SMM-Report: Investitionsoffensive in maritimer Industrie

Eine neue Marktumfrage der SMM zeigt: Reedereien und Werften weltweit planen umfangreiche Investitionen in Effizienz, KI und Flottenmodernisierung.
cyber, Lufthansa
Die Digitalisierung ist Herausforderung und Chance für die Schifffahrt (© Selzer)

Der jetzt veröffentlichte SMM Maritime Industry Report (MIR) hat untersucht, was Reeder, Werften und Zulieferer bewegt und wo Herausforderungen gesehen werden. Das Ergebnis: Die Branche zeige zuversichtlich und investitionsfreudig, so ein Statement der Messegesellschaft Hamburg Messe und Congress (HMC), die alle zwei Jahre die Weltleitmesse SMM organisiert.

Durchgeführt wurde die Umfrage mit dem Marktforschungsunternehmen Mindline zum mittlerweile fünften Mal. Der SMM Maritime Industry Report 2025 bildet im Zwei-Jahres-Rhythmus die Erwartungen der Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer zur Entwicklung von Schifffahrt und Schiffbau ab.

„Die Wachstumsdynamik der Branche ist ungebrochen – das ist ein starkes Signal in bewegten Zeiten“, sagt Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der HMC. Mit 50,5 Punkten erreicht der Maritime Industry Score – er misst die Differenz zwischen positiven und negativen Markterwartungen – einen deutlich positiven Wert (Skala: –100 bis +100). Trotz eines leichten Rückgangs gegenüber 2023 bleibt das Gesamtniveau hoch.

Branchenklima im Detail

  • Reedereien: 34,4 Punkte (2023: 37,1) – etwas moderater als bei der letzten Untersuchung
  • Werften: 49,9 Punkte – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung
  • Zulieferer: 64,6 Punkte – konstant auf sehr hohem Niveau

Fachkräftemangel, Energie, Bürokratie – die größten Sorgen

Erstmals zeigt die Studie, welche Herausforderungen Unternehmen am meisten beschäftigen. Ganz oben: Fachkräftemangel, hohe Energiekosten und zunehmende regulatorische Anforderungen. „Diese Themen greift die SMM 2026 gezielt auf“, sagt Christoph Lücke, Direktor SMM. Auch um dieses Thema zu beleuchten, findet während der SMM der Maritime Career Market statt, der Talente und Unternehmen zusammenbringen soll. Zahlreiche Aussteller präsentieren Lösungen zur Effizienzsteigerung und Energieeinsparung. Klassifikationsgesellschaften und Softwareanbieter unterstützen dabei, gesetzliche Umwelt- und Klimavorgaben wirtschaftlich und praxisnah umzusetzen.

Investitionsbereitschaft auf Rekordniveau

Nachhaltigkeit bleibt ein Top-Thema. Sechs von zehn Befragten erwarten steigenden Druck, ihre Flotten energieeffizient zu modernisieren. Besonders gefragt sind datengetriebene Lösungen – ihre Relevanz ist gegenüber der letzten Befragung um 13 Prozentpunkte gestiegen. Auch Künstliche Intelligenz gewinnt an Bedeutung und wird auf der SMM 2026 erneut ein zentrales Thema. Gleichzeitig planen Unternehmen umfangreiche Investitionen in neue Hardware: 48% der Reedereien wollen bis 2026 „wahrscheinlich“ oder „sehr wahrscheinlich“ neue Schiffe ordern – ein neuer Höchstwert im MIR.

Besonders gefragt sind:

  • Containerschiffe (plus zehn Prozentpunkte gegenüber 2023)
  • RoRo-Fähren und Passagierfähren
  • Kreuzfahrtschiffe
  • Marineschiffe – das komplette Spektrum von U-Booten und Kampfschiffen über Patrouillenboote bis zu Versorgungsschiffen

„Die veränderte weltpolitische Lage mit zahlreichen Konflikten und direkten Auswirkungen auf die maritime Welt macht sich hier deutlich bemerkbar“, kommentierte Klaus Borgschulte, SMM-Beiratsvorsitzender und Werftmanager.

Qualität und Service werden zum Erfolgsfaktor

Neben Nachhaltigkeit rücken bei den Zulieferern After-Sales-Service und Produktlebensdauer stärker in den Fokus. „Qualität wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor“, beobachtet Hauke Schlegel, Geschäftsführer bei VDMA Marine Equipment and Systems. Ein Grund dafür sind immer strengere gesetzliche Vorgaben. „Reedereien können sich Ausfälle nicht mehr leisten – besonders bei nicht redundanten Systemen wie Abgasreinigung oder Ballastwasserbehandlung zählt maximale Zuverlässigkeit“, sagt Richard von Berlepsch, langjähriger Flottenchef von Hapag-Lloyd. SMM-Direktor Christoph Lücke sieht darin die perfekte Basis für die kommende Weltleitmesse in Hamburg: „Die SMM 2026 versammelt die weltweiten Qualitätsführer der maritimen Industrie. Sie ist nicht nur Marktplatz für technologische Innovationen, sondern auch Plattform für Kooperation und Wissensaustausch, die die Branche entscheidend voranbringt.“

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