„Die Schifffahrt ist ein wahnsinnig spannendes Feld und niemals langweilig“

Jura-Studium oder Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau? Christine Willenborg entschied sich  für beides. Heute arbeitet sie als Director Legal & HR bei einem Hamburger Schifffahrtsunternehmen. Hier berichtet sie über ihren spannenden Berufsalltag und darüber, warum sie die Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau für einzigartig hält.
Christine Willenborg
Christine Willenborg (© Privat)

Wie war Ihr Weg in die maritime ­Branche?

Christine Willenborg: Schon nach dem Schulabschluss habe ich mich für die Schifffahrt interessiert. Da ich aber bereits eine Studienplatzzusage hatte, habe ich erst einmal mein Jurastudium begonnen. Das Interesse an der Schifffahrt hat mich jedoch weiter begleitet, und nach meinem Abschluss habe ich dann meinen Weg in die Schifffahrt gesucht.

Deshalb habe ich zusätzlich die Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau gemacht und die maritime Branche kennen und lieben gelernt.

Bis heute bereue ich diese Entscheidung nicht, denn die Schifffahrt ist ein wahnsinnig spannendes Feld und niemals langweilig.

Ihr Job in Kürze – was machen Sie und wo?

Willenborg: Ich arbeite bei MACS Maritime Carrier Shipping GmbH & Co. und bin dort seit 13 Jahren verantwortlich für die Abteilung Legal & Claims und seit gut drei Jahren zusätzlich auch für den Bereich Human Resources (HR).

Die Abteilung Legal & Claims beschäftigt sich vorrangig mit Schadensfällen, Havarien und allerlei »heißen Kartoffeln«, wenn es um Streitigkeiten aus Verschiffungsverträgen, Charterparties oder mit Bunkerlieferanten geht. Zudem betreuen wir dort den Versicherungsbedarf (P&I, Kasko etc.) sowie die Versicherungsabwicklung für unsere gesamte Flotte.

Im HR sind wir von Hamburg aus verantwortlich für das Personal der gesamten Gruppe an allen unseren europäischen Standorten.

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Job aus?

Willenborg: Wenn ich morgens ins Büro komme, versuche ich in den ersten 30 Minuten zunächst, den vergangenen Nachmittag zu erfassen. Da ich in Teilzeit arbeite, bin ich nicht jeden Nachmittag im Büro.

Danach widme ich mich meinem ­aktiven Arbeitstag, der sehr von den aktuellen Themen im Haus gesteuert ist. Seien es Teambesprechungen zu aktuellen Vorfällen im Claims, Personalgespräche aus aktuellem Anlass, Reaktionen auf Schadensfälle oder Vertragsprüfungen – einen »typischen Tag« gibt es bei mir nicht.

Was lieben Sie an Ihrem Job am ­meisten?

Willenborg: Am meisten liebe ich, dass jeder Arbeitstag etwas Neues bringt. In beiden Abteilungen ist man gezwungen, regelmäßig aus der ­Komfortzone zu kommen und sich mit Themen zu befassen, die für einen neu sind. Das hat einen ganz besonderen Reiz für mich.

Welchen Rat würden Sie jungen ­Menschen geben, die eine Karriere in der maritimen Branche anstreben?

Willenborg: Ich würde zum Start unbedingt eine Ausbildung zur/m Schifffahrtskauffrau/-mann empfehlen. Diese Ausbildung ist in der maritimen Branche einzigartig und unglaublich wertvoll. Auch über Deutschland hinaus sind die Ausbildung und der ­Wissensschatz, den die Absolventinnen und Absolventen mitbringen, bekannt und geschätzt. Zudem ist mit dieser Lehre als Grundlage in meinen Augen wirklich alles möglich.

Warum sind Sie WISTA beigetreten, und was bedeutet Ihnen die Mitgliedschaft?

Willenborg: Ich bin tatsächlich wegen des »Muddi-Stammtischs« beigetreten. Aber auch das ausgezeichnete Netzwerk hat mich interessiert. Der Austausch mit anderen Frauen in dieser früher sehr von Männern ­dominierten Branche ist sehr interessant, und dieses entstandene Netzwerk möchte ich nicht mehr missen, auch wenn ich momentan im Spagat zwischen Beruf und Familie nicht viel Zeit finde, mich stärker zu engagieren.

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit am meisten?

Willenborg: Das wechselt tatsächlich täglich. Gestern Vormittag war es eine Havarie, mittags dann ein Personalthema und morgen früh vielleicht ein langatmiger Vertrag, den ich prüfen muss. Ich muss jedoch gestehen, dass das Thema Personal – sei es als Personalchefin oder Führungskraft – immer an vorderster Stelle steht. Die Menschen, die mit und für uns arbeiten, sind einfach der größte Wert, den wir haben und um den wir uns kümmern müssen. Daher hat sich meine Priorisierung in den vergangenen Jahren deutlich verschoben.


Über Christine Willenborg

• Christine Willenborg ist bei Hamburg aufgewachsen.
• Nach einem Jurastudium an der Universität Hamburg absolvierte sie eine Lehre zur Schifffahrtskauffrau mit der Fachrichtung Linienfahrt bei MACS Maritime Carrier Shipping. Die Möglichkeiten und die große Familienfreundlichkeit, die ihr das Unternehmen anschließend bot, passten perfekt und sind der Grund dafür, dass sie dort seit 17 Jahren sehr gerne arbeitet – aktuell als Director Legal & HR.
• Privat ist sie verheiratet und hat zwei Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.

Über MACS

• MACS Maritime Carrier Shipping GmbH & Co. ist ein Hamburger Familienunternehmen mit einer Flotte von mehreren Multipurpose-Schiffen auf drei Liniendiensten zwischen Europa, dem südlichen Afrika sowie den USA
und Mexiko.
• Die vielseitige Flotte kann nahezu jede Ladung transportieren – von Massengut und Stückgut über Projektladung bis hin zu Containern – und bietet dadurch eine Vielzahl an spezialisierten Transportlösungen.


HANSA and WISTA empower women in the maritime industry
Im Rahmen einer exklusiven Partnerschaft mit dem deutschen Verband der Women‘s International Shipping
& Trading Association porträtiert die HANSA in regelmäßigen Abständen ein Mitglied vom WISTA Germany e.V.

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