Hansestadt Bremisches Hafenamt), Hans-Joachim Schnitger (BHV-Ehrenpräsident), Petra Lüdeke (BHV-Geschäftsführerin) (© M. Bahlo)

Bereits zum 59. Mal hat die BHV – Bremische Hafen- und Logistikvertretung – im Auftrag des Bremer Senats zum Kapitänstag eingeladen. Die BHV repräsentiert als Wirtschafts- und Interessenverband rund 220 überwiegend mittelständische Mitgliedsunternehmen aus der Logistik-, Hafen- und Transportwirtschaft im Großraum Bremen und Bremerhaven. Eduard Dubbers-Albrecht, Sprecher des Präsidiums der BHV, begrüßte die rund 300 Gäste aus Schifffahrt, Hafen- und Logistikwirtschaft, Politik und Verbänden.

„Die aktuelle Lage zeigt, wie wichtig leistungsfähige Häfen und funktionierende Logistikketten für unser Land sind“, sagte er. „Die Hafen- und Logistikwirtschaft kann hier einen konkreten Beitrag leisten. Dafür brauchen wir einen engen und frühzeitigen Austausch zwischen Wirtschaft, Politik, Bundeswehr und öffentlicher Hand.“

Die besondere Rolle Deutschlands

 Generalmajor Jochen Deuer, Kommandeur Logistikkommando der Bundeswehr und General Bundeswehr Logistik, machte in seiner Festrede deutlich: „Logistik ist keine nachgelagerte Unterstützungsleistung. Sie ist eine strategische Voraussetzung militärischer Handlungsfähigkeit.“ Deutschland komme aufgrund seiner geografischen Lage eine besondere Rolle als Transitnation und logistische Drehscheibe der Allianz zu.

Im Bündnisfall müsse Deutschland in der Lage sein, innerhalb von sechs Monaten bis zu 800.000 alliierte Soldatinnen und Soldaten sowie rund 200.000 Fahrzeuge bei Aufenthalt und Transit zu unterstützen. Diese Aufgabe könne die Bundeswehr nicht allein bewältigen. Benötigt würden auch die Fähigkeiten der zivilen Wirtschaft – unter anderem bei Transport, Umschlag, Lagerung, Instandhaltung, Energie, IT, Infrastruktur und Personal.

Eine Schlüsselrolle komme dabei den Seehäfen zu. Sie verbinden See, Schiene und Straße und bündeln Umschlag, Lagerung, Verkehrssteuerung, Energie und hochqualifizierte Arbeit. „Wirtschaftliche Resilienz und Verteidigungsfähigkeit sind hier keine Gegensätze“, erklärte Deuer mit Blick auf Bremerhaven. „Leistungsfähige Infrastruktur stärkt beides.“

1,35 Mrd. € für den Ausbau

Für den Ausbau einer leistungsfähigen, auch militärisch nutzbaren Hafeninfrastruktur und Suprastruktur in Bremerhaven sind nach den Ausführungen Deuers rund 1,35 Mrd. € vorgesehen. Bremerhaven soll damit als maritimer Logistik-Hub weiter gestärkt werden – für die Wirtschaft ebenso wie für die Anforderungen der NATO und des Operationsplans Deutschland. Deuer mahnte zugleich, notwendige Infrastruktur rechtzeitig zu schaffen: Wer Kapazitäten erst aufbaue, wenn sie dringend gebraucht würden, schaffe sie zu spät. 

Bremens Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, Kristina Vogt, stellte die sicherheitspolitischen Anforderungen in den Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der bremischen Häfen. Die Häfen seien ein zentraler Umschlagplatz für die zivile Wirtschaft und zugleich von großer Bedeutung für die Verlegung und Versorgung deutscher und alliierter Streitkräfte. 

In diesem Zusammenhang machte Vogt zugleich deutlich, dass die Verantwortung des Bundes für die deutschen Seehäfen nicht auf sicherheitspolitisch relevante Investitionen beschränkt bleiben dürfe. „Deshalb sind leistungsfähige Seehäfen eben auch eine nationale Aufgabe.“ Von funktionierenden Häfen profitierten Industrie und Handel in ganz Deutschland. 

„Handelsschiffe sind keine Kriegsschiffe“

Die Perspektive der Menschen auf See stellte Bremens Hafenkapitän Stephan Berger in den Mittelpunkt seiner Kapitänsrede. Dabei griff er das diesjährige Motto des International Day of the Seafarer „Carrying world trade. Carrying the risks.“ auf: Seeleute tragen den Welthandel – und zugleich dessen Risiken. Diese Risiken hätten durch die geopolitische Lage eine neue Dimension erreicht. Im Schwarzen Meer, im Roten Meer und in der Straße von Hormus gerieten zivile Handelsschiffe in militärische Konflikte. Berger formulierte dazu drei klare Grundsätze: „Handelsschiffe sind keine Kriegsschiffe“, sagte er. „Seeleute sind Zivilisten. Sie dürfen weder zu Zielen noch zu Geiseln oder zur Verhandlungsmasse geopolitischer Konflikte gemacht werden.“

Zugleich forderte Berger, die maritime Kompetenz in Deutschland zu sichern. „Wenn Versorgung und Verteidigungsfähigkeit vom Seetransport abhängen, ist nautische Kompetenz keine beliebig austauschbare Ressource.“ Deutschland brauche genügend eigene, gut ausgebildete Seeleute, um auch in Krisen handlungs- und urteilsfähig zu bleiben.

Fast 27.000 € an Spenden

Auch in diesem Jahr wurde beim Kapitänstag für die Bremer Seemannsmission und das Hafenmuseum Bremen gesammelt. Die Seemannsmission bietet Seeleuten in den bremischen Häfen praktische Hilfe, einen sicheren Ort und für einige Stunden Normalität. Das Hafenmuseum bewahrt und vermittelt die Geschichte der Häfen und der Menschen, die dort und auf See arbeiten. 

„Die eine Einrichtung hilft den Menschen, die heute zu uns kommen. Die andere sorgt dafür, dass ihre Arbeit und ihre Geschichte morgen noch sichtbar sind“, sagte Berger.

Insgesamt kamen beim 59. Bremer Kapitänstag Spenden in Höhe von 26.855 € für die Bremer Seemannsmission und das Hafenmuseum Bremen zusammen.

Kapitäne auf dem Bremer Kapitänstag
© M. Bahlo

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