Kolumbiens Segelschulschiff „Gloria“ in Hamburg – Kooperation mit F.Laeisz

Mehr als ein repräsentativer Austausch: Anlässlich eines Besuchs in Hamburg etabliert sich das kolumbianische Segelschulschiff ARC „Gloria“ als Plattform für die Marine- und Wirtschaftsdiplomatie.
Hoher Besuch an Bord des kolumbianischen Segelschulschiffs „Gloria“ in Hamburg (© Botschaft von Kolumbien in Deutschland)

Im Rahmen seiner Ausbildungskreuzfahrt 2026 legte das Schulschiff ARC „Gloria“, Kolumbiens schwimmender Botschafter auf den Weltmeeren, vor wenigen Tagen an der Überseebrücke im Stadtteil HafenCity an, bevor es in Richtung Le Havre in Frankreich auslief.

Dem Aufenthalt der „Gloria“ in Hamburg kam angesichts der engen bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern eine strategische Bedeutung zu. Deutschland konsolidiert derzeit seine Rolle als strategischer Partner Kolumbiens in der Europäischen Union, gestützt auf eine wachsende wirtschaftliche und akademische Präsenz in Kolumbien, während Kolumbien für Deutschland einen strategischen Partner in den Bereichen Handel, Wissenschaft, Sicherheitskooperation und Arbeitskräftemobilität darstellt.

Das kolumbianische Segelschulschiff „Gloria“ zu Besuch in Hamburg (© Botschaft von Kolumbien in Deutschland)

Über einen rein repräsentativen Besuch hinausgehend bot der Besuch der ARC „Gloria“ in Hamburg einen Rahmen für strategische Treffen zwischen Vertretern von Hafenbehörden, Logistikunternehmen, Reedereien, maritimen Institutionen und wirtschaftlichen Führungskräften beider Länder.

An Bord der „Gloria“ wurde das Kooperationsabkommens zwischen der kolumbianischen Marinekadettenschule -Escuela Naval de Cadetes- „Almirante Padilla“ und der traditionsreichen Hamburger Reederei F. Laeisz unterschrieben. Diese Vereinbarung zielt auf zusätzliche Möglichkeiten für praktische Ausbildung und internationale Seereisen für die zukünftigen Offiziere der kolumbianischen Handelsmarine in der weltweiten Flotte der Reederei.

Die feierliche Unterzeichnung der Vereinbarung fand auf der „Gloria“ im Saal „Almirante Padilla“ statt. Ehrenzeugen der Unterzeichnung waren die Botschafterin der Republik Kolumbien in Deutschland, I.E. Yadir Salazar Mejía, Kapitän zur See Francisco Ortiz, Marine Attaché der Botschaft von Kolumbien und der Kommandant des Schiffes, Kapitän zur See Héctor González.

Als Ehrengäste begleiteten die Unterzeichnung: Peter Tamm, Vorstandsvorsitzender des Internationalen Maritimen Museums Hamburg und geschäftsführender Gesellschafter der Tamm Media GmbH / Koehler-Mittler-Verlagsgruppe; Bundestagsabgeordneter und Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus, Christoph Ploß; Melanie Leonhard, Senatorin für Wirtschaft und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg; Corinna Nienstedt, Leiterin des Staatsamtes (Europa – Internationales – Protokoll) in der Hamburger Senatskanzlei; Arne Schwoch, Leiter des Hafensicherheitszentrums der Hamburger Polizei; Arthur Darboven, CEO der Benecke Coffee GmbH und Vorstandsvorsitzender des Lateinamerika Vereins; Jutta Zülow, Vorstandsvorsitzende der Zülow AG; Christian Breuel, Managing Director Tankers bei Bernhard Schulte Shipmanagement – BSM; Nils Haupt, Leiter Konzernkommunikation bei Hapag-Lloyd und Fregattenkapitän Kai Ganzer, Protokollchef des Landeskommandos Hamburg der Bundeswehr.

Die Unterzeichnung des Abkommens ist das Ergebnis einer Initiative, die im April 2026 in Cartagena (Kolumbien) ihren Anfang nahm, als die Botschafterin der Republik Kolumbien in Deutschland, I.E. Yadir Salazar-Mejía, in Begleitung des damals noch designierten Honorarkonsuls von Kolumbien in Hamburg, Nikolaus H. Schües, die Marineakademie besuchte.

Bei dieser Begegnung wurden die akademischen Kompetenzen der Fakultät für Handelsmarine und ihre Studiengänge im Bereich der Nautik vorgestellt. Daraus entstand eine Initiative mit dem Ziel, die kolumbianische maritime Ausbildung mit der Expertise und den Kompetenzen der deutschen Schifffahrtsbranche zu verknüpfen – mit Unterstützung und unter Begleitung des Verbandes Deutscher Reeder (VDR).

Die mit F. Laeisz geschlossene Vereinbarung bietet kolumbianischen Studierenden der Fachrichtungen Brücken- und Maschinentechnik verbesserte Möglichkeiten, Ausbildungsphasen an Bord von Schiffen im internationalen Seeverkehr zu absolvieren. Diese praktische Erfahrung ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer beruflichen Ausbildung und trägt zur Erfüllung der internationalen Standards bei, die im STCW-Übereinkommen über die Ausbildung, die Erteilung von Befähigungszeugnissen und den Wachdienst von Seeleuten festgelegt sind.

