Boskalis behauptet sich in schwierigem Umfeld

Trotz verhaltener Investitionsbereitschaft auf Kundenseite konnte die Reederei Boskalis im ersten Halbjahr 2026 ein gutes Ergebnis erzielen. Der Auftragsbestand ist weiterhin solide.
Boskalis-Kabelleger in einem Offshore-Windpark
© Boskalis

Die niederländische Reederei Royal Boskalis erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 1,9 Mrd. €. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stellt dies einen starken Rückgang dar: 2025 hatte Boskalis einen Umsatz von 2,35 Mrd. € verzeichnet. Die Reederei merkte jedoch an, dass dieses Ergebnis „außergewöhnlich stark“ gewesen sei.

Das Geschäftsumfeld war in den letzten Monaten stark von geopolitischer Unsicherheit geprägt. In mehreren Regionen zeigten sich die Kunden außerdem eher verhalten, was die Investitionsbereitschaft in neue Projekte betrifft.

Im Segment „Dredging & Inland Infra“ stammten die wesentlichen Beiträge aus einer breiten Palette von Projekten im Fernen Osten, Küstenschutzmaßnahmen in Afrika, mehreren Großprojekten in Westeuropa sowie einem umfangreichen Tätigkeitsportfolio auf dem niederländischen Heimatmarkt. Die Gesamtleistung wurde durch eine geringere Auslastung der Baggerflotte beeinträchtigt, was vor allem auf Störungen im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten sowie auf Verzögerungen bei der Vergabe neuer Projekte zurückzuführen war.

Der Geschäftsbereich „Offshore Energy“ leistete laut Boskalis einen „starken Beitrag“, getragen von einer erfolgreichen Projektabwicklung und positiven Ergebnissen bei einer Reihe von Großprojekten, darunter Offshore-Windkraftprojekte. Auch der Bereich „Marine Services“ verzeichnete ein starkes Halbjahr mit zahlreichen beeindruckenden Transportaufträgen.

Der Bereich „Towage & Salvage“ erlebte ein eher ruhiges Halbjahr; dies spiegle sich vor allem die geringe Aktivität im Bergungsgeschäft wider, wo nur eine begrenzte Anzahl von Notfalleinsätzen zu verzeichnen war.

Auftragsbestand ging nur leicht zurück

Das EBITDA belief sich auf 553 Mio. € und ging damit zurück; im Jahr 2025 hatte es noch bei 748 Mio. € gelegen. Der Nettogewinn war dementsprechend ebenfalls rückläufig: Von 426 Mio. € im Vorjahreszeitraum lag er nun bei 275 Mio. €. Der Auftragsbestand ging nur leicht zurück; von 7 Mrd. € zum Ende des Jahres 2025 auf inzwischen 6,8 Mrd. €. Auch wenn dieser Wert leicht unter dem Niveau zum Jahresende 2025 lag, bilde der Auftragsbestand laut Boskalis eine solide Grundlage für den weiteren Verlauf des Jahres 2026.

„Das erste Halbjahr 2026 war von anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten geprägt, insbesondere im Nahen Osten“, kommentierte CEO Theo Baartmans. „Trotz dieser herausfordernden Umstände haben wir ein solides Ergebnis erzielt, getragen von einer starken operativen Leistung sowie dem Engagement und der Fachkompetenz unserer weltweit mehr als 11.000 Mitarbeitenden.“

Die Aktitäten sowohl im Offshore-Wind- als auch im Öl- und Gasmarkt hätten laut Baartmans zu „hervorragenden Projektergebnissen“ geführt; zudem trugen verschiedene Dienstleistungen in den Bereichen Transport, Kabelverlegung und maritime Services zur Performance des Geschäftsbereichs bei.

„Im Geschäftsbereich Dredging & Inland Infra gestalteten sich die Marktbedingungen schwieriger“, so der CEO. „Das Aktivitätsniveau in Asien und im Nahen Osten blieb hinter den Erwartungen zurück, was sich negativ auf die Flottenauslastung auswirkte. Dennoch konnten wir uns attraktive neue Projekte sichern, darunter das Großprojekt zur Hafenerweiterung in Luleå (Schweden) sowie die Verlängerung langfristiger Verträge im Vereinigten Königreich.“

Im Heimatmarkt der Reederei – den Niederlanden – sieht der CEO weiterhin attraktive Chancen, die sich aus dem Bedarf an Klimaanpassung, Hochwasserschutz und der Erneuerung kritischer Infrastruktur ergeben. Baartmans merkte jedoch an, dass die Finanzierung solcher Projekte schwieriger geworden sei. „Wir haben bei Projekten wie ‚Meanderende Maas‘, ‚Markermeerdijken‘ und der Verbreiterung der Autobahn A2 große Fortschritte erzielt und damit zur Sicherheit und Erreichbarkeit der Niederlande beigetragen“, sagte er.

„Trotz unserer soliden Leistung verdeutlichen der Ergebnisrückgang und die geringere Flottenauslastung, dass Boskalis nicht immun gegen die Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen ist“, so der CEO abschließend. „Auch mit Blick auf die Zukunft wird die Bereitschaft von Regierungen und privaten Auftraggebern, sich auf neue Infrastrukturinvestitionen festzulegen, weiterhin durch makroökonomische Unsicherheiten beeinträchtigt. Angesichts der laufenden Projekte und des Auftragsbestands blicken wir jedoch zuversichtlich auf den weiteren Jahresverlauf und erwarten – vorbehaltlich unvorhergesehener Ereignisse – ein stabiles EBITDA-Niveau im Vergleich zum ersten Halbjahr 2026.“

Die Reederei blickt verhalten optimistisch auf die kommenden Monate. Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen dürften sich weiterhin auf die Marktbedingungen und Investitionsentscheidungen in mehreren Regionen auswirken. Dies zeige sich laut Boskalis insbesondere in Teilen des Baggermarktes und bestimmten Offshore-Dienstleistungsaktivitäten. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen weiterhin von starken Positionen in den Märkten Offshore-Energie, Meeresinfrastruktur und Klimaanpassung.

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