Leichtes Umschlagsplus in Rotterdam

Europas größter Seehafen konnte sein Ergebnis in der ersten Jahreshälfte leicht steigern. Infolge der Sperrung der Straße von Hormus nahm Öl einen größeren Anteil am Gesamtumschlag ein.
Europas größter Seehafen Rotterdam
© Port of Rotterdam Authority / Martens Multimedia

Im ersten Halbjahr stieg der Umschlag im Hafen von Rotterdam im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an: Er wuchs um 0,4% auf insgesamt 212 Mio. t an Gütern. Trockenes Massengut legte um 1,7% zu, flüssiges Massengut um 2,4%. Einen Rückgang verzeichnete der Hafen im Container- und Stückgutsegment: Gemessen in TEU ging der Umschlag um 0,1% zurück, in Tonnen waren es 2,6%. Der Umschlag an Stückgut ist um 1,1 % zurückgegangen.

Wie die Port of Rotterdam Authority mitteilte, sei das vergangene Halbjahr von „großer Unsicherheit“ geprägt gewesen – gemeint ist damit allen voran der Krieg im Persischen Golf und die unsichere Schifffahrt in der Straße von Hormus. Obwohl der Hafen durch seine Größe, Infrastruktur und vielseitigen Güterströme weiterhin widerstandsfähig operieren konnte, hätten die Entwicklungen deutlich gemacht, wie wichtig Investitionen in Energiesicherheit, nachhaltige Alternativen und resiliente Lieferketten seien.

In finanzieller Hinsicht verlief das erste Halbjahr mit einem Nettoergebnis von 144,8 Mio. € stabil. Die Investitionen der Port of Rotterdam Authority beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf 126,0 Mio. €.

„Der Krieg im Persischen Golf hat schwerwiegende humanitäre Folgen für die Menschen in der Region“, sagte Hafenchef Boudewijn Siemons. „Darüber hinaus macht die Sperrung der Straße von Hormus deutlich, wie eng globale Handels- und Energieströme miteinander verflochten sind. Obwohl die unmittelbaren Auswirkungen auf den Rotterdamer Hafen und den Umschlag im Hafen bislang begrenzt sind, haben höhere Energiepreise und zunehmende Unsicherheit die internationalen Märkte belastet. Diese Ereignisse unterstreichen die Bedeutung robuster Lieferketten und einer starken europäischen Energieinfrastruktur. Der Rotterdamer Hafen hat unter schwierigen Bedingungen seine Widerstandsfähigkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt. Dies ist nicht nur für die Position des Hafens von Bedeutung, sondern auch für die Widerstandsfähigkeit der Niederlande und Europas.“

Nachhaltige Entwicklung

Gemeinsam mit der Stadt Rotterdam hat die Port of Rotterdam Authority einen weiteren Schritt zur nachhaltigen Entwicklung des Hafens und der Stadt unternommen. Nach der Inbetriebnahme einer Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe an der Wilhelminakade können nun auch Schiffe, die an der Parkkade im Stadtgebiet anlegen, Landstrom nutzen. Dies sorgt für sauberere Luft, geringere CO₂-Emissionen und weniger Lärmbelästigung für die Umgebung. 

Die Fertigstellung des ersten Abschnitts des landesweiten Wasserstoffnetzes, das in Rotterdam symbolisch vom niederländischen König in Betrieb genommen wurde, zählt als weiterer Meilenstein. Über die 32 km lange Leitung zwischen der Maasvlakte und Pernis kann in Zukunft Wasserstoff aus den Wasserstoffanlagen auf der Maasvlakte zu den industriellen Abnehmern transportiert werden. In den kommenden Jahren wird das Netz auf weitere Industrieregionen ausgeweitet und an Speicherstandorte sowie Wasserstoffnetze in Deutschland und Belgien angebunden.

Im Bereich des Bunkerns mit alternativen Kraftstoffen hat der Hafen von Rotterdam im Mai mit der ersten Ethanol-Betankung eines Seeschiffs eine weitere Premiere erzielt. Der erfolgreiche Einsatz eines Ethanol-Methanol-Kraftstoffgemischs zeigt das Potenzial alternativer Kraftstoffe für die Nachhaltigkeit der Schifffahrt und stärkt die Position Rotterdams als führender Bunkerhafen für nachhaltige Kraftstoffe.  

Stadt und Hafen

Gemeinsam mit der Stadt Rotterdam hat die Hafenverwaltung ein Koalitionsabkommen beschlossen, in dem eine Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 festgehalten wurde. Um die erforderlichen privaten Investitionen anzustoßen, müssen noch wichtige Engpässe wie Stickstoffbeschränkungen und Netzengpässe beseitigt werden. „Die Port of Rotterdam Authority freut sich darauf, in den kommenden vier Jahren eng mit dem neuen Stadtrat bei der Umsetzung des Abkommens zusammenzuarbeiten“, heißt es.