Angesichts des Ausbaus der maritimen Ausbildungsprogramme in Kolumbien und der Notwendigkeit, die Einsatzmöglichkeiten einer neuen Generation von Handelsmarineoffizieren zu erweitern und sie für eine zunehmend internationale, technologisch geprägte und anspruchsvolle Branche zu rüsten, kommt dieser Initiative besondere Bedeutung zu.

Über das unterzeichnete Abkommen hinaus läutet die Initiative eine neue Etappe der maritimen Zusammenarbeit zwischen Kolumbien und Deutschland ein. Ziel ist es, nachhaltige Beziehungen aufzubauen, die den Wissensaustausch erleichtern, die praxisorientierte Ausbildung künftiger Fachkräfte im maritimen Bereich stärken und die Entwicklung neuer Kooperationsformate zwischen akademischen Einrichtungen und Unternehmen der maritimen Wirtschaft beider Länder fördern.

Die Wahl Hamburgs als Ort für die Besiegelung dieser Zusammenarbeit ist ebenfalls von großer Bedeutung. Als eines der wichtigsten See- und Hafenzentren Europas wurde die Hansestadt zum Schauplatz der Begegnung zwischen der kolumbianischen Seefahrttradition, vertreten durch die ARC „Gloria“, und der internationalen Erfahrung der deutschen Schifffahrtsindustrie.

Mit dieser Allianz nutzen Kolumbien und Deutschland jahrzehntelange maritime Traditionen, um neue Möglichkeiten der Ausbildung, Zusammenarbeit und Entwicklung für die kommenden Generationen von Fachkräften auf See zu schaffen.

Zum Thema Wissen und wissenschaftlicher Austausch fand an Deck der „Gloria“ die Veranstaltung „Auf einen Kaffee an Bord mit der kolumbianischen Diaspora in Deutschland“ statt, die von der kolumbianischen Botschafterin und dem Forschungsnetzwerk der kolumbianischen Diaspora in Deutschland (RIDCA) organisiert wurde.

Dabei legte die kolumbianische Wissenschaftsdiaspora gemeinsam mit Akteuren aus dem wissenschaftlichen Ökosystem Hamburgs und Norddeutschlands einen Fahrplan fest, dessen Schwerpunkt in der Ausarbeitung wissenschaftlicher Kooperationsprojekte zum Wiederaufbau der kolumbianischen Gebiete liegt, die vom Erdbeben am 10. August 2026 betroffen waren. Durch diese Tragödie wurden 75 Hochschulstandorte beschädigt, wovon 10 % der Studierenden in Kolumbien betroffen sind. Die Initiative zielt darauf ab, Universitäten beider Länder zu vernetzen, um neue Alternativen für Entwicklung, Forschung und Wettbewerbsfähigkeit voranzutreiben.

Als schwimmender Botschafter Kolumbiens auf den Weltmeeren verfolgte die „Gloria“ während ihres Deutschlandbesuchs auch die Mission, ihre Decks für die kolumbianische und deutsche Gemeinschaft zu öffnen. Die Resonanz auf diese Einladung war außergewöhnlich: Mehr als 6.000 Besucher kamen innerhalb von drei Tagen an Bord.

Auch das Internationale Maritime Museum Hamburg beteiligte sich auf Einladung der Botschafterin Kolumbiens am Programm. Als fester Bestandteil ihrer maritimen Ausbildung erhalten die zukünftigen Offiziere der kolumbianischen Marine auf ihren Auslandsreisen die Möglichkeit, die Kultur der besuchten Länder aus erster Hand kennenzulernen. So erlebte die Besatzung am 20. September einen von ihr als besonders bereichernd beschriebenen Besuch im Internationalen Maritimen Museum Hamburg. Dort empfing Peter Tamm persönlich Botschafterin Salazar Mejía, die Kapitäne zur See Héctor González und Francisco Ortiz sowie eine große Gruppe junger Kadetten und führte sie durch das Museum.

Die Führung wurde zu einer Entdeckungsreise durch die jahrhundertealten Traditionen der Seefahrt, zu deren Geschichte auch Kolumbien einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Den Höhepunkt des Treffens bildete eine traditionsreiche maritime Geste: ein fester Händedruck und der feierliche Austausch von Münzen, die die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft und ein sicheres Wiedersehen auf See symbolisieren.

Kolumbien und die maritime Wirtschaft

Mehr als die Hälfte des kolumbianischen Territoriums besteht aus See- und Flussgebieten. Das Land hat Küsten am Pazifik und am Atlantik und liegt in unmittelbarer Nähe zu den strategisch wichtigsten Routen für Handel und Geopolitik, wie dem Panamakanal, der nur 523 Meilen entfernt ist.

Die kolumbianische Schifffahrtsindustrie befindet sich derzeit in einer Expansionsphase. Allein im ersten Quartal 2026 stieg das Seeverkehrsaufkommen in Kolumbien um 5,6 %. 2025 wurden in den kolumbianischen Häfen 174 Millionen Tonnen Fracht und 6,2 Millionen TEU umgeschlagen und 11.515 Schiffe verzeichnet.

Die staatliche Werft Cotecmar in Cartagena hat sich von einem reinen Reparaturzentrum zur wichtigsten Militär- und Zivilwerft der Region entwickelt. So wurde kürzlich mit dem Bau der Fregatte PES begonnen, des bislang größten Kriegsschiffs der neuesten Generation, das je in Kolumbien gebaut wurde.

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