Frontier-Analyse: Indexierung kann Offshore-Projekte um Milliarden entlasten

Für die Offshore-Wind-Ausschreibungen im Jahr 2027 soll eine Indexierung die Kosten um bis zu 440 Mio. € je ausgeschriebenem Gigawatt (GW) senken können. Das zumindest ist das Ergebnis einer neuen Kurzanalyse von Frontier Economics.
Stefan Thimm, BWO, Bundesverband Windenergie Offshore
Stefan Thimm (© BWO)

Für die 4 GW der für 2027 geplanten Ausschreibungen ergebe sich damit ein mögliches Kostensenkungspotenzial von bis zu rund zwei Milliarden Euro über die Betriebszeit der Projekte, heißt es in einem Statement des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO), der die Analyse in Auftrag gegeben hatte. Bis 2030 sind demnach bei einem Ausschreibungsvolumen von 9 GW Offshore-Wind Kostensenkungen von bis zu 4,4 Mrd. € möglich. Der Verband fordert, den Indexierungs-Prüfauftrag der Bundesregierung im parlamentarischen Verfahren in eine konkrete Regelung zu überführen.

Die Indexierung der Strike-Preise für die nächsten Offshore-Wind-Ausschreibungen mit Contract for Difference (CfD) in Deutschland führt zu deutlich geringeren Projektkosten, so die Analyse von Frontier Economics.

Der am 2. September vom Bundeskabinett verabschiedete Entwurf zur Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) sieht die Einführung von Contracts for Difference (CfD) für Offshore-Wind vor, bislang jedoch ohne Indexierung der Strike-Preise. Gleichzeitig prüft die Bundesregierung eine Indexierung für die Planungs- und Bauphase.

„Die Analyse zeigt, welchen wirtschaftlichen Hebel eine wirksame Indexierung hat. Mit diesem Werkzeug erhöhen wir spürbar die Realisierung von Offshore-Windparks, schaffen Planungssicherheit für die Wertschöpfungskette und machen den deutschen Offshore-Wind-Markt attraktiv für Investoren. Der Prüfauftrag der Bundesregierung muss im parlamentarischen Verfahren in eine konkrete Regelung münden“, sagte BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm bei der Vorstellung der Analyse.

Nach den Berechnungen von Frontier Economics könnten die gewichteten Kapitalkosten eines Offshore-Windprojekts durch eine Indexierung um 0,32 bis 0,64 Prozentpunkte sinken. Daraus ergibt sich in der Modellrechnung eine Reduktion der Stromgestehungskosten um rund 2,2 bis 4,3 Euro je Megawattstunde. Die Berechnung basiert auf der Annahme, dass die Indexierung Kostenrisiken reduziert und dadurch Risikoaufschläge bei Eigen- und Fremdkapital sinken.

Aber: Die von Frontier Economics ausgewiesenen bis zu 4,4 Milliarden Euro beziehen sich auf mögliche Kostensenkungen bei den bis 2030 auszuschreibenden Offshore-Windprojekten über deren Betriebszeit. Sie sind keine unmittelbare Einsparung für den Bundeshaushalt. Die Analyse berücksichtigt nicht die Kosten einer möglichen Risikoübernahme durch den Staat. Frontier Economics weist zugleich darauf hin, dass diese aufgrund der günstigeren Finanzierungsmöglichkeiten des Staates geringer ausfallen könnten als die entsprechenden Kosten für die Projektentwickler.

Mit dem im Gesetzentwurf vorgesehenen Zwei-Stufen-Modell würde Deutschland beim Ausschreibungsdesign im europäischen Vergleich einen Sonderweg gehen. Im europäischen Ausland kommen bereits CfD-only-Modelle mit unterschiedlichen Formen der Indexierung zum Einsatz. Der BWO spricht sich deshalb für ein CfD-Only-Modell mit indexierten Strike-Preisen aus. Die Indexierung soll die Kostenrisiken zwischen Ausschreibung und Inbetriebnahme sachgerecht abbilden und damit die Investitionsbedingungen für den deutschen Offshore-Windmarkt im internationalen Wettbewerb verbessern.

Bleiben Sie mit WhatsApp immer auf dem Laufenden!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal und erhalten Sie eine Auswahl unseres umfangreichen Nachrichten-Angebots direkt auf Ihr Smartphone. Scannen Sie einfach den QR-Code mit Ihrem Handy oder klicken Sie – falls Sie bereits mobil unterwegs sind – auf diesen Link.
Verwandte Themen
Weitere Themen
Daily & Breaking News

Wir liefern werktäglich aktuelle Schlagzeilen und Updates.