Im Rotterdamer Hafen setzen Unternehmen, Einsatzkräfte und Behörden zunehmend Drohnen ein, unter anderem für Kontrollen, Sicherheitsmaßnahmen, Messungen, allgemeine und Umweltüberwachung sowie die Bewältigung von Zwischenfällen. Drohnen spielen somit eine immer wichtigere Rolle im täglichen Betrieb des Hafens. Diese Entwicklung erfordere einen sicheren und gut organisierten unteren Luftraum. Um dies zu verwirklichen, hat die Port of Rotterdam Authority Ende Juni beim niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft einen Antrag auf Ausweisung eines „Pre-U-space“ über dem Hafengebiet eingereicht. Der Pre-U-space-Luftraum konzentriert sich als vorbereitende Phase für einen vollständigen U-space-Luftraum auf die Anmeldung, Zulassung und Genehmigung von Drohnenflügen. Damit wurde das formelle Verfahren zur Schaffung eines besser regulierten unteren Luftraums eingeleitet. 

Ferm Zeehavens, die Cybersicherheitsplattform für die niederländischen Seehäfen von nationaler Bedeutung, hat einen wichtigen Schritt zur Stärkung der digitalen Resilienz des Rotterdamer Hafens unternommen. Gemeinsam mit einem niederländischen Start-up hat Ferm einen innovativen digitalen „Cyber-Schutzschild“ entwickelt, der internetfähige Systeme kontinuierlich überwacht und Schwachstellen frühzeitig erkennt. Inzwischen werden mehr als fünfzehn kritische Organisationen und Tausende von Systemen aktiv auf bekannte und neue Sicherheitslücken überprüft.

Investitionen und Finanzen 

Die Port of Rotterdam Authority blickt auf ein finanziell stabiles erstes Halbjahr zurück. Die Einnahmen sind um 3,2% auf 477,0 Mio. € gestiegen. Sowohl die Vertragserlöse als auch die Hafengebühren sind gestiegen, hauptsächlich infolge von Indexanpassungen. 
Die betrieblichen Aufwendungen stiegen um 10,9 Mio. € auf 178,2 Mio. €. Auch hier handle es sich in erster Linie um Preissteigerungen in Verträgen aufgrund vereinbarter Indexierungen sowie Lohnerhöhungen infolge der Tarifvertragsänderung im Jahr 2025, teilte der Hafenbetreiber mit. Darüber hinaus fiel ein einmaliger Sanierungsaufwand an.

Das EBITDA stieg um 1,3% auf 298,8 Mio. €, der Nettogewinn stieg um 0,9% beziehungsweise 1,2 Mio. € auf 144,8 Mio. €. Im ersten Halbjahr 2026 investierte die Port of Rotterdam Authority insgesamt 126,0 Mio. €. Dies waren 7% weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das liegt vor allem daran, dass im Jahr 2025 höhere Kapitaleinlagen in Porthos geleistet wurden als im Jahr 2026. 

Massengut wächst

Der Umschlag von trockenem Massengut ist im ersten Halbjahr 2026 um 1,7% gestiegen. Der Umschlag von Eisenerz und Schrott ging um 8,3% zurück. Der Eisenerzumschlag lag in der ersten Hälfte des Jahres 2026 um 9,6% unter dem Vorjahresniveau. „Obwohl die deutsche Stahlproduktion gestiegen ist, hat dies bislang noch nicht zu höheren Umschlagmengen geführt“, so die Einschätzung der Port Authority. „Die Stahlhersteller griffen auf ihre vorhandenen Lagerbestände zurück. Der Schrottumschlag stieg im ersten Halbjahr 2026 dagegen um 6,1%, vor allem aufgrund des Wachstums der Elektrostahlproduktion in wichtigen Absatzmärkten außerhalb der Europäischen Union. Insbesondere Ägypten war ein wichtiger Absatzmarkt.“

Der Kohleumschlag nahm im ersten Halbjahr 2026 um 17,8% zu. Der Anstieg sei vor allem auf die Erholung des Umschlags von Kokskohle gegenüber dem außergewöhnlich niedrigen Niveau des Jahres 2025 zurückzuführen. Darüber hinaus lag auch der Umschlag von Energiekohle über dem Vorjahresniveau, was unter anderem auf die relativ hohen Gaspreise infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zurückzuführen war. 

Der Umschlag von Agrar-Schüttgut lag in der ersten Hälfte des Jahres 2026 um 14,2% unter dem Vorjahresniveau und belief sich auf rund 4,9 Mio. t. Der Rückgang folgt auf das außergewöhnlich starke Jahr 2025 und spiegelt unter anderem die gesunkene Importnachfrage wider, die auf die größere Verfügbarkeit von Agrar-Schüttgut in Europa zurückzuführen ist. 

