»Eine Branche, die mich bis heute begeistert«

Als Tochter eines Seemanns und als ausgebildete Schifffahrtskauffrau ist Susanne Coulibaly seit Kindesbeinen mit der Schifffahrt verbunden. Doch nicht nur das, seit Juni ist die Operations Managerin auch zweite Vorsitzende von WISTA Germany. 
Susanne Coulibaly ist Operations Managerin bei einer Hamburger Reederei und seit Juni zweite Vorsitzende von WISTA Germany
Susanne Coulibaly ist Operations Managerin bei einer Hamburger Reederei und seit Juni zweite Vorsitzende von WISTA Germany © Wroblewski

Als Tochter eines Seemanns und als ausgebildete Schifffahrtskauffrau ist Susanne Coulibaly seit Kindesbeinen mit der Schifffahrt verbunden. Doch nicht nur das, seit Juni ist die Operations Managerin auch zweite Vorsitzende von WISTA Germany. 

Seit wann sind Sie mit der Schifffahrt verbunden und wie sind Sie dazu gekommen?

Susanne Coulibaly: Ich bin im Grunde, solange ich denken kann, mit der Schifffahrt verbunden – mein Vater war Seefahrer und hat mich schon früh für diese Welt begeistert. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Eindrücke an Bord, die für mich absolut faszinierend waren. Vor 22 Jahren habe ich dann bei AIDA Cruises eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau begonnen – das war für mich der offizielle Einstieg in die Branche und zugleich der Beginn eines Weges, der mich bis heute begeistert.

Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus?

Coulibaly: Kein Tag gleicht dem anderen. Mein Arbeitsalltag ist eine Mischung aus operativen Aufgaben, Kommunikation mit verschiedenen Partnern und strategischer Planung. Besonders spannend finde ich die internationalen Aspekte und die Notwendigkeit, flexibel und lösungsorientiert zu arbeiten – gerade in einer Branche, in der vieles in Bewegung ist.

Natürlich wird mein beruflicher Alltag auch durch meine Tochter beeinflusst, mit der ich alleine in Hamburg lebe. Diese Verantwortung erfordert eine gute Organisation und ­Priorisierung, gibt mir aber auch wertvolle Impulse und eine klare Perspektive auf das, was wirklich zählt.

Trotz meiner Arbeit im Bereich Operations hatte ich bislang bei keinem meiner Arbeitgeber Schwierigkeiten, meiner Verantwortung als Mutter gerecht zu werden – ein absolutes Plus für die Arbeit in der Schifffahrt auch in einem Bereich mit 24/7 Erreichbarkeit.

Wie war Ihr Weg zu WISTA?

Coulibaly: Ich bin durch Kolleginnen auf WISTA aufmerksam geworden und war sofort begeistert vom Netzwerk-Gedanken. Die Möglichkeit, sich mit anderen Frauen aus der maritimen Branche auszutauschen, hat mich überzeugt. In WISTA habe ich nicht nur Inspiration gefunden, sondern auch echte Unterstützung und Gemeinschaft – gerade auch in Phasen, in denen es beruflich nicht so gut lief.

Was bedeutet für Sie »Diversität in der Arbeitswelt«?

Coulibaly: Diversität bedeutet für mich, dass unterschiedliche Perspektiven, Lebensentwürfe und Erfahrungen als Bereicherung gesehen werden. Es geht nicht nur um Geschlecht oder Herkunft, sondern auch um Denkweisen, Alter, berufliche Hintergründe und mehr. Ein diverses Umfeld schafft Innovation, Empathie und langfristigen Erfolg.

Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass Diversität nicht nur ein moralischer Imperativ, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil ist. Wenn Organisationen die Vielfalt erhöhen – sei es durch Frauen in Führungspositionen, ältere Mitarbeitende, verschiedene kulturelle Hintergründe oder unterschiedliche Meinungen – beginnen sich eingefahrene Strukturen zu lockern und Innovation wird möglich.