Der Umschlag von sonstigem trockenen Massengut nahm im ersten Halbjahr um 18,5% zu. Dieses Wachstum ist in erster Linie auf die Erholung der Bauwirtschaft in den Niederlanden zurückzuführen. Diese führte zu einer höheren Nachfrage nach Rohstoffen für den Bausektor. Darüber hinaus sorgten Lageraufbau und Verschiebungen in den Handelsströmen für zusätzliche Umschlagmengen.  

Deutlich mehr Rohölumschlag

Der Umschlag von flüssigem Massengut nahm in den ersten sechs Monaten um 2,4% zu. Durch die Sperrung der Straße von Hormus sind die Preise für Rohöl und Mineralölprodukte gestiegen, was zu höheren Raffineriemargen führte. Aufgrund dieser hohen Raffineriemargen und um den Wegfall der Importe von Mineralölprodukten auszugleichen, importierten und verarbeiteten die europäischen Raffinerien mehr Rohöl. Dies führte insgesamt zu einem Anstieg des Rohölumschlags um 1,6%. Der Umschlag von Mineralölprodukten erhöhte sich um 11,5 % auf 25 Mio. t. Die Importe gingen um 9% zurück, während die Exporte um 36% stiegen.

Der Exportzuwachs sei insbesondere auf höhere Ausfuhren von Schweröl nach Singapur sowie von Gasöl nach Gibraltar und Spanien zurückzuführen.  „Letzteres hängt mit der Einführung der Emissionskontrollzone (ECA) im Mittelmeerraum im vergangenen Jahr zusammen“, so die Port Authority. „Dort dürfen Schiffskraftstoffe mit einem Schwefelgehalt von höchstens 0,1% verwendet werden, was zu einer gestiegenen Nachfrage nach Marinediesel geführt hat.“

Der Umschlag von LNG (Flüssiggas) ging um 1,7% auf 6,4 Mio. t zurück, da weniger importiert wurde. Die Exporte stiegen hingegen an. Dies ist vor allem auf den verstärkten Einsatz von LNG als Schiffskraftstoff zurückzuführen.

Der Umschlag des übrigen flüssigen Massenguts sank um 5,9%. „Dies ist vor allem auf einen Rückgang des Umschlags von chemischen Erzeugnissen zurückzuführen“, erklärte der Hafenbetreiber. „Die chemische Industrie in Europa steht weiterhin unter Druck aufgrund hoher Energiepreise, einer begrenzten Nachfrage sowie des intensiven Wettbewerbs aus Regionen außerhalb Europas. In nahezu ganz Europa liegt die chemische Produktion unter dem Vorjahresniveau, was zu einer geringeren Nachfrage nach Rohstoffen und einem Rückgang der Exporte von (End-)Produkten führt.“

Container und Stückgut

Der Containerumschlag blieb mit einem Rückgang von 0,1% in TEU nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. In Tonnen gemessen, verringerte sich der Umschlag um 2,6% auf 98,5 Mio. t. Das Deepsea-Volumen stieg um 5,2% in TEU, da die Importmengen aus Asien um 8% zugenommen haben. Der Export beladener Container ging um 1% zurück. „Dadurch hat sich das Ungleichgewicht weiter verstärkt, und der Umschlag in Tonnen ist stärker zurückgegangen als in TEU“, so die Erklärung dazu. „Der Umschlag von und nach Nordamerika nahm aufgrund einer höheren Anzahl von Liniendiensten 13% zu. Das Transshipment-Volumen sank dagegen infolge Kapazitätsengpässen in Rotterdam um 20%. Dies führte insgesamt dazu, dass im ersten Halbjahr kein Wachstum beim Containerumschlag zu verzeichnen war.“

Ab Ende dieses Jahres werde an mehreren Containerterminals zusätzliche Kapazität zur Verfügung stehen, wodurch wieder neue Wachstumsmöglichkeiten für den Containersektor in Rotterdam geschaffen werden. 

Der direkte Containerverkehr von und zu Ländern am Persischen Golf macht rund 1% des gesamten Containeraufkommens in Rotterdam aus. „Nach der Sperrung der Straße von Hormus entstanden relativ schnell neue Verbindungen über Häfen außerhalb des Persischen Golfs“, teilte die Port Authority mit. „Die negativen Auswirkungen auf den Hafen von Rotterdam blieben dadurch begrenzt.“

Der RoRo-Umschlag stieg um 1% auf 13 Mio. t. Ursache hierfür ist die steigende Nachfrage nach Gütern im Vereinigten Königreich. Der Umschlag des übrigen Stückguts ging um 9,5% zurück. Grund dafür ist die anhaltende Schwäche der europäischen Fertigungsindustrie, vor allem in den Bereichen Maschinenbau und Automobilindustrie. Insbesondere der Umschlag von Aluminium liegt unter dem üblichen Niveau. Auch die verschärften Sanktionen gegen russische Frachtgüter zeigen Wirkung.

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