Dabei geht es nicht nur um Gleichberechtigung, sondern um die bewusste Nutzung der Unterschiede. Unterschiedliche Perspektiven führen zu besseren Entscheidungen, kreativen Lösungen und einem stärkeren Zusammenhalt im Team. Teams, die aus Menschen mit unterschiedlichen ­Hintergründen bestehen, bringen ein breiteres Spektrum an Erfahrungen und Sichtweisen ein – und das macht sie erfolgreicher.

Was ist Ihr Beitrag zur Diversität?

Coulibaly: Inklusion und Diversität sind für mich nicht nur Schlagworte, sondern eine persönliche Mission. Ich kann es schwer ertragen, wenn Menschen ausgeschlossen werden, nur weil sie nicht ins vermeintliche Bild passen.

Mein Beitrag beginnt im Alltag: Ich setze mich aktiv für ein offenes, wertschätzendes Umfeld ein – im Team, in Projekten und in der Zusammenarbeit mit Partnern. Zuhören, unterschiedliche Perspektiven ernst nehmen und Räume für Entwicklung schaffen sind für mich essenziell. Besonders wichtig ist mir, junge Kolleginnen und Kollegen zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen – unabhängig von Stereotypen oder Herkunft.

Darüber hinaus habe ich mit Kindern in Flüchtlingslagern gearbeitet und mich im Krisennetz von InVia e.V. für ­Jugendliche in schwierigen Lebenslagen engagiert. Diese Erfahrungen haben mir deutlich gezeigt, wie viel es bewirken kann, wenn jemand nicht nur »funktionieren« soll, sondern als Mensch gesehen wird – mit all seinen Potenzialen. Wenn man in jemanden seine Stärken erkennt und gezielt einsetzt und darin bestärkt, kann das ungeahnte Kräfte freisetzen – gerade bei denen, die oft übersehen werden. Bei den »Underdogs« entstehen dann oft wahre Höchstleistungen, weil sie endlich jemand wirklich sieht und an sie glaubt.

Was können Unternehmen in der maritimen Branche noch tun, um mehr Diversität zu erreichen?

Coulibaly: Unternehmen in der maritimen Branche sollten Diversität als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur und strategischen Ausrichtung begreifen – nicht als kurzfristige Initiative, sondern als langfristigen Erfolgsfaktor. Bewusste und faire Einstellungsprozesse, in denen vielfältige Lebensläufe und Hintergründe gezielt berücksichtigt werden, sind dafür genauso wichtig wie flexible Arbeitszeitmodelle und transparente Entwicklungsmöglichkeiten, um unterschiedliche Talente nachhaltig zu binden. 

Doch das gelingt nicht nebenbei. Zu oft wird DEI-Arbeit von engagierten Einzelpersonen getragen – unbezahlt, zusätzlich zur eigentlichen Rolle. Das ist auf Dauer nicht fair und nicht wirksam. Wer es ernst meint, muss Ressourcen bereitstellen: Budget, Zeit, Strukturen und klare Zuständigkeiten. Nur weil Menschen aus verschiedenen Nationen zusammenarbeiten, entsteht noch keine echte Inklusion. Diversität managt sich nicht von selbst – sie braucht bewusste Gestaltung. Ohne fundierte Maßnahmen und regelmäßigen internen Dialog über Vielfalt bleibt am Ende oft nur die bunte Fahne im Intranet – Symbol für gut gemeintes »Color-Washing« statt echter ­Veränderung. Vielfalt braucht Haltung, aber auch gezielte Handlungen, die Top-down unterstützt werden.


HANSA and WISTA empower women in the maritime industry
Im Rahmen einer exklusiven Partnerschaft mit dem deutschen Verband der Women‘s International Shipping & ­Trading Association porträtiert die HANSA in regelmäßigen Abständen ein Mitglied vom WISTA Germany e.V.

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